Wirtschaft

«Ich habe Zweifel an der Alleingang-Theorie»

Interview: Matthias Chapman. Aktualisiert am 15.09.2011 538 Kommentare

Zwei Milliarden Dollar verliert die UBS wegen eines Händlers. Wie kann das passieren? Und was sind die Konsequenzen? Banken-Professor Hans Geiger gibt Auskunft.

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Der Druck auf die UBS wird zunehmen: Hans Geiger, emeritierter Bankenprofessor. (Bild: Keystone )

«Haben die Risikomanager bei der UBS geschlafen?»

Mit einem Artikel unter diesem Titel stellt die «Financial Times» das Risikomanagement der Schweizer Grossbank in Frage. Es sei schwer vorstellbar, dass die UBS nicht wisse, in welchem Bereich der Fall passierte. Die Daten der Händler könnten elektronisch nachvollzogen werden. Die Bank nahm dazu allerdings bis jetzt einfach nicht Stellung. Das Management der UBS habe offenbar erst vor kurzem von dem Fall erfahren. Dies, obwohl das Risikomanagment ein fester Bestandteil des täglichen Geschäfts sei. «Betrug oder Marktmissbrauch muss man in Echtzeit erkennen», zitiert das Blatt einen Experten.

Möglicherweise sei die Bank zu fest mit der Umsetzung von Bankrichtlinien (nach Basel III) beschäftigt gewesen, und habe darob in anderen Bereichen (Dodd-Frank-Richtlinie) weniger Gewicht darauf gelegt, so FT weiter. (cpm)

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Korrektur-Hinweis

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Herr Geiger, die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) verliert durch einen Händler rund zwei Milliarden Dollar. Was sagen Sie zum neuen Fiasko bei der Grossbank?
Wir wissen noch wenig Konkretes über den Fall. Aber klar ist: Der Schaden für die Bank ist gross, sowohl finanziell als auch bezüglich der Reputation.

Wie kann so etwas passieren?
Die Kontrollen haben versagt. Ob nun kriminell oder Unfall, so grosse Verluste müssen vorher festgestellt werden können.

Es darf doch nicht passieren, dass ein einzelner Händler so viel Geld in den Sand setzen kann.
Ich habe Zweifel an der Alleingang-Theorie.

Wieso?
Das bankinterne Kontrollsystem hat mehrere Stufen. Das würde heissen, dass dieser Fall auf keiner Stufe festgestellt worden ist.

Welche Stufen sind das?
Erstens muss der Vorgesetzte seine Händler überwachen. Zweitens gibt es für jeden Bereich eine unabhängige Kontrolle, die nicht dem Händlerchef unterstellt ist. Drittens ist eine interne Revisionsstelle verantwortlich und viertens gibt es Regeln über das Whistleblowing. Also, wenn Arbeitskollegen feststellen, dass irgendetwas schiefläuft, müssen sie das melden. Es kann doch nicht sein, dass alle Stufen versagen.

Die Bank sagt, sie habe gestern schon von dem Fall erfahren. Wieso hat sie erst heute kurz vor Börseneröffnung informiert?
Das Schlimmste, was passieren kann, ist eine Aussage, die sich als falsch herausstellt. Damit ginge noch mehr Vertrauen verloren. Also hat man in aller Eile und vermutlich die ganze Nacht hindurch versucht, so viel Informationen herauszubekommen wie möglich. Man musste auch eine Angabe über die Höhe des mutmasslichen Verlustes machen. Keine Zahl zu nennen, wäre verheerend gewesen, dann schiessen die Spekulationen ins Kraut.

Der Fall erinnert an Jérôme Kerviel, der vor zwei Jahren in Frankreich die Société Générale um 5 Milliarden Euro erleichterte.
Kerviel war im Devisenhandel tätig. Im jetzigen UBS-Fall ist die Rede von Aktienhandel. Allerdings habe ich auch hier Zweifel. Eher noch ist etwas im Derivatehandel passiert. Das sind nicht standardisierte Produkte, und in diesem Bereich ist die Möglichkeit von versteckten Deals eher möglich.

Wie gross ist der Schaden für die Bank?
Finanziell ist er gross, für den Ruf der Bank ist er noch grösser. Die Angestellten, die Kunden und die Öffentlichkeit werden auf dieses Fiasko reagieren. Und diese Reaktionen werden nicht gut ausfallen.

Die UBS hat die Strategie mit Vermögensverwaltung und Investmentbanking immer verteidigt. Lässt sich das noch halten?
Der Druck nach einer Aufspaltung wird sicher grösser. Insbesondere aus der Politik. Diese Ansicht gibt es vermutlich auch bankintern, aber das darf ja keiner sagen.

Sie haben am Bankeninstitut der Uni Zürich unterrichtet. Wie gross wird dort das Thema Risikokontrolle und Überwachung behandelt?
Ich hatte entsprechende Vorlesungen. Die waren aber eher technischer Art. Sicher ist dieses Thema in den letzten 20 Jahren wichtiger geworden. Aber es wird immer noch nicht genug behandelt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.09.2011, 15:32 Uhr

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538 Kommentare

Ruthild Auf der Maur

15.09.2011, 09:55 Uhr
Melden 266 Empfehlung

Laut Villiger können die weltbesten und talentiertesten Händler nicht teuer genug sein. Da hat er Talent wohl mit Kriminalität verwechselt. Zumindest in einem Punkt hat er recht: Jetzt wird's teuer. Antworten


René Bitterlin

15.09.2011, 09:42 Uhr
Melden 260 Empfehlung

Passt pefekt zu Grübels Ankündigungen in der Sonntags-Presse, sein Investment-Banking müsse wieder mehr Risiko eingehen, um den geplanten Gewinn zu erzielen. Frage: Wer stoppt diese Zocker ? Welche Regierung stoppt die Spekulanten, die uns alle, ganz Europa und die USA, mit ihren Swap-und anderen Risiko-Deals immer weiter Richtung Abgrund manöverieren ! SIcher nicht das Lobby-Parlament in Bern ! Antworten



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