Wirtschaft
Insiderskandal an der Wallstreet: «Ich bin tot, wenn das rauskommt»
«Ich bin tot, wenn das rauskommt»: Hauptbeschuldigte Hedgefonds-Managerin Danielle Chiesi. (Bild: Keystone)
Der wohl grösste Insiderhandel-Skandal der Hedgefonds-Branche rund um Milliardär Raj Rajaratnam zieht grosse Kreise. Nicht nur an der Wallstreet, sondern bis hinein in US-Vorzeigekonzerne. Neben dem Millionenschaden drohe Amerika eine neue enorme Image- Katastrophe, urteilen US-Medien.
Das schillernde Schwergewicht Rajaratnam war am Montagmorgen Thema Nummer eins der Händler auf dem Weg zur Wallstreet. «Festnahme von Hedgefonds-Chef erschüttert Branche», so die Schlagzeile der «New York Times».
Das Konterfei des in Sri Lanka geborenen Schnauzbarts prangte auf allen Blättern. Und gleich daneben Hinweise auf mögliche Finanzkontakte zur tamilischen Rebellengruppe auf Sri Lanka.
Illegale Aktiengeschäfte
Fahnder hatten den 52-Jährigen kurz vor dem Wochenende in seinem New Yorker Luxus-Appartement festgenommen, angeblich mit einem Flugticket nach London in der Tasche. Mit fünf Top-Managern als Komplizen soll er über illegale Aktiengeschäfte rund 20 Millionen Dollar ergaunert haben. Rajaratnam streitet alles ab. Gegen 100 Millionen Dollar Kaution ist er auf freiem Fuss.
Weitere Festnahmen gelten als wahrscheinlich. Ermittler seien noch mehreren Netzwerken ähnlicher Finanzbetrüger auf der Spur, zitieren US-Medien Insider. Einige stünden mit Rajaratnam in Verbindung, aber auch unabhängig davon hätten Fahnder mehrere Hinweise.
Der spektakuläre Fall erinnert an den berüchtigten Insiderhändler Ivan Boesky Mitte der 80er Jahre. Der Börsenbetrüger war Vorbild für den von Michael Douglas verkörperten Gordon Gekko im Kinoklassiker «Wall Street» von Oliver Stone. Der Regisseur dreht gerade Teil II.
Fahnder verblüfft über Habgier
Mit an der Wall Street unüblichen Methoden der Terrorbekämpfung schlugen FBI und Staatsanwalt diesmal zu. Stundenlang belauschten sie Telefongespräche, werteten Unmengen von Daten zu Aktiengeschäften aus.
Der US-Börsenaufsicht SEC käme ein prominenter Erfolg höchst gelegen: Seit ihren schweren Fehlern in der Finanzkrise und im Fall von Rekordbetrüger Bernard Madoff steht sie massiv in der Kritik.
Die Dreistigkeit und Gier der Verdächtigen verblüffte die Beamten: «Du bringst mich ins Gefängnis, wenn Du auspackst», soll die zu den Hauptbeschuldigten zählende Hedgefonds-Managerin Danielle Chiesi gesagt haben. «Ich bin tot, wenn das rauskommt.»
Wie die Mafia
Topmanager wie IBM-Vizepräsident Robert Moffat steckten den Hedgefonds laut Staatsanwalt Preet Bharara geheime Informationen über ihre Konzerne illegal zu. Wenn die Kurse von IBM, Intel, Google & Co dann etwa nach Bekanntgabe neuer Quartalszahlen stiegen, verdienten sie kräftig mit.
Als ein Komplize nicht mehr mitmachen wollte und auspackte, flog alles auf. Nun tauchen reihenweise redewillige Ex-Kollegen auf.
Der Skandal sei ein «Weckruf» für die ganze Branche, warnte der Staatsanwalt. Das «Wall Street Journal» befürchtet, dass die Behörden Hedgefonds «nun wie die Mafia behandeln.» (bru/sda)
Erstellt: 19.10.2009, 21:08 Uhr
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