Ikea stellt Flüchtlinge ein

Das schwedische Möbelhaus plant, in jedem Ikea-Zentrum mindestens zwei Asylbewerber zu beschäftigen. Auch Planzer will Ausbildungsprogramme für Flüchtlinge.

Will die Zahl der Praktikums-Plätze nach und nach erhöhen: Ikea-Zentrum in Vernier. (Archivbild)

Will die Zahl der Praktikums-Plätze nach und nach erhöhen: Ikea-Zentrum in Vernier. (Archivbild) Bild: Martial Trezzini/Keystone

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Die Schweizer Wirtschaft entdeckt Asylsuchende als Arbeitskräfte. So will das Einrichtungshaus Ikea in den nächsten sechs Monaten Praktika-Programme für Flüchtlinge starten. «Am Anfang der Programme sollen in jedem der neun Ikea-Zentren in der Schweiz zwei Praktikums-Plätze geschaffen werden», sagt Aurel Hosennen, Kommunikations-Chef von Ikea der «NZZ am Sonntag».

«Geplant ist, die Zahl der Praktikums-Plätze nach und nach zu erhöhen.» Denkbar sei, dass Flüchtlinge bei Ikea in ganz verschiedenen Bereichen arbeiten würden. Je nach Qualifikation und Sprachkenntnissen der Betroffenen seien Beschäftigungen in der Logistik oder im Verkauf denkbar, sagt Hosennen.

Planzer will hundert Flüchtlinge anstellen

Auch das Transport- und Logistik-Unternehmen Planzer, das seinen Hauptsitz in Dietikon (ZH) hat, ist an Flüchtlingen als Arbeitskräfte interessiert. «Wir planen, Ausbildungsprogramme für rund hundert Flüchtlinge anzubieten», sagt Severin Baer, Teilhaber und Geschäftsleitungsmitglied von Planzer, der «NZZ am Sonntag». «In den Programmen sollen die Flüchtlinge zu Lastwagenfahrern oder Logistikern ausgebildet werden.»

Dabei handle es um eine Art praktische Lehre, in der die Betroffenen auch eine Landessprache lernen und Kenntnisse des Lebens in der Schweiz erhalten könnten. Planzer hat in dieser Sache auch mit dem Staatssekretariat für Migration Kontakt aufgenommen, wie Baer weiter sagt. Zurzeit würden Gespräche laufen, wie die Ausbildungsprogramme konkret umgesetzt werden sollen. Anlass für das Projekt war der derzeitige Mangel an qualifizierten Lastwagenfahrern und Logistikern gewesen.

Zunahme von Flüchtlingen an der Ostgrenze

Die Schweiz wird für Flüchtlinge aus Afghanistan attraktiver. Von den 670 Personen, welche die Grenzwache an der Ostgrenze seit Anfang Monat aufgriff, waren laut «Schweiz am Sonntag» 495 Afghanen. Das sind über 70 Prozent.

Früher wollten die Afghanen schnell weiter nach Deutschland oder Schweden. Das hat sich verändert. «Die Afghanen, die jetzt kommen, wollen in der Schweiz Asyl», sagt Felix Dobson, Chef des Grenzwachtposten Liechtenstein. Die Flüchtlinge seien untereinander gut vernetzt. «Sie hören von ihren Landsleuten, dass man in Deutschland tagelang warten muss. Zum Teil sogar im Freien. Darum wollen sie nun in die Schweiz», sagt er der «Schweiz am Sonntag».

Zudem kehren Afghanen Deutschland den Rücken und kommen in die Schweiz. Diese Woche griffen Schweizer Grenzwächter an der Nordgrenze 131 Afghanen ohne gültige Reisepapiere auf. Dies geht aus Zahlen des Grenzwachtkorps hervor, welch die «Schweiz am Sonntag» publik machte. Viele von ihnen dürften in der Schweiz ein Asylgesuch stellen. Ihre Chancen mindestens vorläufig aufgenommen zu werden, stehen gut. Deutschland hingegen diskutiert darüber, wieder nach Afghanistan abzuschieben – trotz des Krieges. (chk)

Erstellt: 08.11.2015, 07:31 Uhr

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