Hayeks Superbatterie

Die Swatch-Tochter Belenos stellt ab dem Sommer Batterien für E-Bikes, Drohnen und Elektroautos her – in der Schweiz.

Das Gehalt von Nick Hayek sank im letzten Jahr um knapp 8 Prozent auf noch 7 Millionen Franken.  Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Das Gehalt von Nick Hayek sank im letzten Jahr um knapp 8 Prozent auf noch 7 Millionen Franken. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vanadium heisst das Wundermittel, das die Welt der Batterien revolutionieren soll. Nick Hayek schwärmt vom chemischen Element, als handle es sich um eine seiner Uhrenmarken. Die von der Swatch-Tocherfirma Belenos entwickelte Batterie aus Vanadium könne 50 bis 100 Prozent mehr Energie speichern als klassische Batterien gleicher Grösse. Wegen der tieferen Spannung gehe von Belenos-Batterien keine Feuergefahr aus.

Noch in der zweiten Jahreshälfte will Hayek die neuartige Batterie auf den Markt bringen. Sie soll sich für mobile Stromfresser wie Elektrovelos, Elektro­scooter oder Drohnen eignen. Zusammengesetzt zu Akkublöcken, soll die Batterie auch Elektroautos antreiben. «Wir haben schon sehr viele Interessenten», sagte der Swatch-Group-Chef am Donnerstag an der Jahresmedienkonferenz. Aus China, wo die Städte unter der Luftverschmutzung leiden, hat das Unternehmen schon Delegationen empfangen. Laut Hayek ist es möglich, dass bereits 2017 Autos mit den Vanadium-Batterien unterwegs sein werden.

Verwaltungsrat George Clooney

Weshalb hat die Swatch-Gruppe, die Uhrenmarken wie Omega, Tissot und Longines im Portfolio hat, überhaupt eine neue Batterie entwickelt? Das Projekt geht auf Nick Hayeks Vater Nicolas zurück. Dieser hat die Tochterfirma Belenos 2007 gegründet, um an ökologischen Technologien wie Brennstoffzellen und Fotovoltaik zu forschen und entsprechende Produkte zu entwickeln. Nachdem Hayek in den 90er-Jahren mit dem geplanten Elektroauto Swatchmobil gescheitert war, sollte sich Belenos auf die Energieträger beschränken. Letztes Jahr verkaufte das Unternehmen seine selbst entwickelte Brennstoffzelle (Wasserstoffantrieb) an die Freiburger Elektrizitätsgesellschaft Groupe E. Belenos wollte sich auf die Entwicklung der Superbatterie konzentrieren.

Mit der ETH Zürich und dem Paul-Scherrer-Institut konnte Belenos zwei potente Entwicklungspartner ins Boot holen. Auch der Verwaltungsrat des Unternehmens ist prominent bestückt: Der Schauspieler George Clooney und der Schweizer Astronaut Claude Nicollier sitzen darin. Verwaltungsratshonorare gibt es laut Belenos-Präsident Hayek keine.

Das Unternehmen ist mit einem Eigenkapital von 63 Millionen Franken gut ausgestattet. Die Aktien am Unternehmen sind wie folgt verteilt: 51 Prozent Swatch Group, 25 Prozent Familie Hayek, 14 Prozent Einzelaktionäre (u. a. Josef Ackermann, George Clooney, ETH Zürich), 10 Prozent Eigenbesitz Belenos.

Börsengang in Hongkong

Von Josef Ackermann stammt die Idee, Belenos an die Börse zu bringen. Hayek, der sonst keine Gelegenheit auslässt, Börsenhändler zu kritisieren, bestätigt das Vorhaben. Er geht von einem Börsenwert von 5 bis 20 Milliarden Franken aus. Die Swatch-Gruppe würde jedoch keine ihrer Aktien verkaufen, um die Kontrolle über die Gesellschaft und deren Patente nicht zu verlieren. Der Börsengang soll in Hongkong geschehen, weil Asien der grösste Markt für Batterien ist und weil Hayek bereits daran denkt, dort eine Fabrik für die Vanadium-Batterie zu bauen. Doch vorerst ist die neue Batterie ein Swiss-made-Produkt. Denn Belenos lässt sie bei einer anderen Swatch-Group-Tochter herstellen: bei der Batterienfabrik Renata in Itingen BL. Renata produziert 800'000 Batterien für Uhren und elektronische Geräte – pro Tag. Nun wird für die grösseren Belenos-Batterien eine eigene Produktionslinie aufgebaut, ab Juli soll serienmässig produziert werden. Dafür sollen 20 bis 30 Stellen geschaffen werden.

Ab nächstem Jahr wird die Swatch-Tochter Renata zudem Vanadium-Batterien im Kleinformat herstellen. Diese sind laut Renata-Chef Stefan Pfrommer ideal für kleine, energie­intensive Geräte – etwa für Bluetooth-Headsets, Fitnessbänder oder Uhren mit elektronischen Zusatzfunktionen. Auch entsprechende Uhren der Swatch-Gruppe sollen so länger ohne Batteriewechsel auskommen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 10.03.2016, 22:45 Uhr)

Vergütungen

7 Millionen für Nick Hayek

Die im Februar veröffentlichten Jahreszahlen der Swatch-Gruppe wirken sich auch auf die Gehälter der Konzernspitze aus. Der Umsatz des Uhrenkonzerns sank um 3 Prozent und der Reingewinn um 21 Prozent. Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek verdiente 4,4 Millionen Franken und damit 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Ihr Bruder Nick Hayek, Konzernchef, erhielt 7,0 Millionen Franken – das sind knapp 8 Prozent weniger als 2014.

Marianne Hayek, die Witwe des 2010 verstorbenen Nicolas Hayek, besitzt zusammen mit ihren Kindern Nick und Nayla und ihrem Enkel Marc Hayek gut 20 Prozent des Swatch-Konzerns. Die Aktien haben einen Börsenwert von 4??Milliarden Franken. Dank ihren Namenaktien verfügt die Familie über 40 Prozent der Stimmrechte. (sul)

Artikel zum Thema

Hayek will die Spekulanten abstrafen

Erstmals seit Jahren verzeichnet die Swatch-Gruppe einen Umsatzrückgang. Die Gewinnmarge ist jedoch nach wie vor hoch, der Konzern schwimmt im Geld. Mehr...

Hayek sorgt sich um Schweizer Produkte

Swatch-Chef Nick Hayek fürchtet, dass es Schweizer Marken bald nur noch im Museum gibt. Die Industrie leide unter der schädlichen «Bankermentalität». Mehr...

Swatch-Gewinn bricht um einen Fünftel ein

Der Uhrenkonzern Swatch enttäuscht die Erwartungen der Analysten. Doch für das neue Jahr zeigt sich das Unternehmen von Nick Hayek optimistisch. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Werbung

Kommentare

Sponsored Content

Wie liebt die Schweizerin?

Frauen befriedigen ihre erotischen Fantasien im Internet!

Die Welt in Bildern

Grüne Männchen: Nachtschwärmer geniessen die Musik am Panorama Music Festival in New York. (24. Juli 2016)
(Bild: Kena Betancur ) Mehr...