«Ich bin ja nun nicht arbeitslos»

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 28.01.2010 9 Kommentare

WEF-Stammgast Daniel Vasella erzählt, welche Prioritäten er künftig setzt und kritisiert die Herausgabe der UBS-Kundendaten.

«Die Krise der UBS ist schlimm für Zürich und die Schweiz»: Daniel Vasella.

«Die Krise der UBS ist schlimm für Zürich und die Schweiz»: Daniel Vasella.
Bild: Keystone

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Herr Vasella, Sie haben Ihr Doppelmandat abgegeben. Wird Ihnen jetzt nicht langweilig?
Nun, ich bin ja nicht arbeitslos als Verwaltungsratspräsident. Aber ich bin froh, dass ich Novartis (NOVN 49.92 0.89%) in einem sehr guten Zustand übergeben kann und mit Joe Jimenez eine gute Nachfolgeregelung gefunden habe. Wir sind gestern noch alle beim Nachtessen zusammengesessen und haben die Kollegen, die uns verlassen haben, verabschiedet.

Gab es intern keinen Widerstand gegen den Amerikaner Jimenez?Seine Ernennung wurde sehr gut aufgenommen. Anfangs, als er Chef der Pharmasparte wurde, gab es schon einige, die sagten, der verstehe ja nichts vom Geschäft. Das war auch normal, denn er kam aus einem anderen Geschäft. Doch nach einem halben Jahr, als alle gesehen haben, wie gut er seinen Job ausfüllt, war Ruhe. Nun zweifelt niemand mehr an seiner Kompetenz.

Was sind die drängendsten Probleme, die Ihr Nachfolger lösen muss?Die Übernahme von Alcon.

Novartis macht seit Jahren grosse Gewinne, andere Firmen haben massive Probleme. Wie sehen Sie die allgemeine wirtschaftliche Lage der Schweiz?Die Pharma ist seit Jahren ein stabiler Pfeiler der Schweizer Wirtschaft. Die Schweiz muss darauf achten, dass für erfolgreiche Firmen wie Novartis, Roche und Syngenta ein positives Klima erhalten bleibt. Nach der Krise in der Finanzbranche hat die Pharma ein noch stärkeres Gewicht für den Wohlstand.

Aber ihr Markt ist doch vorwiegend im Ausland.
Das stimmt, aber sehen Sie sich die Steuern an, die wir hier bezahlen, die Arbeitsstellen, den Exportüberschuss und all das intellektuelle Kapital, das wir verkörpern.

Weniger stabil war die Bankenbranche. Was denken Sie über die Krise der Grossbanken, vor allem der UBS?
Das ist schlimm für Zürich und die Schweiz. Ich glaube, die alte Führung hat zu sehr auf die Investoren gehört, die immer mehr Gewinn und Wachstum fordern. Die grossen Investitionsfonds werden ja von Agenten verwaltet, nicht von den Besitzern, und diese achten oft nur auf die kurzfristige Aktienperformance, da sie dafür bezahlt werden. Und wenn man zu schnell wachsen und zu viel verdienen will, dann geht man nicht kalkulierbare Risiken ein und verliert offensichtlich den Überblick.

Wie beurteilen Sie als Aussenstehender die Rolle der USA, die rigoros die Herausgabe von Kundendaten verlangen?
Es ist doch verständlich, dass man Druck macht, wenn man einen Konkurrenten so am Wickel hat. Und wenn dann noch die Regierung schwach wird ...

Sie meinen die Herausgabe der ersten 255 Daten an die USA im vergangenen Jahr.
Klar. Wenn einmal das Prinzip gebrochen ist, dann kann man die Flut nicht mehr aufhalten. Das ist mit dem Bankgeheimnis auch so.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.01.2010, 09:05 Uhr

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9 Kommentare

Luzia Keller

28.01.2010, 11:54 Uhr
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@ralph kocher: wie gut Ihre Argumente tönen, danke dafür! Wer sich jetzt für das Wohl der gedemütigten und frustrierten BürgerInnen in der Schweiz einsetzt und wirklich Zeichen setzt, wird ein Denkmal erhalten und in die Geschichte eingehen! Aber es müssen die unteren und mittleren Schichten davon profitieren können und zwar genau da, wo Sie es erwähnt haben :-) Eine Träumerei? Antworten


karl stöcklin

28.01.2010, 08:14 Uhr
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ich frage mich immer wieder wenn intressiert den lohn von Herr vasella ??? Den Sinn habe ich nie erfasst . als normalbürger habe ich keine ahnung wie die ihr lohn berechnen . für mich ist viel wichtiger das der anständig seine steuern bezahlt und pünktlich des handwerkers rechnung ! Antworten



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