Wirtschaft

J. P. Morgan schafft Hunderte von Stellen in der Schweiz

Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 05.01.2011 19 Kommentare

Die Amerikaner glauben an den Finanzplatz Schweiz – trotz dem geschwächten Bankgeheimnis: Sie bauen die Vermögensverwaltung in Genf auf über 1000 Mitarbeitende aus und stocken den Sitz in Zürich auf.

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Weltweit geschäftende Unternehmen wie die US-Grossbank J. P. Morgan expandieren immer dort, wo sie die grössten Wachstumschancen sehen. So gesehen ist dieser massive Ausbau von J. P. Morgan in Genf, Zürich und Zug ein Bekenntnis zum Finanzplatz Schweiz, das deutlicher nicht sein könnte.

«In der Schweiz haben wir sehr starke Expansionspläne», sagt Martin Schütz, Co-Chef von J. P. Morgan in der Schweiz: «Ausbauen wollen wir die Vermögensverwaltung, das Geschäft mit Grossunternehmen und den Rohstoffhandel.» Die Bank ist seit den Sechzigerjahren in der Schweiz präsent. Genf ist nach New York der grösste Standort für das Geschäft mit reichen Ausländern. «Das Private Banking in Genf wollen wir von 650 auf über 1000 Vollzeitstellen aufstocken bis Ende 2012», sagt Schütz: «Auch mittelfristig wird Genf weiterwachsen.» In Zürich ist ebenfalls ein Wachstumssprung geplant. «Bis 2012 wollen wir in Zürich die Belegschaft auf 120 Vollzeitstellen verdoppeln», sagt Schütz.

Tiefer Margen wegen Weissgeldstrategie

Die Amerikaner sehen die Folgen der Angriffe auf das Bankgeheimnis offenbar längst nicht so dramatisch wie viele Einheimische. «Die Schweiz bleibt im Private Banking ein hoch attraktiver Platz für J. P. Morgan», sagt Schütz, «unsere Kunden wissen die Vorteile von starker Währung, minimaler Inflation, umsichtiger Nationalbank und hoher Servicequalität sehr zu schätzen».

Um ihre Zukunft zu sichern, müsse sich die Branche aber rasch an die neue Lage anpassen. Die Weissgeldstrategie habe substanziell tiefere Margen zur Folge. «Die in der Schweiz tätigen Privatbanken und Vermögensverwalter müssen ihre Prozesse in der Betreuung und im Backoffice straffen und die Kosten markant senken», sagt Schütz.

Nur Können und Kosten zählen

Viele Verwalter, aber auch kleinere Privatbanken würden diesen Industrialisierungsprozess nicht überleben. Private Banker seien gut beraten, sich auf ihre Kernkompetenz, die Beratung, zu konzentrieren und Routineaufgaben wie Abwicklung und Administration an die kostengünstigsten Dienstleister auszulagern. «In Zukunft zählen nur das Können und die Kosten», so Schütz.

Ein Grund dafür, dass in Genf Hunderte von neuen Arbeitsplätzen entstehen sollen: Das Private Banking von J. P. Morgan sei «ein schnell wachsendes Segment». Und Genf hilft, dass es für die anstehende Industrialisierung der Branche gut aufgestellt ist. In Genf wurde über die Jahre «eine mächtige Plattform» aufgebaut, um die Milliarden reicher Ausländer kostengünstig zu administrieren. «Diese Plattform werden wir in Zukunft viel stärker nutzen für die Abwicklung und Verwaltung von Privatkundengeldern an anderen Plätzen, beispielsweise in Singapur oder Hongkong», sagt Schütz: «Dieser Prozess wird Genf viel zusätzliche Arbeit bringen.»

Schweiz zieht Auslandfirmen an

Die Amerikaner investieren viel in China, Indien und Brasilien. «Überraschen dürfte manche, dass wir auch in Europa ausbauen wollen, nicht nur in Asien», sagt Martin Schütz. Im Firmengeschäft will J. P. Morgan von der Schweiz aus «international tätige Grossfirmen rund-um bedienen», sagt Schütz – mit Krediten, mit Kapitalmarkttransaktionen und Absicherungsgeschäften für Zinsen und Währungen, mit globalem Cashmanagement und Anlageberatung.

Die Schweiz sei ein Magnet für ausländische Konzerne, nicht zuletzt dank tiefen Steuern und stabilen Rahmenbedingungen. «Eine rasch wachsende Zahl von Multis hat hier ihre Europazentrale eingerichtet», sagt Schütz: «Zudem entwickeln sich Genf und Zug zu starken Zentren im Rohstoffhandel und dessen Finanzierung.»

Rohstoffhandel ausbauen

In der Zeit, als die Schweiz mit dem Kampf ums Bankgeheimnis Schlagzeilen machte, hat J. P. Morgan in Zürich die Mitarbeiterzahl von 36 auf 62 Leute erhöht. Ein positives Zeichen für Zürich ist, dass J. P. Morgan Händler von London nach Zürich verlagert und ein halbes Dutzend Derivatespezialisten hier eingestellt hat – nicht in London. Auf 10 bis 13 Leute soll das Private Banking in Zürich wachsen, der Handel auf 10 Spezialisten erweitert werden.

J. P. Morgan handelt auch mit Rohstoffen wie Öl, Kohle, Gold, Kupfer und Aluminium. In Genf sind derzeit 14 Rohstoffhändler tätig, 6 weitere in Zug. Die Bank ist mit zehn eigenen Schiffen auch im Transport aktiv. «Den Handel mit Rohstoffen werden wir in den nächsten Jahren massiv ausbauen», so Schütz.

Ungebrochen ist der Glaube an die Schweiz auch bei der Deutschen Bank. Sie zügelt ihre 350 Private Banker in den Zürcher Prime Tower und sieht dies als «starkes Bekenntnis zum Finanzplatz Zürich und zur Schweiz insgesamt». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.01.2011, 23:06 Uhr

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19 Kommentare

Janus Hediger

05.01.2011, 11:07 Uhr
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Da frohlocken die Finanzpolitiker der betreffenden Kantone wohl: Ein weiterer grosser Steuerzahler. Fragt sich nur, wem's nützt. 80% der neuen Arbeitsplätze werden mit ausländischen Arbeitnehmern besetzt werden müssen. Für die Schweizer Bürger bedeutet dies hauptsächlich weitere Zunahme der Wohnungsnot, weiter steigende Miet- und Bodenpreise, noch stärkere Überlastung der Infrastruktur usw. Antworten


Heinz Moser

05.01.2011, 09:29 Uhr
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Super Nachricht! Unternehmenssteuer praktisch Null, Angestellte werden aus den USA und GB eingflogen, Privatsteuer minim, weil Pauschalbesteuerung. Was den Einheimischen dagegen blüht: noch höhere Mieten, noch mehr Ghettobildung. Dieses Land wird mir immer fremder und fremder. Antworten



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