Hoeness: Es begann auf der Lenzerheide

Wie der Bayern-Chef in den Bündner Bergen einen Vontobel-Banker kennen lernte und die beiden fortan 50'000 Transaktionen tätigten – ohne Schriftliches, nur so per Telefon.

Bild: Felix Schaad

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

München Es begann in den Ferien in Lenzerheide – und endete auf der Anklagebank des Amtsgerichts München. FC-BayernChef Uli Hoeness muss sich seit gestern wegen Steuerhinterziehung verantworten. Die Anklage wirft ihm vor, über ein Konto der Zürcher Bank Vontobel 3,5 Millionen Euro am deutschen Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Hoeness selber gestand gestern überraschend ein, dass die hinterzogene Summe möglicherweise bis zu 18,5 Millionen Euro beträgt.

Das Konto bei Vontobel unterhält der Fussballmanager seit 1975 – damals hat er in den Bündner Bergen einen Mitarbeiter der Bank kennen gelernt. Um die Jahrtausendwende begann er dann, intensiv an der Börse zu spekulieren. Vor Gericht schilderte Hoeness nun, wie die Deals mit Vontobel abliefen. Stets meldete er sich per Telefon bei seinem Bankberater, der zu einem «sehr guten Freund» geworden sei. Selbst für Geschäfte in Millionenhöhe gab es keine schriftlichen Abmachungen. Er habe seinen Mann bei Vontobel einfach gefragt, wie hoch der Kontostand sei. «Dann wussten wir, was wir machen können.»

Unzureichende Bankakten

Diese lockere Arbeitsweise könnte vor Gericht zum Problem werden für Hoeness. Er hat zwar die Steuerhinterziehung selber angezeigt, wichtige Dokumente aber erst ein Jahr später eingereicht. Sein Anwalt begründete dies unter anderem mit der unzureichenden Aktenlage in der Bank. Schweizer Finanzhäuser seien lange nicht in der Lage gewesen, eine für die deutschen Steuerbehörden ausreichende Dokumentation zu erstellen. Erschwerend kommt hinzu, dass Hoeness bei Vontobel rund 50 000 Transaktionen durchgeführt hat.

Die Bank Vontobel äussert sich weder zu ihrer Beziehung zum Kunden Hoeness, noch will sie im Prozess in München gemachte Äusserungen der Verteidigung kommentieren. Anders als von der Öffentlichkeit bisher wahrgenommen, wurde Hoeness bei Vontobel nicht als wohlhabender Privatkunde betreut. Sein Berater war ein Investmentbanker – dies deshalb, weil der Deutsche vor allem Devisengeschäfte abwickelte. Gut möglich, dass Hoeness früher zur Selbstanzeige geschritten wäre, wäre er vom Private Banking betreut worden. Denn dieses riet Kunden ab 2008, ihre Steuersituation zu bereinigen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 11.03.2014, 07:10 Uhr)

Vontobel schweigt beharrlich

Von Bruno Schletti

Da steht in München ein prominenter Steuersünder vor Gericht, und mit ihm gerät auch die Zürcher Bank Vontobel in die negativen Schlagzeilen – jene Bank, die ihn über Jahre als Kunden betreute. Vontobel verlegt sich in dieser Situation aufs Schweigen. Die Beziehung zum langjährigen Kunden Uli Hoeness bleibt schon aus rechtlichen Gründen unkommentiert. Es gilt das Bankgeheimnis. Selbst zu vor Gericht gemachten und damit öffentlichen Äusserungen des FCBayern-Präsidenten und seiner Verteidiger will die Bank keine Stellung beziehen. Möglichst nicht erwähnt werden, scheint die Devise zu sein.

Aufschlussreich ist Hoeness’ Hinweis vor Gericht, dass sein wichtigster Kontaktmann bei Vontobel J. H. war. H. betreut nicht etwa wohlhabende Privatkunden. Er ist Devisenhändler und als solcher im Investmentbanking angesiedelt. Das dürfte mit ein Grund sein, weshalb sich Hoeness spät, zu spät zu einer Selbstanzeige bei den deutschen Steuerbehörden durchgerungen hat. Im Private Banking von Vontobel erkannte man 2008, dass das Geschäft mit unversteuerten Kundengeldern keine Zukunft hat. US-Kunden wurden in eine steuerkonforme Tochtergesellschaft überführt, deutsche Kunden mit zunehmendem Druck angehalten, ihre Situation zu bereinigen. Den Kundenberatern im Investmentbanking fehlte es dagegen an Sensibilität bezüglich Steuerfragen. Uli Hoeness wurde von einem Investmentbanker betreut, weil er vor allem Devisengeschäfte tätigte.

Hoeness will, obwohl er bis 2010 um die 50 000 Transaktionen getätigt hat, nie einen Kontoauszug gesehen haben. Das ist kaum denkbar, auch wenn das Zurückbehalten der Bankkorrespondenz bei der Betreuung von Schwarzgeldkunden über Jahre von vielen Schweizer Banken praktiziert worden ist. Dieses sogenannte Hold Mail wurde als eigentliche Dienstleistung angeboten und war entsprechend kostenpflichtig. Das zeigt, dass Schweizer Banken Kunden aktiv beim Verstecken von unversteuerten Geldern behilflich waren und sich dies entsprechend abgelten liessen. Das Zurückhalten der Korrespondenz gebe es heute bei Vontobel nicht mehr, sagt ein Sprecher. Die Zürcher Kantonalbank betrachtet entsprechende Kundenwünsche als Indiz für unversteuertes Geld und lehnt die Annahme ab.

Bildstrecke

Der Prozess gegen Uli Hoeness

Der Prozess gegen Uli Hoeness Uli Hoeness, deutsche Fussballlegende und FC-Bayern-Präsident, wurde in München verurteilt.

Hoeness gesteht, Steuern hinterzogen zu haben. (Video: Reuters )

Hoeness vor Gericht. (Video: Reuters )

Bildstrecke

Uli Hoeness – eine lebende Legende

Uli Hoeness – eine lebende Legende Vom Fussballer zum Manager: Die Karriere von Uli Hoeness beim FC Bayern.

Artikel zum Thema

«Es läuft nicht gut für Uli Hoeness»

Interview Uli Hoeness hat deutlich mehr Steuern hinterzogen als bisher bekannt. Vor Gericht habe Hoeness das Bild eines Zockers vermittelt, der keinen Überblick über seine Geschäfte hatte, sagt Korrespondent David Nauer. Mehr...

Hoeness gesteht Hinterziehung von 18,5 Millionen

In München hat der Prozess gegen FC-Bayern-Präsident Uli Hoeness wegen Steuerhinterziehung begonnen. Der Manager hat ein umfassendes Geständnis abgegeben. Mehr...

Hoeness gesteht Hinterziehung von 18,5 Millionen

In München hat der Prozess gegen FC-Bayern-Präsident Uli Hoeness wegen Steuerhinterziehung begonnen. Der Manager hat ein umfassendes Geständnis abgegeben. Mehr...

Anzeigen

Werbung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Schön synchron: Die lettische Flugstaffel «Baltic Bees» zeigt an einer Flugshow in der moldawischen Hauptstadt Kischinau in 39C-Albatross-Maschinen ihr Können (25. September 2016).
(Bild: Dumitru Doru) Mehr...