Wirtschaft
«Institutionelle Investoren sind viel aufmerksamer»
Von Robert Mayer. Aktualisiert am 27.01.2010
«Unser Kontakt ist immer sehr höflich gewesen, und ich hoffe, dass das so bleiben wird»: Dominique Biedermann. (Bild: Keystone)
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Wann und wie haben Sie vom Rücktritt Daniel Vasellas als Konzernchef erfahren?
Wir von Ethos haben keinen privilegierten Informationszugang. Ich habe die Neuigkeiten heute morgen am Radio vernommen.
Kam das für Sie völlig überraschend, oder gab es Anzeichen für ein Einlenken bei Novartis?
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Wir haben mit dem Verwaltungsrat von Novartis einen regelmässigen Dialog geführt. Dabei haben wir gemerkt, dass die Frage der Ämtertrennung für den Verwaltungsrat ein ziemlich heikles Thema ist. Über die Diskussionen innerhalb des Verwaltungsrats sind wir aber nicht informiert worden.
Haben Sie mit Vasella auch persönlich einen Meinungsaustausch über sein Doppelmandat geführt?
Wir geben nicht bekannt, mit welchen Personen wir im Dialog stehen. Das ist für die Vertrauensbildung zu den Unternehmen absolut notwendig.
Als Verwaltungsratspräsident wird Daniel Vasella auch in Zukunft Ihr Ansprechpartner sein. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu ihm beschreiben?
Unser Kontakt ist immer sehr höflich gewesen, und ich hoffe, dass das so bleiben wird. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Davon abgesehen, geht es bei all diesen Fragen rund um Novartis nicht so sehr um mein Verhältnis zu Herrn Vasella. Ethos ist ein langfristig orientierter Aktionär. Falls dies nötig ist, versuchen wir unsere Interessen auch mittels Aktionärsanträgen zu wahren. Diese Anträge geben nicht nur den Aktionären, sondern auch dem Verwaltungsrat von Novartis die Gelegenheit, seine Meinung zu äussern. Bei Novartis geht manchmal vergessen, dass es nicht nur Herrn Vasella, sondern auch einen Verwaltungsrat gibt.
Hätte Ethos an der nächsten Generalversammlung genügend Stimmen mobilisieren können, um eine Ämtertrennung bei Novartis auf diesem Weg durchzusetzen?
Das vorauszusagen, ist äusserst schwierig. Tatsache aber ist: Mit jedem Tag hat unser Anliegen mehr Unterstützung bei den Aktionären gewonnen. Dem Verwaltungsrat ist das sehr wohl bewusst. Das Umfeld, in dem sich Unternehmen wie Novartis heute bewegen, ist ein ganz anderes als vor fünf Jahren. Die Mehrheit des Kapitals an Grosskonzernen gehört mittlerweile institutionellen Investoren. Bei Novartis zum Beispiel sind drei Viertel des Kapitals in ihrem Besitz. Diese Investoren sind heute viel besser miteinander vernetzt. Man kennt sich und informiert sich gegenseitig, sobald etwas am Laufen ist. Dadurch können diese Investoren schneller reagieren – sie werden zu einem Machtfaktor.
Künftig will Novartis die Aktionäre auch über das Vergütungsmodell abstimmen lassen. Können Sie sich vorstellen, dass Ethos einem System zustimmt, das Daniel Vasella im letzten Jahr laut Ihren Berechnungen ein Gehalt von 42 Millionen Franken zugewiesen hat?
Nein, dem heutigen System können wir nicht zustimmen. Es entspricht nicht der «Best Practice», also den Standards, wie sie heute in einschlägigen internationalen Kodices als wegweisend beschrieben werden. Da besteht noch ein erheblicher Diskussionsbedarf mit dem Verwaltungsrat. Auch da stehen wir nicht alleine: Die institutionellen Investoren sind beim Thema Vergütungen viel aufmerksamer geworden. Aber wir sprechen hier von einem zweiten Schritt. Jetzt geht es erst mal darum, dass Novartis eine Statutenänderung vorschlägt mit dem Ziel, die Aktionäre künftig prospektiv über neue Vergütungssysteme abstimmen zu lassen, allerdings ohne bindenden Charakter. Das entspricht einem alten Anliegen von uns und hat daher unsere volle Unterstützung.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.01.2010, 04:00 Uhr
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