Wirtschaft
«Ich habe Einfluss bei der BaZ, das ist ja klar»
Aktualisiert am 13.12.2011 102 Kommentare
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Moritz Suter hat heute alle Aktien der BaZ Holding AG an Rahel Blocher abgetreten. Seine Unabhängigkeit als Verwaltungsratspräsident sei zunehmend in Frage gestellt worden, schrieb er den Angestellten der «Basler Zeitung» in einem Mail, das der sda vorliegt.
Im letzten halben Jahr seien «zwischen dem Darlehensgeber und mir zunehmend grundsätzlich unterschiedliche Meinungen aufgetreten» in Bezug auf die Unternehmensführung, schreibt Suter. Seine «Unabhängigkeit und Eigenständigkeit als verantwortlicher und geschäftsführender Verwaltungspräsident» seien «in Frage gestellt worden». Er habe diese Funktion so immer weniger wahrnehmen können.
Suter hat deshalb alle Aktien an Rahel Blocher verkauft. Dies sei als eine von zwei Optionen vorgesehen gewesen in einer Vereinbarung vom November 2010, als Suter die Basler Zeitung Holding von Tito Tettamanti und Martin Wagner übernommen hatte. Umgekehrt hätte als zweite Option Rahel Blocher die Aktien zurückkaufen können.
Suter hatte nach eigenen Angaben als Alternative vorgeschlagen, mit eigenen Investoren das Darlehen an das Unternehmen auszulösen. Er habe dabei auch «substanziell» neues Kapital zuführen und die Aktienmehrheit streuen wollen, an die 78'000 Abonnenten und die Öffentlichkeit - das Konzept hätte «grosse Erfolgschancen gehabt».
Blocher gegen Volks-BaZ
Sein Vorschlag sei jedoch nach wochenlangen intensiven Verhandlungen abgelehnt worden, schreibt Suter im internen Mail weiter. Er habe die Aktien an Rahel Blocher verkaufen müssen. Darum sei er nun per sofort als «BaZ»-Verleger und von allen Funktionen des Konzerns zurückgetreten.
Noch heute Nachmittag hatte die Basler Regierung nach diversen Medienberichten «rasch Transparenz» über die Eigentumsverhältnisse bei der «BaZ» verlangt. Medien seien für die Meinungsbildung in der Demokratie wichtig, schrieb sie. Das Wissen um die Eigentümer erlaube der Leserschaft Informationen im Blatt einzuordnen, sagte ein Sprecher.
Heute Abend äusserte sich Regierunsgrat Christoph Brutschin auf Anfrage befriedigt über die Klärung der Eigentumsverhältnisse. Er mahnte jedoch auch «unternehmerische Verantwortung» an für die mehreren hundert Arbeitsplätze in den Druckereien des Konzerns. Neue Aufträge hereinzuholen sei möglich; Blocher habe ja viele Kontakte.
No Comment
In den letzten Tagen waren weder Moritz Suter als «BaZ»-Verleger noch Christoph Blocher als kolportierter Geldgeber und Einflussnehmer bereit gewesen, auf Anfrage Stellung zu den diversen Medienberichten zu nehmen.
Blocher selber ist auf seiner Homepage www.Blocher-TV.ch im O-Ton zu vernehmen, wo er sagt, finanziell sei er nicht beteiligt, aber: «Ich habe Einfluss bei der ‹Basler Zeitung›, das ist ja klar.» Dass er mit «BaZ»-Chefredaktor Markus Somm persönlich befreundet ist, ist bestens bekannt.
Mehrfacher Handwechsel
Das Unternehmen steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Im Mai hatte sie einen Konzernverlust von 2,2 Millionen Fr. für das vergangene Geschäftsjahr ausgewiesen; 20,9 Millionen waren es im Vorjahr gewesen. Stellen waren abgebaut worden. Die teuer erneuerte Druckerei war nicht voll ausgelastet; Abschreiber belasteten die Rechnung.
Nach Jahrzehnten im Besitz der Basler Verlegerfamilie Hagemann war das Unternehmen im Februar 2010 vom Tessiner Financier Tito Tettamanti und vom Anwalt Martin Wagner übernommen worden. Nach einem Wirbel um ein Beratungsmandat von Christoph Blochers Robinvest ging es im November 2010 an den Crossair-Gründer Moritz Suter über. Damals wurde Suter als Alleinaktionär bekannt gegeben.
Die Diskussionen um die Besitzverhältnisse hielten indes an. Moritz Suter notierte in seinem ersten Geschäftsbericht: Die Mittel für die Holding stammten aus seinem privaten Vermögen; er habe ein Unternehmen mit Schulden von weit über 100 Millionen Fr. gekauft.
(kle/sda)
Erstellt: 12.12.2011, 20:32 Uhr
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102 Kommentare
...zum Glück ist CB nicht mehr BR! Sein Verhalten erinnert an einen Murdoch und eigentlich wissen es ja alle...mit Geld kann man die CH zukleistern, man kann Politikerkollegen kaufen und verkaufen, aber Demokratie und Meinungsvielfalt sind meist nicht durch Geld zu generieren...wenn schon die WW doch nicht das Leibblatt des Chefstrategen und der SVP ist...kann das jetzt die BaZ tun... Antworten
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