Wirtschaft
Helvetia und die Besserwisser
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 14.01.2011 74 Kommentare
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Im Blog des «Wall Street Journals» wird eine üble Attacke auf Daniel Lampart, den Chefökonomen des Schweizerisch Gewerkschaftsbundes (SGB), geritten. Was hat der Mann verbrochen? Er hat es gewagt, ein paar Vorschläge zu machen, wie der überteuerte Franken wieder auf ein erträgliches Wechselkursniveau gebracht werden könnten. Lampart hat vorgeschlagen, für die Exportwirtschaft einen künstlich verbilligten Wechselkurs einzuführen, Massnahmen zu ergreifen, die verhindern, dass Schweizer Banken gegen den Franken spekulieren und sich zu überlegen, den Franken eventuell an den Euro zu binden.
Die Massnahmen sind umstritten, doch der SBG befindet sich, ökonomisch gesehen, nicht hinter dem Mond. In seinen Reihen hat er immer wieder namhafte Chefökonomen gehabt. Etwa den Publizisten Beat Kappeler, der allerdings die Seiten gewechselt hat; oder Serge Gaillard, der heute in leitender Stellung im Seco tätig ist.
Symbolischer Preis
Trotzdem wird Lampart im «Wall Street Journal» auf eine Weise attackiert, als könne er den Begriff Ökonomie nicht einmal buchstabieren. Er sei halt ein Gewerkschafter und kein Notenbanker, also nicht jemand, von dem man erwarten könne, dass er «das Innenleben der Finanzmärkte begreifen» könnte, frotzelt das Blatt und verleiht ihm symbolisch sogar einen Preis, den «Worst Ideas in Foreign Exchange 2011».
Wenn es nur das «Wall Street Journal» wäre, könnte man beruhigt sagten: So what? Vor allem auf der Meinungsseite ist dieses Blatt für seine extrem ideologisch-fundamentalistische Haltung bekannt. Doch das Ganze hat System: Die Währungsfrage wird zu einem Glaubenskrieg, in dem nicht mehr sachlich nach Lösungen gerungen wird, sondern der Gegner verunglimpft wird. Das trifft auch für die Schweiz zu, beispielsweise dann, wenn der Präsident der Nationalbank mit Marcel Ospel verglichen wird.
Selbst die Klügsten sind ratlos
Die Wirren an den Währungsmärkten sind ein sehr ernsthaftes Problem geworden. Gerade in der Eurokrise sind noch keine nachhaltigen Lösungen in Sicht. Die harten Sparmassnahmen, die jetzt den Defizitsünder aufgebrummt worden sind, können sich jederzeit als politisches Pulverfass erweisen. Es ist naiv zu glauben, dass Länder, die jetzt schon eine Arbeitslosenquote von mehr als 20 Prozent aufweisen (bei Jungen ist sie doppelt so hoch) noch jahrelang still sparen und leiden werden. Ebenso ist ein Zerbrechen des Euro mit sehr hohen politischen Risiken und noch höheren Kosten verbunden.
Fakt ist, dass selbst die klügsten Ökonomen derzeit ratlos wirken, wenn es um vernünftige Lösungen aus der Währungskrise geht. Anstatt ihre Ohnmacht einzugestehen, zeigen sie sich viele von ihrer schlechte Seite: Sie präsentieren sich als ideologisch verbohrte und überhebliche Besserwisser. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 14.01.2011, 13:03 Uhr
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74 Kommentare
So sehr mein Herz links schlägt. L. Lampart muss man jeglichen Ökonomischen Sachverstand absprechen. Im Euroraum herrscht längst Inflation. Die EZB kann aber die Zinsen nicht anheben da sonst die PIIGS hops gehen würden. Schwächen wir den CHF werden auch wir Inflation haben. L. Lampart wird dann wieder aufheulen wenn sein Klientel doppelt soviel zahlen muss für den Mensa-Kaffee. Antworten
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