«Hayek hat seinen Visionen alles untergeordnet»

Nicolas Hayek habe es verstanden, die Schweizer Uhrenindustrie stets mit neuen Impulsen voranzutreiben, sagt Uhrenbranchen-Experte Peter W. Frey im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

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Herr Frey, wen hat die Uhrenindustrie heute mit Nicolas Hayek verloren?
Die Uhrenindustrie verliert den Mann, der die Branche mit einer unternehmerischen Vision gerettet und aus der Krise geführt hat. Auch später, als die Krise bereits überwunden war, verlieh er ihr stets neue Impulse. Ohne Nicolas Hayek hätte die Schweizer Uhrenindustrie diesen Boom niemals erlebt. Ohne ihn wäre sie weniger innovativ und insbesondere im Luxus-Segement weniger stark.

Können Sie ein Beispiel für einen dieser wichtigen Impulse nennen?
Die Swatch Group entschied sich, die Lieferung von Uhrwerken an Drittmarken einzuschränken. Diesem Schritt verdanken wir, dass heute viele verschiedene Hersteller von mechanischen Uhren wieder selbst Werke produzieren.

Als Journalist haben sie einen steten Kontakt mit ihm gepflegt. Wie haben Sie ihn als Menschen wahrgenommen?
Er ist immer sehr stark auf sein Gegenüber eingegangen. Er nahm sich immer viel Zeit. Und wenn er seine Visionen erklärte, wollte er hundertprozentig sicher sein, dass er richtig verstanden wird. So kam es mehrmals, dass ich ein Zeitfenster von 30 Minuten für ein Interview erhalten habe, er aber dann eine ganze Stunde mit mir redete.

Welche Episode aus dem Leben von Nicolas Hayek gehört zu jenen, die Sie am meisten überrascht haben?
Vielleicht die, dass das Hallwilersee-Schutzdekret extra für Nicolas Hayek geändert wurde. Er wohnte im Meisterschwanden am Hallwilersee und wollte dort ein Hallenbad bauen. Das wäre unter den damals geltenden Bestimmungen nicht möglich gewesen. Aber schliesslich war Hayek ein gern gesehener Bürger und guter Steuerzahler – also fand die Gemeinde Meisterschwanden einen Weg, um ihm seinen Wunsch zu ermöglichen.

Nicolas Hayek hatte einen Hang zu grossen Auftritten. Hatte sein Erfolg auch damit zu tun?
Nicht unbedingt. Entscheidend war, dass Hayek seinen Visionen immer alles untergeordnet hatte.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.06.2010, 22:23 Uhr

Peter W. Frey (62) war bis 2009 Redaktor des Tages-Anzeigers und hat sich intensiv mit der Uhrenindustrie befasst. (Bild: Reto Oeschger)

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