Hayek will die Spekulanten abstrafen

Erstmals seit Jahren verzeichnet die Swatch-Gruppe einen Umsatzrückgang. Die Gewinnmarge ist jedoch nach wie vor hoch, der Konzern schwimmt im Geld.

Fertige Zeitmesser beim zur Swatch Group gehörenden Uhrwerk-Hersteller ETA am Standort Sion. Foto: Mario Fourmy (Laif)

Fertige Zeitmesser beim zur Swatch Group gehörenden Uhrwerk-Hersteller ETA am Standort Sion. Foto: Mario Fourmy (Laif)

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Nick Hayek sitzt in seinem Büro am Hauptsitz der Swatch-Gruppe in Biel und enerviert sich. «Gewinneinbruch» heisst es über die Jahreszahlen der Swatch-Gruppe. Tatsächlich ist der Reingewinn um über ein Fünftel zurückgegangen, der Umsatz um 3 Prozent. Hayek enerviert sich über die Bankanalysten, die schreiben, dass die Zahlen «unter den Erwartungen liegen».

«Wir haben immer noch eine Betriebsgewinnmarge von 17 Prozent!», sagt der Swatch-Konzernchef im telefonischen Gespräch mit dem TA. Und: «Die Swatch-Gruppe hat 2015 mehr Uhren verkauft als im Vorjahr!»

Dass der Umsatz und vor allem der Gewinn trotzdem gesunken sind, hat primär einen Grund: der starke Franken. Besser gesagt: der «extrem überbewertete Franken», wie Hayek sagt. Er enerviert sich wieder, über die Schweizerische Nationalbank, welche die Landeswährung den Spekulanten überlasse, anstatt der Industrie einen vernünftigen Wechselkurs zu sichern.

Starker Einbruch in Hongkong

Die Uhrenpreise in Lokalwährungen könne die Swatch-Gruppe nicht einfach erhöhen, sagt Hayek, «das ist ein Risiko, da sind wir sehr vorsichtig». Doch auch in Lokalwährungen betrachtet ging der Umsatz der 18 Swatch-Group-Marken um 0,9 Prozent zurück. Hauptgrund dafür ist Hongkong, wo die Verkäufe um 20 bis 30 Prozent eingebrochen sind – weil die einkaufsfreudigen Touristen aus China ausgeblieben sind. Die Swatch-Gruppe hat die Flaute in Hongkong dazu genutzt, das Händlernetz zu bereinigen und die Mieten der eigenen Boutiquen neu zu verhandeln. Eigene Läden hat sie aber keine geschlossen.

Aufgefangen wurde der Rückgang in Hongkong mit einem kleinen Wachstum in China und mit zweistelligen Zuwachsraten in Japan und praktisch allen europäischen Ländern. In der Schweiz hingegen ging der Umsatz zurück.

Was bedeuten die ernüchternden Jahreszahlen für die Mitarbeitenden? «Wir haben zwar weniger Gewinn gemacht, aber es sind immer noch über 1,1 Milliarden Franken. Es gibt keinen Grund, Leute zu entlassen», meint Hayek. «Wenn ein Unternehmen nur noch 1 oder 2 Prozent Gewinnmarge erzielt, fehlen Mittel für Investitionen. In diesem Fall habe ich Verständnis, wenn Abbau oder Verlagerung ins Auge gefasst werden.» Die Swatch-Gruppe hingegen investiere jährlich 500 Millionen Franken in die Produktionsanlagen in der Schweiz. Mit rund 8000 Mitarbeitern in seinen Fabriken ist der Uhrenkonzern einer der grössten industriellen Arbeitgeber der Schweiz.

Trotz den Investitionen hat die Swatch-Gruppe zu viel Geld: Die Gewinne sprudeln zuverlässig, die Eigenkapitalquote beträgt bereits eindrückliche 85 Prozent, und die Dividenden will Hayek nicht allzu hoch schrauben. Deshalb plant die Swatch-Gruppe nun ein grossangelegtes Rückkaufprogramm für eigene Aktien, wie sie gestern bekannt gegeben hat: Der Konzern will Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Franken zurückkaufen. Nick Hayek nennt drei Gründe für das Vorhaben:

Die Ertragslage der Swatch-Gruppe sei gut, dies gelte auch für den ersten Monat des neuen Jahres. «Wegen der Politik der SNB drohen uns Negativzinsen», sagt Hayek, «wir wissen nicht mehr, wohin mit dem Geld.»

Die Aktien der Swatch Group befinden sich im Mehrjahres-Tief. «Der Kurs ist manipuliert von Leerverkäufern», sagt Hayek, also von Anlegern, die auf einen fallenden Kurs spekulieren. Mit dem Rückkaufprogramm will Hayek diesem Preisdruck entgegenwirken. Tatsächlich ist die Swatch-Aktie gemäss einer Auswertung der «Finanz und Wirtschaft» derzeit die Schweizer Aktie mit den meisten Leerverkäufen. «So günstig kommen wir nicht mehr zu eigenen Aktien», betont der Swatch-Group-Chef.

Mit dem Rückkauf startet die Swatch-Gruppe bereits morgen Freitag. So schnell wird das Programm die Kurse allerdings nicht in die Höhe treiben. Denn für den Milliardeneinkauf gibt sich das Unternehmen Zeit bis Februar 2019. Und was passiert dann mit den Aktien? Anders als die meisten anderen Unternehmen will die Swatch-Gruppe mit ihrem Rückkaufprogramm nicht zwingend eine Kapitalherabsetzung durchführen (also die Aktien vernichten und damit den Wert der verbleibenden Titel steigern). Der Bieler Konzern behält sich vielmehr vor, die Aktien nach mindestens sechs Jahren Haltezeit als Zahlungsmittel bei Firmenübernahmen zu verwenden oder sie gar wieder an der Börse zu verkaufen.

Mit dem Vorhaben hat Hayek die Börse gestern überrascht und den einen oder anderen Investor verwirrt. So fiel der Kurs am Morgen um bis zu 4 Prozent ins Minus, kehrte nach der nachmittäglichen Telefonkonferenz Hayeks mit den Analysten kurz ins Plus und sackte danach auf minus 1,4 Prozent ab.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 03.02.2016, 21:55 Uhr)

Die Swatch Group

Konzern mit 18 Uhrenmarken

Zur Swatch Group gehören 16 Swiss-made-Uhrenmarken sowie die beiden Glashütte-Marken aus Ostdeutschland.

Prestige- und Luxussegment: Blancpain, Breguet, Glashütte Original, Harry Winston, Jaquet Droz, Léon Hatot (inaktiv), Omega.

Oberes Preissegment: Longines, Rado, Union Glashütte.

Mittleres Preissegment: Balmain, Calvin Klein, Certina, Hamilton, Mido, Tissot.

Basissegment: Flik Flak, Swatch.

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