«Ich wurde als Dame von den Investor Relations begrüsst»

Monika Ribar, die erste Frau auf dem Chefposten eines grossen Schweizer Konzerns, tritt ab. Ihre Tiefpunkte, ihre neuen Ziele – und die Frage, ob sie eine schwangere Frau auf den CEO-Posten hieven würde.

«Mein Posten wurde personifiziert und so zur Schau getragen. Das setzt mich bisweilen unter Druck. Wenn mir das zu viel wurde, zog ich mich zurück»: Die abtretende Panalpina-Chefin Monika Ribar. (Archiv, März 2011)

«Mein Posten wurde personifiziert und so zur Schau getragen. Das setzt mich bisweilen unter Druck. Wenn mir das zu viel wurde, zog ich mich zurück»: Die abtretende Panalpina-Chefin Monika Ribar. (Archiv, März 2011) Bild: Keystone

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Frau Ribar, Sie waren die erste Frau an der Spitze eines grossen Schweizer Konzerns. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Ich habe diesen Job gewählt, weil mich die Aufgabe reizte und nicht weil ich als erste Frau in einen neuen Bereich vorstossen konnte. Nichtsdestotrotz habe ich mich für die Sache der Frau in der Geschäftswelt eingesetzt.

Was konnten Sie für die Frauen in Ihrem Unternehmen tun?
Ich habe versucht, auch Frauen für Kaderpositionen nachzuziehen, sie vor allem zu begeistern und zu ermutigen. Es ist nämlich immer noch so, dass sich viele Frauen diese Kaderaufgaben gar nicht zutrauen. An dem Klischee, wonach sich Männer fragen, wie viel sie verdienen, und Frauen, ob sie diese Aufgabe meistern werden, ist schon was dran.

Was aus dem Leben einer Managerin werden Sie nicht vermissen? Ich stand am Anfang meiner Zeit bei Panalpina (PWTN 118 0.43%) sehr stark im Rampenlicht. Das war nicht einfach. Ich wurde oft als «Vorzeigefrau» beschrieben oder als «Vorzeigemanagerin». Mein Posten wurde personifiziert und so zur Schau getragen. Das setzt mich bisweilen unter Druck. Wenn mir das zu viel wurde, zog ich mich zurück.

Sie waren nun mal die erste Frau an der Spitze eines grossen Schweizer Konzerns, damit mussten Sie rechnen.
Ja, das mag stimmen. Trotzdem musste ich lernen, wie ich mit dieser Erwartungshaltung umgehen konnte. Neben meinem Amt als Konzernchefin, indem es um fachliche Kompetenz geht, wurde mir auch noch diese Rolle mit dem Titel «erste Chefin an der Spitze eines Schweizer Konzerns» zugespielt.

Gab es für Sie negative Erlebnisse als Managerin?
Jüngst war ich an einem Investorentreffen. Da hiess es beim Empfang: «Aha, Sie sind die Dame von den Investor Relations», worauf ich antwortete, «nein ich bin der CEO des Unternehmens.» Nach solchen Vorfällen frage ich mich schon, ob wir eigentlich noch immer nicht in der Welt angekommen sind, wo sowohl Männer als auch Frauen in hohen Funktionen einfach eine Normalität sind.

Ist die Schweiz immer noch nicht bereit dafür?
In den Köpfen der meisten Menschen hat sich das niedergesetzt, dass Frauen genauso gut Managementposten ausfüllen können wie Männer. Nicht bereit ist die Schweiz in Bezug auf die Infrastruktur. Hier hinkt unser Land im Vergleich mit diversen anderen Ländern hinterher.

Ihr Unternehmen beschäftigt fast 15'000 Angestellte. Haben Sie Krippen geschaffen?
Nein, unsere Firma ist weltweit aufgestellt und in vielen kleinen Einheiten tätig. So gesehen waren die einzelnen Filialen zu klein, um Firmenkrippen zu schaffen. In Basel haben wir uns aber mit anderen Grossfirmen zusammengetan und so für die nötigen Kapazitäten gesorgt.

Sie streben nun vermehrt Verwaltungsratsmandate an. Werden Sie von europäischen Firmen abgeworben und fehlen dann den Unternehmen in der Schweiz?
Ich habe in den letzten zwei Jahren einige Anfragen für VR-Mandate erhalten und zwar sowohl in der Schweiz als auch im europäischen Ausland.

Brüssel will eine Frauenquote bei Unternehmen durchsetzen. Geraten Schweizer Firmen dadurch ins Hintertreffen, weil ihnen die wenigen Managerfrauen abgeworben werden? Diese Gefahr besteht. Andererseits gibt es in Schweizer Unternehmen auch immer mehr ausländische Frauen auf Management- und VR-Posten. Gerade jetzt, in der Saison der Generalversammlungen, zeigt sich, wie weit die Sensibilisierung bezüglich der Frauenfrage fortgeschritten ist. Vermutlich wurden noch nie so viele Frauen für neue VR-Posten vorgeschlagen – und auch gewählt.

Als Verwaltungsrätin haben Sie vermutlich noch mehr Einfluss, Frauen in Unternehmen zu fördern. Ist das ein Ziel von Ihnen?
Wenn schon, muss das ein Ziel des Unternehmens sein. Auch hier wieder verstehe ich meine Arbeit in erster Linie als Berufsmensch, der mit Professionalität und Expertise das Geschäft voranbringt. Aber sicher werde ich auch als Verwaltungsrätin das weibliche Element mit in die Debatte einbringen.

Als Verwaltungsrätin sind Sie auch für Personalfragen verantwortlich. Würden Sie eine schwangere Frau für einen CEO-Posten anstellen?
Das kann man nicht so generell beantworten. Neben anderen Aspekten ist und bleibt die entscheidende Frage, ob eine Kandidatin fachlich überzeugt. Tut sie das, dann kommt sie für den Posten in die enge Auswahl. Der Mutterschafts-bedingte Ausfall muss dann drinliegen.

Würden Sie rückblickend nochmals den gleichen Weg wählen?
(Lacht.) Ich habe diese Frage gerade gestern Abend mit meinem Mann besprochen. Und meine Antwort ist: ganz klar ja. Auch wenn es ein 300-Prozent-Job ist.

Was raten Sie jungen Frauen, wenn sie Karriere machen wollen?
Sie müssen mit Selbstbewusstsein an die Sache gehen. Sie müssen an sich glauben und sagen: Ich kann das. Warum soll eine Frau, wenn sie das Fachwissen mitbringt, nicht genauso gut sein wie ein Mann? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 03.04.2013, 11:46 Uhr)

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Die langjährige Konzernchefin Monika Ribar übergibt die Leitung des Unternehmens Anfang Juni an den früheren Kühne Nagel-Manager Peter Ulber. Ribar habe als Konzernchefin viel Aufräumarbeiten leisten müssen und ein «beispielhaftes Compliance-System» eingeführt, kommentierten die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) den Wechsel. «Operativ war ihr Leistungsausweis aber bescheiden», lautet ihr Urteil weiter.

Vor allem die Vergangenheit von Ribars Nachfolger Peter Ulber beim deutlich erfolgreicheren Konkurrenzunternehmen Kühne Nagel wurde in der Analystengemeinde gut aufgenommen. Panalpina könnte mit diesem Schritt neues Leben eingehaucht werden, meinten zahlreiche Experten. (sda)

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Noch drei Konzernchefinnen

Mit Panalpina-Chefin Monika Ribar tritt eine der wenigen Frauen an der Spitze von Schweizer Konzernen ab. Von den 115 grössten Schweizer Konzernen haben nach dem Rücktritt Ribars noch drei eine Frau an der Spitze. Damit ist die Zahl im Vergleich zum vergangenen Jahr konstant geblieben. 2011 waren es laut dem jährlich publizierten «Schilling-Report» noch vier gewesen. Betrachtet man die ganze Geschäftsleitung, stagnierte der Anteil von Frauen 2012 bei 5 Prozent. Unter den Konzernchefs liegt der Prozentsatz noch tiefer.

Höherer Frauenanteil in Verwaltungsräten

Generell sind die Frauen in den Verwaltungsräten von Schweizer Firmen stärker vertreten. Ihr Anteil liegt dort etwa doppelt so hoch wie in den Konzernleitungen. Allerdings stehen die Frauen auch in den Aufsichtsgremien selten an der Spitze. Ausser Nayla Hayek bei Swatch gibt es keine Verwaltungsratspräsidentin in einem grossen Schweizer Unternehmen. (sda)

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