Wirtschaft

Inserateverkäufer stehen vor harten Zeiten

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 21.10.2008 1 Kommentar

Die Finanzkrise beginnt bereits, die Medienhäuser in Mitleidenschaft zu ziehen. Inserate aus der Finanz- und Automobilbranche sind deutlich zurückgegangen.

Der NZZ werden hohe Einnahmen durch den Rückgang der Inserate fehlen.

Der NZZ werden hohe Einnahmen durch den Rückgang der Inserate fehlen.

Gerade rechtzeitig zur Finanzkrise öffnet im Parterre des NZZ-Hauptsitzes im Zürcher Seefeld die Goethe-Bar. Die Anzeigenverkäufer haben es dann nicht mehr weit zum Feierabendbier. Und das werden sie sich in den kommenden Monaten täglich hart verdient haben. Laut dem Marktforschungsunternehmen Media-Focus hat der Wert der Inserate aus dem Finanzbereich innert eines Jahres um 10 Prozent abgenommen. Mit baldiger Umkehr dieses Trends ist angesichts der momentanen Krise im Bankensektor nicht zu rechnen. Im Gegenteil.

Rund 20 Prozent ihres Umsatzes macht die «Neue Zürcher Zeitung» laut Angaben ihres Werbeleiters Markus Ehrle mit Inseraten aus dem Finanzsektor. Ein beachtlicher Teil dieser Einnahmen wird im nächsten Jahr fehlen. Das trifft die NZZ hart. «Wir haben natürlich Respekt vor dieser Situation. Das ist für uns, wie für die Finanztitel allgemein, ein Problem», sagt Ehrle. Zwar blieben die Fonds-Anzeigen relativ stabil, bei Imagekampagnen und bei Inseraten für Finanzprodukte sind die Rückgänge laut Ehrle aber beträchtlich. Besonders die gekürzten Budgets der beiden Grossbanken fallen ins Gewicht. Zwar schalten Gewinner der Krise, wie etwa die ZKB oder Privatbanken, vermehrt Inserate, aber das hilft nicht. «Kampagnen von Banken wie Wegelin oder Sarasin können den Wegfall der Imagekampagnen von Grossbanken nicht wettmachen», sagt Ehrle.

Keiner bleibt verschont

Nicht nur die Banken werben weniger. Die kommerziellen Inserate in Schweizer Zeitungen und Zeitschriften sind im September im Vergleich zum Vorjahr um 13,6 Prozent auf 172,6 Millionen Franken eingebrochen, wie die AG für Medienforschung (WEMF) gestern mitteilte. Die Stellenanzeigen gingen um 20,8 Prozent auf 21,9 Millionen zurück, die Immobilienanzeigen um 15,5 Prozent auf 7,1 Millionen.

Bei den kommerziellen Werbekunden halten sich vor allem die Autobauer zurück. Dies bestätigt Edi Battaglia, der bei Metropool Anzeigen für die «BaslerZeitung», die «BernerZeitung» und den «Tages-Anzeiger» verkauft, zu einem Bericht von Radio DRS. «Die potentiellen Kunden investieren momentan eher ungern in Autos, deshalb gibt es in diesem Bereich einen weiteren Rückgang der Inserate.» Das ist für allem für die Sonntagszeitungen schlecht, wo die Autobranche bevorzugt ihre Imagekampagnen platziert. Adriano Valeri, Anzeigenleiter der «SonntagsZeitung» (die wie der TA zu Tamedia gehört) sagt es so: «Mehrere grosse Autohersteller haben signalisiert, dass sie ihre Budgetsituation überdenken müssen, wenn sich die wirtschaftliche Grosswetterlage nicht bessert».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2008, 22:18 Uhr

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1 Kommentar

Enbedded Journalist

22.10.2008, 00:17 Uhr
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Guter Beitrag, ihr habt doch noch gute Journalisten. Den solltet Ihr pflegen. Das IPhone und ähnliche Gadget machen das ganze auch nicht leichter. Doch wird es wahrscheinlich eher zuerst die Gratiszeitungen treffen. Antworten



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