Wirtschaft
Höhentunnel und Dornröschen-Gondeln
Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 23.09.2011 27 Kommentare
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45 Zentimeter Schnee in St. Moritz in der Nacht auf Montag: In diesem Jahr mussten die Strassen Mitte September geräumt werden – ein früher Vorgeschmack auf die Wintersaison. In diesem Jahr müssen sich die Schweizer Skiorte nicht nur mit der Konkurrenz im eigenen Land auseinandersetzen, sondern auch mit einem Eurokurs, der die Anbieter im Ausland begünstigt.
Folgerichtig investieren viele Bergbahnen in die Qualität und den Komfort, wegen dem Skifans aus aller Welt seit jeher in die Schweiz kommen. Zum Beispiel in der Nähe von St. Moritz: Ab November wird die Diavolezza-Bahn, die seit 55 Jahren im Einsatz ist, grundlegend modernisiert. Rund vier Millionen Franken wird der Aufwand laut Online-Informationen betragen – unter anderem für Kabinen mit einer besseren Rundumaussicht und mehr Komfort beim Ein- und Aussteigen.
Exakte Ausrichtung auf Zielgruppen
Auch die Weisse Arena Gruppe, Vermarkterin der Region Flims-Laax-Falera, investiert für die kommende Saison. Ein 6er-Sessellift von Alp Dado nach Crest la Siala soll bald in Betrieb gehen – als Teil eines Masterplans, der in den kommenden Jahren 54 Millionen Franken kosten soll. Das Ziel ist laut Pressesprecherin Britta Maier, «das Gebiet grundsätzlich besser zu erschliessen». Neben den Angeboten für eingefleischte Skisportler und Freestyler soll eine eigene «Beginner Area» mit entsprechenden Liften und Pisten in dieser Zone «auch Menschen erreichen, die zuvor noch nie auf Ski gestanden sind», so Maier.
Eine Strategie also, die eher in die Breite geht als in die Richtung einer Spezialisierung – in einem Markt, der nicht gerade boomt. Im Geschäftsjahr 2010/11 verzeichnete das Unternehmen im Skigebiet insgesamt 930'521 Gäste, während es im Jahr zuvor noch 1'009'796 gewesen waren: ein beachtliches Minus von 7,9 Prozent.
Ein Umgehungstunnel in der Höhe
Dass der Wohlfühlfaktor für viele Gäste entscheidend ist, zeigt eine Investition in der Ferienregion Gstaad. Rund eine Million Franken kostet ein Tunnel an der Bergstation der Gondelbahn Rougemont – La Videmanette, die im vergangenen Jahr in Betrieb genommen wurde – mit dem vorrangigen Ziel, störende Besucherströme an den Gästen und Sonnenbadern auf der Terrasse des Bergrestaurants vorbeizulotsen.
In der Silvretta Arena investieren die Bergbahnen Samnaun, wie viele andere Betreiber, in die Schneesicherheit und den Ausbau von Beschneiungsanlagen. Zugleich soll aber die «Sonnenbahn», die laut der Firmenwebseite im Winter in Betrieb gehen wird, ein Argument für Familienferien werden. Ein neues Sicherungssystem soll es erlauben, dass ein Erwachsener bis zu fünf Kinder auf einer Fahrt mitnehmen kann. Bislang sind dort maximal zwei Kinder erlaubt – ein Staurisiko für grössere Familien oder Kinder-Skischulen.
Mit Dornröschen auf den Berg hinauf
Nischen-Marketing versus Rundum-Angebot: Während grosse Wintersportzentren das gesamte Publikum im Blick haben, versuchen kleinere Ferienorte oft, einzelne Zielgruppen präzise anzusprechen – zum Beispiel Familien mit Kindern. In der Ferienregion Grächen-St. Niklaus, nördlich von Zermatt, setzt man konsequent auf Attraktionen für Kinder. Eine Strategie, die auch den Neubau einer 8er-Gondelbahn auf die Hannigalp geprägt hat, die am 17. Dezember eröffnet wird.
Zehn «Märchengondeln» sollen die jüngsten Mitfahrer begeistern – zum Beispiel mit Motiven aus «Hänsel und Gretel» und «Dornröschen». Und zehn Sekunden, nachdem die Tür geschlossen hat, wird zudem Musik ertönen, gefolgt von der Stimme eines professionellen Sprechers, der das entsprechende Märchen während der sechsminütigen Fahrt erzählt.
Unter Druck durch die Euroschwäche
Daneben begegnet die Ferienregion den aktuellen Herausforderungen kurzerhand und offensiv auf aktuelle Weise. Auf der Website wirbt man mit dem Spezialangebot «Grächen Euro 1,35» und einem entsprechenden Paket, dass neben den Übernachtungen auch Skipässe, Offerten von Sportgeschäften sowie Skischulen und den Besuch des Kinderhorts einschliesst.
Eine Preis-Strategie, die freilich auch grössere Destinationen nötig haben. Die Davos-Destinations-Organisation (DDO) teilte Ende August mit, dass alle ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neu 45 Wochenstunden zu arbeiten haben – eine Massnahme, die laut Direktor Reto Branschi für das Geschäftsjahr 2011/12 oder bis 30. April 2012 gelten wird. Wie es nachher weitergeht, so erklärte Branschi weiter, könne man im Moment noch nicht beurteilen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 22.09.2011, 10:40 Uhr
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27 Kommentare
Und nach den Investitionen dann in Bern um Unterstützung betteln! So kann das nie etwas werden, aber ich weis, dass Gigantismus und Dekadenz auch in den Bergen Einzug gehalten hat. Und weniger Touris, dafür mehr Einheimische die sich den A... abfrieren können, damit die Investoren sich auf die Schukltern klopfen können, was sie doch für weitsichtige Sieben siechen sind. Kopfschüttel. Antworten
Schön und Gut, aber wär kann sich diesen Luxus überhaupt noch leisten / bezahlen - nicht nur die Ausländer, auch die Schweizer sind nicht mehr bereit durch erhöhte Preise den Tourismus zu finanzieren - die Finanz- und Wirtschafts-Krise lassen grüssen - die Abzockerei beim Volk hat seinen Höhenpunkt erreicht - die Schweiz braucht auch in Zukunft keine Winter-Olympia. Antworten
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