Jeder fünfte KV-Lehrabgänger verdient zu wenig

Erstmals wurden die Löhne von KV-Lehrlingen untersucht. Auch bei den Ferien kommen die Auszubildenden teilweise zu kurz.

Fast alle planen nach Lehrabschluss eine Weiterbildung: Eine Lernende kaufmännische Angestellte. (10. Juni 2015)

Fast alle planen nach Lehrabschluss eine Weiterbildung: Eine Lernende kaufmännische Angestellte. (10. Juni 2015) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Neun von zehn jungen Erwachsenen fühlen sich nach Abschluss der KV-Lehre gut auf ihre erste Arbeitsstelle vorbereitet. Das zeigt eine Umfrage bei 3000 KV-Lehrabgängern, die der Kaufmännische Verband Schweiz (KVS) im vergangenen Jahr durchgeführt hat. Vier Monate nach Lehrabschluss haben die meisten eine Stelle gefunden, wie der Verband an einer Medienkonferenz in Zürich mitteilte. Dabei wüssten die Lehrabgänger, was es für den beruflichen Erfolg in der digitalen Arbeitswelt brauche. So hätten 93 Prozent der Befragten nach Lehrabschluss eine Weiterbildung geplant.

Diese hohe Quote stimmt den Präsidenten des KVS, Daniel Jositsch, zuversichtlich. «Den Berufseinsteigern ist klar, dass lebenslanges Lernen ein Grundpfeiler für das berufliche Fortkommen ist», sagte der SP-Ständerat. Die jungen Leute hätten die Idee des lebenslangen Lernens bereits verinnerlicht.

Männer streben nach Karriere

Erstmals hat der KVS die Abgängerinnen und Abgänger nach den Kriterien befragt, die ihnen bei einer neuen Arbeitsstelle wichtig sind. Im Vordergrund stehen für 60 Prozent aller Befragten eine interessante Tätigkeit und ein gutes Arbeitsklima. An dritter und vierter Stelle folgen die Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten sowie ein angemessener Lohn.

Zwischen Männern und Frauen gibt es allerdings Unterschiede. Sind für Männer Karrieremöglichkeiten und ein angemessener Lohn am wichtigsten, steht für Frauen das Kriterium Arbeitsklima deutlicher im Vordergrund.

Die Löhne der Berufseinsteigenden fallen laut KVS insgesamt zufriedenstellend aus. Unmittelbar nach der Lehre herrsche Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern. Allerdings verdiene jede fünfte Person nach der Lehre nicht den vom KVS empfohlenen monatlichen Einstiegslohn von 4000 Franken.

Die erstmalige Erhebung der Löhne der Lernenden zeigt zudem, dass vor allem im dritten Lehrjahr die Löhne unter dem empfohlenen 1480 Franken liegen. Die gesetzlich verlangten mindestens fünf Wochen Ferien für Arbeitnehmende unter 20 Jahren werden in 20 Prozent aller Arbeitsverträge unterlaufen.

Unklare Zukunft

Nach KVS-Präsident Daniel Jositsch zeigt die Befragung aber auch, dass die KV-Lehre nach wie vor bestens auf die Herausforderungen der Arbeitswelt vorbereitet. Die kaufmännische Lehre bleibe mit jährlich über 11'000 Lehrabgängern ein «erfolgreiches Zukunftsmodell».

«Die kaufmännische Lehre ist auch künftig die optimale Basis für Jobs im kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich», ist Jositsch überzeugt. Die Lehre öffne Türen in die unterschiedlichsten Richtungen - auch in einer digitalisierten Arbeitswelt.

Laut Jositsch ist es allerdings schwierig abzuschätzen, wie sich die Digitalisierung auf die unterschiedlichen Job-Profile auswirken wird. «Deshalb», so der KVS-Präsident, «sollten wir von einzelnen Tätigkeitsbereichen und Arbeitsprozessen sprechen, die automatisiert werden, statt von der Wegrationalisierung ganzer Berufsgruppen.» (thu/sda)

(Erstellt: 04.03.2016, 10:21 Uhr)

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