Wirtschaft
James-Bond-Methoden bei Joe Ackermanns Deutscher Bank
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 21.07.2009
Die Detektivaktionen der Deutschen Bank sind allerdings kein Kinderspiel: Joe Ackermann. (Bild: Keystone)
Die Deutsche Bank hat einen veritablen Spionageskandal. Davon berichten der «Spiegel», die «Financial Times» und das «Wall Street Journal». Das grösste deutsche Finanzinstitut unter der Leitung des Schweizers Joe Ackermann hat gemäss den Berichten bereits den Leiter Konzernsicherheit Deutschland, Rafael Schenz, sowie den Leiter der Abteilung «Investor Relations» (IR) entlassen. Die Staatsanwalt in Frankfurt prüft die Aufnahme von Ermittlungen. Konkret hat die Bank in den letzten Jahren offenbar immer wieder Detektive beauftragt, um mit fragwürdigen Methoden an Informationen über Kritiker zu gelangen oder um mögliche Lecks gegenüber der Presse aufzudecken.
Ein Fall betrifft den engagierten Deutsche-Bank-Aktionär Michael Bohndorf, der an einer Generalversammlung durch kritische Fragen aufgefallen war. Offenbar kam zur Informationsbeschaffung eine 23-jährige Brasilianerin zum Einsatz, die den 66-jährigen verführte, um ihn auszuhorchen. Die Bank wollte zudem wissen, ob Bohndorf mit dem einstigen Medien-Mogul Leo Kirch verbandelt ist, der mit der Deutschen Bank einen Rechtsstreit ausfocht.
Aushorchen einer Anwaltskanzlei
Um über die Beziehung der beiden mehr zu erfahren, hat die Deutsche Bank ausserdem laut den Berichten einen Rechtsreferendar in die Anwaltskanzlei Bub Gauweiler einzuschleusen versucht. Die Kanzlei vertritt Kirch. Diese Aktion ist aber früh wieder abgebrochen worden.
Informiert wurde die Öffentlichkeit durch einen ungenannten Insider. Der Auftrag zur Bespitzelung von Bohndorf ist laut «Spiegel» vom Aufsichtsratschef Clemens Börsig ausgegangen. Der hätte IR-Chef Schmitt aufgefordert, mehr über Bohndorf herauszufinden, worauf dieser mit Schenz das weitere Vorgehen geplant hätte.
Mikrofon im Blumenstrauss
Nachspioniert wurde gemäss den Berichten selbst einem Vertreter des obersten Managements: dem operativen Leiter der Bank (COO) Hermann-Joseph Lamberti. Bei ihm sollten die Detektive herausfinden, ob er angemessene Sicherheitsmassnahmen ergriffen hat. So versuchten sie – offenbar auch vergeblich – ein GPS am Wagen Lambertis zu befestigen, um dessen jeweiligen Aufenthalt stets zu kennen. Selbst Blumen mit einem versteckten nichtaktiven Mikrofon haben sie ihm heimgesandt. Damit wollten sie prüfen, ob er es bemerkt.
Ein weiteres Opfer der Spionageaktivitäten ist laut den Berichten auch Gerald Herrmann, der Vertreter der Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Verantwortliche des mächtigen Geldinstituts wollten wissen, ob er heikle Berichte über die Bank an die Presse weiterleitet. Mittlerweile habe sich die Bank ihm gegenüber für das Ausspionieren entschuldigt.
Wer in der Bankspitze über die Spionageaktivitäten informiert war, bleibt unklar. Joe Ackermann habe gemäss den Berichten eine Untersuchung eingeleitet. Bis zu deren Ergebnis will das Finanzinstitut nichts dazu kommunizieren, es kooperiere zudem vollumfänglich mit den Behörden.
Laut den Medienberichten sei der Leiter der weltweiten Konzernsicherheit der Deutschen Bank, Victor Meyer, mehrfach über den Stand der «Ermittlungen» informiert worden. Gemäss «Spiegel» gilt es als äusserst unwahrscheinlich, dass sich Meyer bei seinen Chefs nicht zu den Aktionen abgesichert hat, was bedeuten würde, dass auch Joe Ackermann informiert gewesen wäre. Das wäre im Mindesten ein dramatischer Gesichtsverlust für ihn, der sein Institut verhältnismässig gut durch die Finanzkrise gesteuert hat und bis 2013 an der Spitze bleiben soll. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.07.2009, 12:14 Uhr
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