Wirtschaft
«In den USA sind unsere Berater die einzige Hoffnung»
Von Markus Diem Meier, Matthias Chapman. Aktualisiert am 17.11.2009
UBS «genau die richtige Herausforderung»: Robert McCann, neuer Chef der Vermögensverwaltung in den USA. (Bild: Reuters)
Nennt seinen Chef auch vor Investoren «Osi»: UBS-COO Ulrich Körner.
Artikel zum Thema
- Die 5 Fragen, denen sich die UBS jetzt stellen muss
- Wie Grübel die CS überflügeln will
- Bald magische 10'000er-Grenze für UBS erreicht
Die UBS-Ziele in Zahlen
- In drei bis fünf Jahren sollen wieder Gewinne vor Steuern von jährlich rund 15 Milliarden Franken erwirtschaftet werden. Damit würde das Rekordniveau von 2006 erreicht.
- Grübel peilt eine Eigenkapitalrendite von 15 bis 20 Prozent an.
- Die Investmentbank, die dem Konzern in der Finanzkrise Abschreibungen und Verluste von mehr als 50 Milliarden Dollar einbrockte, soll auf einen Gewinn vor Steuern von 6 Milliarden Franken kommen.
- Das mittelfristige Vorsteuergewinnziel für den Bereich Wealth Management & Swiss Banking lautet auf 6,5 Milliarden Franken. Die Bank will jährlich wieder Nettoneugeld im Umfang von 5 Prozent des Bestandes hereinholen.
-
Die risikogewichteten Aktiven werden von heute 211 Milliarden auf rund 290 Milliarden Franken steigen, unter anderem wegen der «kontrollierten Risikonahme» der Investment Bank. - Die UBS will den Verschuldungsgrad (Leverage Ratio) auf über 5 Prozent verbessern. Ende September waren lediglich 3,51 Prozent des Geschäfts mit Kapital unterlegt. Die Vermögenswerte gemäss Leverage Ratio der Finanzmarktaufsicht Finma sollen auf rund 800 Milliarden Franken reduziert werden.
Vor einem prall gefüllten Saal mit Analysten im UBS-Konferenzzentrum Grünenhof betont der einstige Credit-Suisse-Chef immer wieder, was es alles anders und neu zu machen gelte im Vergleich zu den Vorgängern. Eine «neue Bank» gelte es zu gründen, eine «fundamentale Transformation» stehe an. Immerhin gelte es auch dort auf die Stärken der Bank zu bauen, wo sie vorhanden waren. Einmal kritisiert Grübel das alte Management allerdings auch direkt: Dessen Entscheide und seine Führung seien schuld am Schlamassel, in den die Grossbank geschlittert sei und für den Schaden am Ruf der Bank.
Grübels Rede hörte sich streckenweise an, wie die eines Präsidenten, der seinem Volk zwar eine spätere glorreiche Zukunft verspricht, dem aber zuerst ein Tal der Tränen bevorstehe. «Wir werden kurzfristig keine befriedigende Lösung finden», sagte der UBS-Konzernchef. Die Transformation der Bank werde nicht einfach sein, sondern auch «schmerzlich». Mehrfach betont er die Schwierigkeiten im wirtschaftlichen Umfeld der nächsten Zukunft. Das Wachstum werde klein bleiben, weil die Konsumenten vor allem in den USA erst ihre Schulden abbauen müssten. Das Geschäft für die Banken werde daher ohnehin schon schwierig sein. Dazu kämen noch die verschärften Regulierungen der Aufsichtsbehörden. Immerhin seien im fernen Osten gute Geschäftsmöglichkeiten auszumachen.
Was geschehen ist, soll nie mehr geschehen
Die wesentliche Änderung beim Umbau der Bank liegt laut Grübel in einer stärkeren Fokussierung auf die Kunden: Jetzt gehe es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Qualität; nicht um rasche Lösungen, sondern um nachhaltige. Nicht mehr das Bolzen von Volumen soll im Vordergrund stehen, sondern die Zufriedenheit der Kunden. Wenn die Kunden aussergewöhnliche Leistungen erhalten, wären sie auch bereit, mehr dafür zu bezahlen. Die Devise heisst also: Jetzt zählt mehr die Marge der Geschäfte als deren Umfang. Letztlich gelte es, eine neue Kultur zu etablieren.
Grübel betonte abschliessend, er werde der Bank verpflichtet bleiben. Letztlich gelte es, dafür zu sorgen, dass mit der UBS niemals mehr geschieht, was in den letzten Jahren geschehen ist.
Die ersten Reaktionen an der Börse waren positiv. Der Aktienkurs legte um rund 1,5 Prozent auf 17,75 Franken zu.
Die Bank ist jetzt «finanziell sicher»
Nach Grübel ergriff COO Ulrich Körner das Wort. «Wie wir von Osi gehört haben, sind wir auf gutem Weg», begann der Chief Operating Officer seine Erläuterungen. Die Bank sei jetzt «finanziell sicher», garantiert der Banker. Das Programm zur Reduktion der Kosten sei im Plan. Aber auch Körner wollte nicht verhehlen, dass die Bank noch vieles zu tun habe. Die Finanzkrise habe die Wirtschaft und im Besonderen die Welt des Finanzmarkts durcheinandergebracht. Die grosse Herausforderung sei, darauf richtig reagieren zu können.
Immer wieder wird herausgehoben, wie wichtig es sei, den Kunden ins Zentrum zu stellen. Die Bank zeigt sich sichtlich bemüht, die Reputation des Instituts wiederherzustellen. Auch Körner erlaubt sich einen Seitenhieb auf die Vorgänger an der Bankspitze. Das alte Management habe zwar viel von Integration gesprochen, doch in der Praxis habe sich das bei der UBS überhaupt nicht gezeigt.
«Risiken deutlich verringert»
Kreditchef Philip Lofts legt Wert auf die neue Risikokultur, die jetzt bei der UBS herrscht und zeigt auf, wie die UBS schon jetzt ihre Risiken deutlich verringert habe. Es gelte auch bei den Risiken, die Kultur zu verändern und man sei bereits auf dem Weg dazu. Das zeige sich an verschiedenen Kennzahlen, wie etwa dem «Value at Risk». Auch die Rückstellungen für Kreditverluste gingen zurück. Die Bank habe hier angesichts der Weltwirtschaftskrise eine gute Ausgangslage. Auch bei den verbliebenen Schrottpapieren in der Bilanz habe die UBS die Risiken weiter verringern können.
Laut Finanzchef John Cryan ist es der Bank schon gelungen, die Bilanz deutlich zu verkürzen. Weitere Reduktionen seien geplant, allerdings nicht bei den Ausleihungen. Weiter erhöhen will Cryan auch die Finanzierung der Anlagen. Insbesondere Risikopositionen sollen vermehrt durch Eigenkapital unterlegt werden. Das sei auch eine Forderung der Aufsichtsbehörden. Die UBS will daher ganz generell mehr Kapital aus den Erlösen zurückbehalten. Das bedeutet für die Aktionäre, dass sie möglicherweise weniger Dividenden erhalten, denn die Ausschüttungspolitik will der UBS-Finanzchef von den noch unbekannten konkreten Kapitalanforderungen der Finma abhängig machen.
«Nie mehr eine Bank für alles und alle überall»
Mit Vorträgen an der Reihe waren nun die beiden Ko-Leiter der Investmentbank Alex Wilmot-Sitwell und Carsten Kengeter. Die beiden wiederholten die Kernaussage des Tages, nämlich dass man sich künftig mehr auf die Wünsche der Kunden konzentrieren wolle, statt einfach zusätzliches Business fast um jeden Preis zu generieren. «Wir wollen nie mehr eine Bank für alles und alle überall sein», sagte Wilmot-Sitwell. Die Beachtung von Risiken sei neu nicht mehr bloss die Aufgabe der Risikokontrolleure.
Obwohl in der Investmentbank insgesamt die Anlagen, die Kosten, die Risiken und das Personal reduziert wurden, sei es vor allem in den letzten drei Monaten gelungen, viele hochqualifizierte neue Leute zu engagieren. Die Investmentbank sei zudem auch gut aufgestellt, um den neuen Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu genügen.
Sitwells Kollege Carsten Kengeter meinte, die Investmentbank habe eine Krise hinter sich, die ihren Ruf schwer beschädigt habe. Doch der Wiederaufbau des Bereichs biete auch Chancen. Jetzt seien die richtigen Leute da, die das Business mit einem neuen Risikoverständnis aufbauen wollen. Schon jetzt sei es gelungen, sehr gute Leute zu gewinnen.
McCann: «Turnaround genau die richtige Herausforderung»
Auf besondere Beachtung stiess schliesslich der Auftritt von Robert McCann, dem neuen Chef des Vermögensverwaltungsgeschäfts in Nordamerika. Dass die UBS ihn zu engagieren vermochte, galt in der Bankenszene als Sensation. Doch dieser begann seinen Vortrag, in dem er erzählte, was er alles schon gemacht hat – fast so, als würde er sich hier erst um den Job bemühen. Seit 27 Jahren sei er bereits in diesem Geschäft tätig, sagte er, hauptsächlich für Merrill Lynch. Man könne sich fragen, sagte er, warum er ausgerechnet jetzt zur UBS wechsle. Für ihn sei der Turnaround, den sein neuer Bereich erfordere, genau die richtige Herausforderung gewesen, jetzt sei er fasziniert von dieser Aufgabe, beantwortet er die selbst gestellte Frage.
Die Auseinandersetzung mit den Steuerbehörden des Landes hat dem Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS in den USA schweren Schaden zugefügt. Es wird auch spekuliert, Grübel wolle das Business verkaufen. Doch McCann gab sich überzeugt, dass das Geschäft eine Zukunft habe. Seine Gespräche mit Grübel hätten ihm zudem gezeigt, dass bei der UBS jetzt der nötige Realitätssinn und eine hohe Integrität vorhanden sei.
Die Wirtschaftskrise habe zwar die Wahrnehmung von Risiken bei den Kunden fundamental verändert, sagte McCann weiter. Doch er schliesst daraus, dass dadurch auch das Bedürfnis nach Beratung steigt. Berater die schon bisher eine hohe Qualität geliefert hätten, würden trotz der Krise nicht unter einem Vertrauensverlust leiden. Darauf gelte es zu bauen. Der Ruf der Berater sei wichtiger als jener des Gesamtinstituts. Angesichts der teilweise kriminellen Methoden, mit denen die UBS-Berater in der Vergangenheit in den USA vorgegangen sind, bleibt hier die einzige Hoffnung für die Grossbank und ihren neuen Chef in Amerika. Schliesslich sei auch nicht alles im Argen, erklärte McCann zudem: Immerhin gehöre die UBS bei den zu verwaltenden Vermögen pro Berater nach wie vor zur Spitze.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.11.2009, 17:05 Uhr


