Grübel verlangt Vertrauensbeweis

Stellt sich der Verwaltungsrat, der ab morgen mit der Konzernleitung in Singapur tagt, nicht eindeutig hinter Oswald Grübel, wird er wohl abtreten.

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Ab morgen tagen Konzernleitung und Verwaltungsrat der UBS in Singapur. Der Termin für die «Business Revue» steht schon länger fest – nach dem Milliardenbetrug des Londoner Händlers Kweku Adoboli bekommt das Treffen nun aber besondere Brisanz. Neben der Infor­mation über den Fall stehen zwei Entscheide zuoberst auf der Traktandenliste: erstens die Strategie des Konzerns und zweitens die Personalie Grübel.

Die Fragen sind eng miteinander verknüpft. Das Management fliegt mit einem umfassenden Plan zur Restrukturierung des Investmentbanking nach Asien. Änderungen sind auch in der Vermögensverwaltung geplant, bei der Investmentbank geht es jedoch um eine neue Strategie. Die sieht vor, dass der Eigenhandel und der kapitalintensive Fixed-Income-Bereich – der Bereich, der für das ­De­bakel mit den US-Hypotheken ver­antwortlich war – so weit wie möglich aufgegeben werden. Zudem werden Risikopositionen, sogenannte «Risk Weighted Assets», von heute 130 Milliarden ­Franken um ein Drit­tel reduziert, auf diese Weise werden rund 10 Milliarden Eigenkapital frei.

«Rechte Hand» für Grübel?

Grübel plant laut ihm nahestehenden Informanten, die Restrukturierung selbst durchzuführen. Dazu will und braucht er ein überzeugendes Vertrauensvotum des Verwaltungsrats. Das heisst: eine öffentliche Erklärung und eine Botschaft nach innen, dass er der Mann ist, der die ­Investmentbank herunterfahren soll. Gefordert ist zudem eine Erklärung, dass er bis mindestens Anfang 2013 im Amt bleibt. Kommt die Erklärung nicht bis zum Investor Day vom 17. November, ist Grübel weg. Praktisch ist, dass die Sitzung in Singapur stattfindet: Dessen Staatsfonds ist Hauptaktionär der UBS und kann ebenfalls konsultiert werden.

Ein Vorteil der Lösung Grübel wäre, dass der zukünftige Verwaltungsratspräsident Axel Weber genügend Zeit hätte, einen geeigneten Nachfolger zu finden. UBS-intern sind mögliche Kandidaten dünn gesät. Carsten Kengeter, der Chef der Investmentbank, kommt nicht mehr infrage. Er muss wegen des Kontrollversagens in seiner Abteilung um seinen Job bangen. Bleibt Sergio Ermotti, der vor Jahresfrist von der Unicredit zur UBS stiess. Möglich ist, dass Ermotti weitergehende Aufgaben erhält als bisher und als eine Art rechte Hand Grübels zeigen kann, dass er für dessen Nachfolge geeignet ist.

Ebenfalls diskutiert wird, dass Kaspar Villiger das VR-Präsidium bereits nächstes Jahr an Weber abgibt und nicht erst wie geplant 2013. Damit würden nicht gleichzeitig der Präsident und der CEO der Bank wechseln. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 20.09.2011, 07:53 Uhr)

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