UBS-Boni: «Es grenzt an Unverschämtheit»

Von Marc Badertscher. Aktualisiert am 27.01.2009 245 Kommentare

Die Banken hätten schneller auf die Krise reagieren und die Löhne drastischer zurückfahren müssen. Das findet Headhunter Björn Johansson.

«Man darf bei Milliardenverlusten und Staatshilfe keine Boni ausschütten»: Headhunter Johansson zur Geschäftspolitik von UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer (l.) und CEO Marcel Rohner.

«Man darf bei Milliardenverlusten und Staatshilfe keine Boni ausschütten»: Headhunter Johansson zur Geschäftspolitik von UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer (l.) und CEO Marcel Rohner.
Bild: Keystone

«Es herrscht die totale Unsicherheit»: Björn Johansson.

«Es herrscht die totale Unsicherheit»: Björn Johansson.

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UBS spart 30 Prozent an Personalkosten

Die UBS steht mit ihren Bonuszahlungen nicht alleine da. Nur gerade 7 Prozent der Banken in der Schweiz, Deutschland und Österreich wollen dieses Jahr darauf verzichten. Das zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens Towers Perrin vom Dezember. Ein Drittel der 34 Institute plant gar Lohnerhöhungen.

Bei der UBS geht es trotz Boni in die andere Richtung. 2007 betrug die Lohnsumme inklusive variable Vergütungen noch 25 Milliarden Franken, ein Jahr später noch etwas mehr als die Hälfte: 14 Milliarden Franken. Das schlägt sich trotz Stellenabbau in den Kosten pro Mitarbeitenden nieder: Im Durchschnitt kosteten die Analystinnen und Broker, die Chefs und die Köche bis zum Ausbruch der Krise 296 000 Franken. Letztes Jahr dürfte der Personalaufwand um 30 Prozent auf rund 200 000 Franken pro Kopf gesunken sein.

70 Prozent mit 1 bis 2 Monatslöhne

Die 2,5 Milliarden Franken Boni, die jetzt verteilt werden, dürften zu grossen Teilen an die Private Banker gehen. Die Vermögensverwalter hatten noch 2007 2,1 Milliarden Franken Bonus erhalten. Quasi leer ausgehen dürften nun die Investmentbanker, die mit dem Handel von Schrottpapieren das Desaster herbeiführten. Noch vor zwei Jahren erhielten die damals 21 000 Investmentbanker 6,6 Milliarden an variablen Vergütungen: ein Bonus von 314 000 Franken pro Kopf.

Bei den meisten Angestellten der UBS - rund 70 Prozent - bewegt sich der Bonus allerdings in der Grössenordnung von einem bis zwei Monatssalären. Für den Bundesrat spielt der Bonus in diesen Fällen «mit Blick auf die Gesamtkompensation» eine «untergeordnete Rolle». «Es besteht auch heute ein legitimer Anspruch auf variable Lohnbestandteile», sagt Headhunter Ralph E. Jaeger. Die Voraussetzung sei allerdings, es werde gut gearbeitet. (mba)

Sie sind Headhunter. Was erzählen Ihnen die Banker?
Es herrscht die totale Unsicherheit. Die Frustration ist gross.

Die UBS senkt die Boni von 12 auf 2,5 Milliarden Franken.
Nun spielt der freie Markt. Die Leute sind flexibel geworden. Sie sind bereit, einen Job anzunehmen für massiv weniger Lohn und ohne Boni-Garantien. Das sehe ich auf allen Hierarchie-Ebenen in den Banken.

Ist es vertretbar, dass die UBS immer noch Boni verteilt?
Es ist ein falsches Zeichen. Gegenüber den eigenen Mitarbeitenden, aber auch gegenüber den andern Banken. Man darf bei Milliardenverlusten und Staatshilfe keine Boni ausschütten. Da haben die UBS-Manager wirklich versagt. Es grenzt an Unverschämtheit.

Aber ohne Boni würden doch die erfolgreichen Banker sofort zur Konkurrenz wechseln?
Die Leute springen heute auch nicht mehr so leicht ab wie noch vor zwei Jahren. Am längeren Hebel ist jetzt oftmals die Bank.

Die UBS dürfte bestehende Verträge erfüllen müssen, die Boni vorsehen.
Wohl kaum für 2,5 Milliarden Franken. Darüber hinaus denke ich, dass die UBS-Führung zu spät reagiert hat.

Was hätte sie denn tun sollen?
Sie hätte die Verträge auf breiter Basis künden sollen und solche mit neuen Bedingungen anbieten müssen. Schneller geschaltet haben da die Industriefirmen. Die Zeiten haben sich geändert, es ist ein komplett neues Spiel. Daran müssen sich auch die Banker gewöhnen.

Was heisst das konkret?
Der Lebensstandard muss runter. Es ist nicht mehr genügend Geld vorhanden, um so weiterzufahren wie bis anhin.

Sind Sie in solchen Krisenzeiten als Headhunter eigentlich gefragt?
Ja. Zurzeit suchen enorm viele Firmen neue Verwaltungsräte, neue Chefs und neue Finanzchefs. Und zwar nicht nur bei den Banken, sondern in allen Branchen. Es braucht nicht mehr die Schönwetterkapitäne von früher, sondern Leute, die rasch handeln können. Das verlangt ein ganz anderes Profil. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.01.2009, 17:16 Uhr

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245 Kommentare

Joseph Aecherli

27.01.2009, 10:28 Uhr
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Ich sehe das genau so wie Johansson. Ich jeder anderen Branche würden keine Boni mehr ausgerichtet. Und dies ob ich nun Schuld bin am Debakel der Firma oder eben auch nicht. Massgebend ist der Erfolg der Gesamtfirma. Als die Investmentbanker die massiven Gewinne eingefahren haben, hat auch niemand nach deren Nachhaltigkeit gefragt und alle in der Bank haben davon profitiert. Antworten


Marco Meisterhans

27.01.2009, 10:35 Uhr
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Ich möchte mich als ex-HR UBS bei Herrn Johansson für diese Analyse eines ausgewiesenen HR Analysten bedanken. UBS Mitarbeitende sind nun nur zu einem Bruchteil woanders gefragt. Sie müssen bleiben und hoffen, nicht als nächstes gestrichen zu werden. Kurer und Haltiner müssen nun gemeinsam zurücktreten, sie leben in einer anderen, entfernten Welt, ohne gesellschaftliches Gespühr für die Märkte. Antworten



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