Wirtschaft

HP setzt Schweizer Mitarbeiter unter Druck

Die Schweizer Tochter des US-Konzerns Hewlett Packard hat von ihren Mitarbeitenden einen «freiwilligen» Lohnverzicht von fünf bis zehn Prozent gefordert. Arbeitgeberverband und Gewerkschaften sind irritiert.

Quartalsgewinne in Milliardenhöhe: US-Konzern Hewlett Packard.

Quartalsgewinne in Milliardenhöhe: US-Konzern Hewlett Packard. (Bild: Keystone)

Dies geht aus internen E-Mails hervor, die der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens vorliegen. In der TV-Sendung berichtet ein Mitarbeiter, die Belegschaft werde vom Management mit Mails und in Mitarbeitergesprächen unter Druck gesetzt, dem «freiwilligen» Lohnverzicht zuzustimmen. HP Schweiz bestätigte die umstrittene Lohnmassnahme. «In der Schweiz haben sich erfreulicherweise viele Mitarbeitende zu dieser freiwilligen Salärreduktion bereit erklärt», schrieb die Firma der «Rundschau». HP Schweiz beschäftigt rund 2000 Personen, weltweit zählt der Konzern 320'000 Mitarbeiter.

«HP hat Erklärungsbedarf», sagte Thomas Daum, der Direktor des Schweizerischen Arbeitsgeberverbands. Dies habe es so in der Schweiz noch nicht gegeben. Lohnsenkungen seien für den Schweizerischen Arbeitgeberverband höchstens eine Massnahme der Ultima ratio in einer schweren Existenzkrise, sagte Daum.

Beim US-Unternehmen HP ist dies nicht der Fall. Für 2008 bezog der Konzernchef Mark Hurd einen Lohn inklusive Bonus von 42 Millionen Dollar. Der Hersteller von Computern und Druckern weist mitten in der allgemeinen Wirtschaftskrise noch Quartalsgewinne in Milliardenhöhe aus. Auch in der Schweiz gewann die IT-Firma bis zuletzt noch Marktanteile dazu.

Kritik der Gewerkschaften

In einem internen Brief schrieb HP Schweiz, die Firma bitte die Mitarbeitenden, «einer freiwilligen Reduktion des Fixgehalts im Ausmass von fünf Prozent per 1. September 2009 zuzustimmen, ebenso wie einer damit verbundenen Reduktion aller gehaltsabhängigen Sozialleistungen wie zum Beispiel Pensionskassenbeiträge, Todesfallkapital und Lohnfortzahlung». In andern Fällen liegt die unbefristete Lohnreduktion bei zehn Prozent.

Die Gewerkschaft Kommunikation kritisiert, dass HP den betroffenen Mitarbeitern nicht einmal eine Arbeitsplatzgarantie in Aussicht stelle. «Im gleichen Atemzug, wie sich das Topmanagement 400 Prozent mehr Bonus ausbezahlt hat, verordnen die gleichen Leute einen Lohnverzicht von bis zu zehn Prozent», kritisierte Gewerkschafter Giorgio Pardini in der «Rundschau». (bru)

Erstellt: 07.10.2009, 20:49 Uhr

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10 Kommentare

Rene Wetter

08.10.2009, 18:13 Uhr
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Ich würde dem zustimmen wenn: mein Vermieter mir 10% Zinsreduktion, die SBB, die Krankenkasse und die Detailisten 10% Rabatt geben würden. Und klar will ich auch 10% zusätzliche Ermässigung in der betriebseigenen Kantine. Wenn solche "Spässe" einreissen werden wir nie aus der Krise rauskommen. Ach ja, nächstes Jahr ist meine Workstation fällig, vielleicht wirds keine HP mehr.. Antworten


Christian Schenk

08.10.2009, 16:10 Uhr
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Tja, den grossen Sprüchen aus dem Arbeitgeberverband (das Personal ist höchstes Gut etc.) werden solche Taten schon den nötigen Dämpfer geben. Aber nur Mut, da muss man durch, ab 2012 verdünnt sich der Arbeitsmarkt, bis dahin bleiben Arbeitnehmer nun mal die Dummen. Antworten


Sibylle Weiss

08.10.2009, 16:08 Uhr
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Druck ausüben ist das Eine, eine Selbstmordserie (Télécome France lässt grüssen), ist das Andere.Bleibt nur noch zu hoffen,dass dieses "Virus" nicht grenzüberschreitend ansteckend ist u.der Funken nicht überspringt! Antworten


Peter Kalt

08.10.2009, 13:39 Uhr
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ich bin mir sicher William (Bill) Hewlett und David Packard drehen sich von Abscheu weg, wenn sie sehen könnten, was aus Ihrer Unternehmung geworden ist. Ich hoffe nur, dass dieses Gebahren nicht noch weiter in anderen Unternehmungen Schule macht... Antworten


Franziska Bolliger

08.10.2009, 12:06 Uhr
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Ich hatte meine Gründe, wieso ich eine sehr gute Stelle bein HP abgelent habe. Nun bin ich heilfroh darüber, dass ich mein Wissen und meine Arbeitskraft nicht an so einem Unternehmen verschwende! Antworten


Marcel Homberger

08.10.2009, 12:04 Uhr
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Wir können alle solches Verhalten goutieren - oder nicht: Ich auf jeden Fall kaufe ab heute keine Produkte von HP mehr Antworten


Peter Flückiger

08.10.2009, 11:59 Uhr
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Das Verhalten eine solchen Konzerns erfodert nur eine Reaktion solange die Boni dieser Manger über 75% des effektiven Lohnes sind Boykott. Antworten


Nadine Binsberger

08.10.2009, 11:14 Uhr
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Die heutigen Betriebe sind kleine Sklavenhalter-Diktaturen. Direktdemokratische Betriebsführung ist eine Frage der Menschenwürde. Antworten


Michael Sold

08.10.2009, 10:48 Uhr
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Ich bin immer wieder erstaunt was sich die Schweizer Arbeitnehmer so alles gefallen lassen. Es geht ja nicht um eine Firma die vor dem Aus steht sondern um eine Firma, die mit Werbegeldern und Boni für die Obersten Etagen nur so um sich wirft. Was wollte ihr Euch noch alles gefallen lassen, damit ihr aufwacht aus der Lethargie des Seins. Als Eingeschweizerter bleiben mir solche Dinge schleierhaft. Antworten


Carlos von Arx

08.10.2009, 10:44 Uhr
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2007 hatte Mark Hurd USD 25 mio und heute USD 42mio, satte 66% mehr. Dann schimpft man über bankers ?! Eine ausgeglichene und harmonische gesellschaft und gemeinschaft erreichen politiker nicht idem sie solche auswüchse zulassen. Es ist nötig mindestens an einem der enden zu schrauben. Sonst wird der soziale frieden zu stark gefärdet und jede korrektur wird folgen haben die wir nicht tragen wollen Antworten



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