«How to become a millionaire» nach Zürcher Art
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Seit einigen Tagen ist Walter Meier, der die Beteiligungsgesellschaft BT & T leitet, wieder auf freiem Fuss. Die Staatsanwaltschaft untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Investments der BVK und einem Kredit in der Höhe von einigen Hunderttausend Franken von Meier an den damaligen BVK-Anlagechef D. G. Etwa 450 Millionen Franken hat die BVK während rund vier Jahren in BT & T investiert. Laut dem Bericht einer Subkommission des Zürcher Kantonsrats resultierte daraus für die BVK ein Verlust von 274 Millionen Franken.
Effektiv dürften es allerdings 20 Millionen Franken mehr sein, denn ein Darlehen aus den Neunzigerjahren wurde vergessen, wie der ehemalige SVP-Kantonsrat Ernst Züst sagt, der die Untersuchung auslöste.
Fette Gebühren
Ein Blick ins Internet zeigt, dass BT & T eine Managementgebühr von 1,5 Prozent verlangt – unabhängig davon, ob ein Gewinn oder ein Verlust resultiert. Weiter verlangt BT & T 12,5 Prozent von allfälligen Gewinnen. Über die vier Jahre berechnet, ergibt dies 27 Millionen Franken, die BT & T, also Walter Meier und zum Teil Robert Straub kassierten. Straub war zwischen 1987 und 1995 Vorgänger von D. G. bei der Finanzverwaltung des Kantons Zürich.
Straub sagte vor kurzem im «Tages-Anzeiger», er habe sich nicht als Türöffner bei der BVK betätigt: «Es war Meier, der in Zürich seine Aufwartungen machte.» Im Untersuchungsbericht wurde jedoch der Umstand gerügt und als ethisch bedenklich bezeichnet, dass das BT&T-Engagement auf Anraten von Straub erfolgte. Straub war noch bei einem anderen Verlustgeschäft der BVK aktiv: beim Ferienverein. Der Verein investierte in Ferienanlagen in der Schweiz und in südeuropäischen Badeorten. Die BVK gewährte Kredite in der Höhe von 109,3 Millionen Franken, 26 Millionen laut einem Bericht von Ernst & Young «ohne ausreichende Dokumentation». 46 Millionen Franken gingen verloren.
Bestechung durch Ferienreisen?
Straub sass jahrelang im Vorstand des Ferienvereins. Gemäss Gutachten konnten Vertreter des Kantons Zürich im Vorstand des Ferienvereins die Angebote des Vereins nicht nur – wie gewöhnliche Staatsangestellte – günstiger nutzen, sondern mussten überhaupt nichts bezahlen, nicht einmal die Anreise. Die Staatsanwaltschaft untersucht heute, ob Ferienreisen von D. G. teilweise Bestechung waren.
Für die Kontrolle der BVK-Investments ist bis heute die Complementa zuständig. Sie hat nichts bemerkt. Gegründet von Benjamin Brandenberger, einem Bekannten von D. G., ist sie sowohl als Beraterin für die Auswahl von Investmentpartnern wie auch für die Kontrolle von deren Investments zuständig.
In den letzten zehn Jahren hat die Complementa 50 Millionen Franken an der BVK verdient. Was sie an Gebühren bei den Investmentgesellschaften direkt kassiert, ist nicht bekannt. Michael Brandenberger, der Sohn des Gründers und jetziger Chef, betont, dass es gegen die Complementa keine Bestechungsvorwürfe gebe.
Als BT & T und der Ferienverein 2004 zusammenkrachten, änderten BVK und Complementa ihre Strategie. Unter Anleitung von Complementa wurden Beratungsgesellschaften für innovative Anlagen angeheuert. Eine davon, die DL Investment, besteht aus drei ehemaligen Mitarbeitern der Complementa. Das Anlagevolumen betrug 2,3 Milliarden Franken, davon etwa 700 Millionen für Fremdwährungsanlagen, der Rest für Hedgefonds und Rohstoffgeschäfte. Die Beratungsgesellschaften sollten Unternehmen finden, welche die Vermögen verwalten. Dafür erhält die DL Investment eine Grundgebühr von 0,3 Prozent sowie eine Gewinnbeteiligung. Das ergibt jährlich 7 Millionen Franken.
Kein gutes Geschäft
Es besteht der Verdacht, dass Retrozessionen gezahlt wurden. Das heisst, Auftragnehmer, die von DL Investment mit der Verwaltung von Pensionskassengeldern beauftragt wurden, bezahlten DL Investment Geld dafür. Das ist verboten und wird jetzt untersucht. Laut einem Insider hat man im Laufe der Untersuchungen festgestellt, dass Retrozessionen verlangt wurden.
Für die Kasse war die Investition so oder so kein gutes Geschäft: Von den 2,3 Milliarden Franken sind mehr als eine halbe Milliarde verspekuliert worden. Die Verträge sollen auf Ende Jahr gekündigt werden. Bis dann wird jeder der Partner um 10 Millionen Franken reicher sein. DL Investment hat auf Anfragen des TA nicht reagiert.
Zu den Beratern, die DL Investment anheuerte, gehörte auch Lehmann Partners. Auch diese Firma besteht im Wesentlichen aus dem Gründer Adrian Lehmann und einem Angestellten. Als der TA vor Monatsfrist anfragte, warum Lehmann im Geschäftsbericht nicht aufgeführt werde, sagte Roger Keller, Informationsbeauftragter der Kantonalen Finanzverwaltung, mit Lehmann gebe es keinen permanenten Vertrag. Konfrontiert mit der Tatsache, dass Lehmann seit Jahren alle Devisengeschäfte der BVK abwickelt, meinte Keller, das Mandat sei alle drei Monate ausgeschrieben worden. Auch hier widerspricht ein Insider: D. G. und Adrian Lehmann seien Freunde gewesen, weshalb D. G. das Engagement geheim halten wollte.
1 Million Franken pro Jahr
Das Auftragsvolumen wird mit etwa 1,2 Milliarden Franken pro Jahr beziffert. An Gebühren fielen während fünf Jahren jährlich 1 Million Franken an. Damit war Lehmann zwar billiger als die Banken, dafür gab es keine genauen Kontrollen. Ein schwerwiegender Nachteil, denn es wurde sogenanntes Daytrading betrieben. Dabei wird während des ganzen Tages mit ganz kleinen Kursdifferenzen gehandelt. Es besteht die Gefahr von Manipulationen. Der Firmengründer sitzt in Untersuchungshaft.
Eine weitere Firma, die auf Empfehlung von Complementa angeheuert wurde, ist die Beratungsfirma SCM. Sie investierte in Auslandimmobilien und Private Equity. Ob auch hier die Staatsanwaltschaft ermittelt, ist unbekannt.
Ebenso wenig bekannt ist die Höhe der Verluste. Sprecher Roger Keller sagt im Namen von Regierungsrätin Ursula Gut, die BVK-Gelder seien keine Steuergelder und darum müsse man nicht weiter informieren. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.07.2010, 11:51 Uhr
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