Ist der Media-Markt-Kunde am Ende doch blöd?

Im Onlineshop des Elektronikriesen kosten Artikel deutlich weniger als im Laden. Nur wer darauf hinweist, bezahlt auch im Laden weniger. Dafür laufen Aktionen nicht im Onlineshop. Verwirrung pur.

Nicht immer leicht, bei den Preisen den Durchblick zu behalten: Media-Markt-Filiale in Dietlikon. (19. Februar 2005)

Nicht immer leicht, bei den Preisen den Durchblick zu behalten: Media-Markt-Filiale in Dietlikon. (19. Februar 2005) Bild: Keystone

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Von den rund 40 000 Artikeln, die eine grosse Media-Markt-Filiale führt, gibt es nur etwa 1500 auch im Onlineshop. Die Ware ist online meist deutlich günstiger als im Laden. Zwei Beispiele:

  • Die externe Festplatte My Passport Essential von Western Digital mit einer Speichermenge von 1 Terabyte ist im Media-Markt Sihlcity in Zürich mit 119.95 Franken angeschrieben. Online kostet sie 84.95 Franken. Der Aufschlag beim Ladenpreis beträgt 41 Prozent.

  • Der E-Book-Reader Sony PRS-T2 in Schwarz kostet im selben Media-Markt 169.95 Franken. Online sind es 149 Franken. Der Aufschlag macht immer noch 12,3 Prozent aus.

Wer als Käufer von diesen Unterschieden weiss und das Verkaufspersonal im Laden auf die Differenz aufmerksam macht, erhält auch im Laden den tieferen Preis. Diese Erfahrung machten unabhängig voneinander drei Leser des «Bund». «Auf Nachfrage wurde mir am Info-Point der Preis wie im Internet gewährt», sagt Leser A. Der Verkäufer habe ein A4-Formular ausgedruckt, das an der Kasse abzugeben war. Die drei Leser hatten den Eindruck, dass es sich dabei um einen eingespielten Ablauf handelte.Media-Markt-Sprecherin Séverine de Rougemont spielt die Vorfälle in einer ersten Stellungnahme herunter. «Grundsätzlich ist unser Ziel, die Onlinepreise auch in den Märkten anzubieten.» Die Internetpreise würden kontinuierlich geprüft und angepasst – wenn nötig auch mehrmals pro Tag. «Online können die Preise schnell geändert werden, was in den Märkten nicht möglich ist. Es kann daher vorkommen, dass in den Märkten die Preisänderung zeitverzögert durchgeführt wird.»

«Verkaufspreise können variieren»

Nur: Auch zwei Wochen nach den Vorfällen waren die Ladenpreise noch immer nicht gesenkt worden. Damit konfrontiert buchstabiert de Rougemont zurück: «Jeder Fachmarkt kauft den Grossteil der angebotenen Produkte in eigener Regie ein. Dabei können die Einkaufskonditionen – und damit die Verkaufspreise – durchaus variieren.» Das gelte auch im Vergleich mit dem Onlineshop. Dieser Verkaufskanal sei aus Sicht von Media-Markt ein eigener Fachmarkt und kaufe sein Angebot ebenfalls selber ein.

Damit sagt de Rougemont aber bloss die halbe Wahrheit. Denn die Geschäftsführer der einzelnen Fachmärkte kaufen zwar selber ein – aber zu den guten Konditionen des Konzerns. Allerdings haben die Geschäftsführer, die gleichzeitig Mitinhaber an ihrem Markt sind, die Preishoheit in ihrem Markt. Das ist ein Unikum im Detailhandel und führt dazu, dass die Preise der Media-Markt-Filialen im Raum Zürich anders sein können als beispielsweise jene im Raum Bern oder Basel. Und eben auch anders als im Internet. Kein Wunder hatten die Geschäftsführer der Fachmärkte keine Freude, als Media-Markt 2011 online ging: Sie wollten kein Internetangebot, das naturgemäss nur einen Preis kennt.

De Rougemont bestätigt denn auch, dass Kunden bei Produkten, bei denen der regionale Verkaufspreis vom Onlinepreis abweicht, verlangen können, dass das Produkt zum Onlinepreis verkauft wird. «Diesem Ersuchen wird anstandslos stattgegeben.»

Verwirrende Informationen

Weil der Onlineshop als regionaler Fachmarkt gilt, gelten die Aktionspreise einer bestimmten Region im Internet nicht – auch wenn die Artikel im Onlineshop erhältlich sind. Wer online danach sucht, erhält einen Preis, der ungefähr in der Mitte zwischen dem Aktionspreis und dem im Prospekt angegebenen Normalpreis liegt.

«Die unblöde Streichpreissensation», wie es im Prospekt heisst, gilt also nur für das Ladenangebot – und nur in der jeweiligen Region. Die Preise in den Fachmärkten müssen laut de Rougemont nur dann mit jenen des Onlineshops identisch sein, wenn es sich um eine nationale Aktion handelt – also eine, die zum Beispiel an einem nationalen TV-Sender beworben wird.

Nummer drei beim Onlinehandel

Wie sagte doch Horst Norberg, der oberste Chef der Multimediaketten Media-Markt und Saturn in einem Interview? «Wir bekennen uns zu Preiswahrheit und -klarheit.»

Media-Markt war 2011 einer der letzten Elektronikhändler, der einen Onlineshop einführte. Konkurrenten wie der Onlineshop Digitec haben deshalb einen grossen Vorsprung. Zusammen mit dem aus demselben Haus stammenden Online-Warenhaus Galaxus erzielt Digitec bereits eine halbe Milliarde Franken Umsatz – und betreibt unterdessen auch normale Ladengeschäfte. Media-Markt kam 2011 als Nummer drei insgesamt auf 914 Millionen Franken Umsatz, Fust auf 938 und Interdiscount als Marktführer auf 995 Millionen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 04.02.2013, 07:23 Uhr)

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