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«Ich habe nichts kassiert»
Aktualisiert am 11.01.2012 25 Kommentare
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Die 2010 gescheiterte Fusion der Krankenkassen KPT und Sanitas hat ein Nachspiel: Die einstigen KPT-Verwaltungsräte Walter Bosch und Bernhard Liechti erhalten von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) ein vierjähriges Berufsverbot wegen schwerer Pflichtverletzung.
Bosch und Liechti, die im Dezember ihren Rücktritt aus dem KPT- Verwaltungsrat bekannt gaben, wird zur Last gelegt, bei der geplanten Fusion mit Sanitas die Regeln zum Umgang mit Interessenskonflikten unzureichend beachtet zu haben. Für die Fusion hätten nämlich Aktien eines 2006 eingeführten Mitarbeiterbeteiligungsprogramm der KPT zurückgekauft werden müssen.
Horrende Renditen erzielt
Der Rückkaufpreis wurde mit 600 Franken aber deutlich höher angesetzt als der einstige Ausgabepreis, der zwischen 28 und 40 Franken lag. Mitarbeiter, Manager und Verwaltungsräte der KPT hätten dadurch horrende Renditen erzielt – und zwar mit Geld aus versicherungstechnischen Rückstellungen, sprich dem Geld der Versicherten. Laut Finma wäre dies aufsichtsrechtlich unzulässig gewesen.
Zudem haben die KPT-Verwaltungsräte laut Finma noch im Frühling 2010 Aktien zu einem tiefen Preis zugekauft - zu einem Zeitpunkt also, wo der geplante Aktienrückkauf zu einem höheren Preis bereits absehbar gewesen sei. Über die so erzielten Gewinne hinaus – der Aktienrückkauf wurde damals verhindert – erhielten die Verwaltungsräte auch noch Honorare aus Mandatsverträgen mit KPT.
«Ich habe nichts kassiert»
Wie die Finma mitteilt, standen diesen Zahlungen keine Leistungen gegenüber, die nicht bereits mit den üblichen Verwaltungsratshonoraren abgegolten gewesen wären. Bosch und Liechti untersagt die Finanzmarktaufsicht daher nicht nur für vier Jahre jegliche leitende Stelle im Finanzbereich, sondern sie zieht auch die Bezüge aus diesen Mandatsverträgen ein.
Die Höhe dieser Bezüge ist unbekannt - auch der Geschäftsbericht der KPT gibt darüber keine Auskunft. In einer Stellungnahme bezeichnete Bosch, der auch Verwaltungsrat der Fluggesellschaft Swiss ist, die Anschuldigungen als «ungeheuerlich» und «unakzeptabel». Auch im Interview mit Keystone (siehe Video oben) sagt er: «Ich habe nichts kassiert.»
Er kündigte an, beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Verfügung zu erheben. Denselben Schritt macht auch Bernhard Liechti, wie sein Anwalt bekannt gab.
Finma reicht Strafanzeige ein
Post von der Finma erhalten haben aber neben Bosch und Liechti auch die anderen Verwaltungsräte der KPT. Sie sind von ihren Ämtern suspendiert worden. Laut KPT-Geschäftsbericht handelt es sich dabei unter anderem um den ehemaligen Eishockey-Nationaltrainer Simon Schenk. Er und die beiden anderen Suspendierten sind gemäss KPT- Homepage inzwischen per sofort aus dem obersten Führungsgremium der Krankenkasse zurückgetreten.
Die Finma wird gegen alle Beteiligten Strafanzeige wegen ungetreuer Geschäftsführung einreichen, wie sie in ihrer Mitteilung schrieb.
Zwangsverwaltung
Konsequenzen hat die Verfügung der Finma auch für die KPT selbst. Durch die Suspendierungen ist sie führungslos geworden, zumal auch bei den beiden im Dezember neu gewählten Verwaltungsratsmitgliedern zur Zeit noch geprüft wird, ob sie Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit bieten können. Die Finma setzt deshalb Peter Eckert als so genannten Beauftragten mit Organstellung ein.
Er wird bis zur Neubestellung des Verwaltungsrates das oberste Führungsorgan alleine bekleiden und gleichzeitig auch dessen Neubestellung vorbereiten. Eckert gilt als ausgewiesener Finanzfachmann und war unter anderem bis vor kurzem Verwaltungsrat der Bank Clariden Leu, die nun in die Credit Suisse integriert wird.
KPT: Kein Kommentar
Auswirkungen für die Versicherten hat die Zwangsverwaltung indes nicht: Die Finma hält fest, dass die operative Tätigkeit der KPT nicht in Frage gestellt sei, die Massnahme keinen Einfluss auf Stufe Geschäftsleitung habe und die Ansprüche der Versicherten gesichert seien.
Die KPT selbst gab zu den verhängten Massnahmen keinen Kommentar ab. Eckert hat seine Tätigkeit bei der Krankenkasse bereits begonnen. Einen Rekurs gegen die Verfügung der Finma wird die KPT nach eigenen Angaben nicht einreichen. (kle/bru/sda)
Erstellt: 11.01.2012, 12:08 Uhr
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25 Kommentare
es ist schon tragisch was in diesem lande abläuft. praktisch jeden tag eine meldung über sogenannte "top-kader..." welche sich auf kosten der allgemenheit bereichern. ich frage mich schon, wem hier in den führungsetagen überhaupt noch zu trauen ist. "loyalität" wird nur noch von der "manövriermasse" der mitarbeiter verlangt; obenhinaus dürfen sich die damen und herren erlauben, was sie wollen. Antworten
Berufsverbot? Das ist Marktmanipulation und Bereicherung auf Kosten der Steuerzahler. Die Herren können sich im Gegensatz zu uns normalen Arbeitnehmern, von der Arbeitswelt zurückziehen und getrost in ihre finanzielle Zukunft blicken. Unser Gesetzt ist ein Witz, es schützt die Betrüger und die Reichen! Diese Menschen gehören in den Knast und ihr Vermögen eingezogen! Antworten
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