Jetzt erst recht: Die Schweiz wird zur Steueroase

Günstige Gemeinden am Zürich- oder Genfersee können eine neue Migrantengruppe erwarten: reiche Briten. Seit die Regierung höhere Steuern für Besserverdiener plant, kündigen Englands Millionäre den Exodus an.

Steuerlich sehr interessant für die Schweiz: Hugh Osmond, Brite, knapp eine halbe Milliarde Franken schwer.

Steuerlich sehr interessant für die Schweiz: Hugh Osmond, Brite, knapp eine halbe Milliarde Franken schwer.

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Die Londoner «Times» beurteilte das Projekt ganz trocken: «Es ist ein gutes Budget – für die Schweiz». Gemeint war das britische Staatsbudget, das Schatzkanzler Alistair Darling letzte Woche dem Parlament vorlegte. Der Plan sieht für 2010 nicht nur ein Rekorddefizit vor, sondern auch Spitzensteuern. Wer über 150'000 Pfund verdient – also rund eine Viertelmillion Franken -, soll künftig mehr als 50 Prozent an Steuern abliefern. Und auch die Abgaben für Gutverdiener über 100'000 Pfund werden drastisch erhöht.

Seither kündigen Englands Reiche via Medien reihenweise eine Konsequenz an: Wir wandern aus – und zwar am liebsten in die Schweiz.

Dies meldete zum Beispiel Hugh Osmond, Financier, Gründer der grössten Pizzakette im Land, Besitzer der grössten Pub-Kette und 230-millionenfacher Pfundmillionär. «Viele Leute gehen weg», sagte Osmond der «Sunday Times». «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Grossbritannien mein Wohnsitz bleibt. Es ist genauso einfach, woanders zu arbeiten – zum Beispiel in der Schweiz.»

«Ich könnte in die Schweiz oder nach Zypern»

Ähnliches sagte Robert Pfeiffer, Partner des Consulting-Unternehmens Compass Advisers: Er und die anderen Partner der Firma prüften einen Wechsel nach Genf. «Möchten wir den Aufwand des Umzugs? Wohl kaum. Aber es gibt einen Punkt, wo ein Verbleib ökonomisch schwer zu rechtfertigen ist», sagte er der «Times». Und über die Agentur Bloomberg verkündigte Hedge-Fund-Manager Demetris Efstathiou: «Es gibt andere attraktive Länder. Ich könnte in die Schweiz oder nach Zypern. Ich könnte sogar nach Asien. Wenn man in England bleibt, gibt man der Regierung am Ende mehr als man behält.»

Die Regierung von Gordon Brown muss ernsthaft befürchten, dass dies keine Einzelfälle bleiben. Das Centre for Economics and Business Research, ein Londoner Think Tank, gab soeben eine erste Schätzung heraus: Rund 25'000 Steuerzahler der obersten Klasse dürften wegen des neuen Steuerregimes den Wohnsitz wechseln – und ein Hauptziel der Flüchtlinge sei die Schweiz.

«Sie werden diese Pläne jetzt ausführen»

Hier tut sich eine Kehrseite des grossen Steuerstreits auf: Auf der einen Seite machen Wirtschaftsnationen wie Grossbritannien, Deutschland, Frankreich und auch die USA Druck gegen die so genannten Steueroasen; auf der anderen Seite fordern sie mehr Geld von Reichen in ihrem Land. Viele von diesen wiederum sind nun versucht, ihre Steuern völlig legal zu optimieren: per Wohnsitzwechsel.

«Es wird erfolgreiche Unternehmer geben, welche sich nun entschliessen, in die Schweiz oder nach Irland zu ziehen», sagt auch Stanley Fink, ehemaliger CEO des Hedge-Fund-Konglomerats Man. «Ich kenne selber einige Personen, die aktiv Pläne zum Auszug machten, als die Labour-Regierung eine 45-prozentige Spitzensteuer ankündigte. Und sie werden diese Pläne jetzt ausführen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 27.04.2009, 21:42 Uhr

30 KOMMENTARE

Fred Marty

29.04.2009, 15:01 Uhr

Die Milliardäre und Millionäre sollen ruhig kommen, aber bitte ohne Pauschalbesteuerung. Bei normaler Besteuerung ist hier in der CH der Höchststeursatz immer noch meistens nur halb so hoch wie im Ausland.


Dieter Wundrig

28.04.2009, 14:01 Uhr

@ Seiler Bruno-Tourismus fördern und die Schweiz lieben,genügt Ihnen das?Ja wer wird denn da kommen und wo wird man wohnen.Aber wo wird überhaupt die Bevölkerung der Schweiz in der Zukunft wohnen können.Ihnen geht es auch wieder nur um das Geld,wie den Briten.Erst haben sie es in GB ausgenützt,jetzt zieht die Karawane weiter.Die Briten,welche Sie meinen,sind längst ausgestorben.Denn mal viel Spas!


dani kay

28.04.2009, 13:28 Uhr

@SimMerki sie sehen nur eine Seite des Batzen und zwar diejenige von der sie wohl profitieren können. Es gibt auch noch andere Auswirkungen dieser Superreichen. Die wollen nicht mit einfachen Menschen zusammenleben, denn sie gehören zu den Mehrbesseren. Miet- und Lebenskosten steigen rapide, die ärmeren Schweizer werden wohl bald mal gezwungen sein in anderen Ländern wirtschaftsasyl zu beantragen.


fernando simon

28.04.2009, 10:45 Uhr

Da es hier um Spitzenverdiener gehen soll so ab ca. 150.000Pfund frage ich mich wo die hier einen Job bekommen sollen. Unternehmer welche jedoch hier nur wohnen wollen event mit Pauschalbesteuerung sollte man vermeiden, die bringen nur ärger und sehr wenig Steuereinnhamen in unsere Kassen. Desweiteren sollte man langsam daran denken wie gross kann die Schweiz noch werden um lebenswert zu bleiben?


Erik Wille

28.04.2009, 10:22 Uhr

Es ist Sache der Schweiz, zu entscheiden, ob sie ein "Schnösel-Reservat" werden will oder nicht. Man könnte ja auch versuchen, mit eigener Leistung die Einbrüche im BIP, welche wohl unweigerlich kommen werden, wieder aufzufangen.


Joseph Holliger

28.04.2009, 10:08 Uhr

@ Roland Moser: Die dürfen schon kommen, es sollten einfach im Gegenzug diejenigen gehen, die seit Jahren nur die Polizei und Kriminalbehörden beschäftigen, Raserexzesse ausleben und ansonsten mittellos von den Steuergeldern leben (Sozialhilfe etc.)


Roland Moser

28.04.2009, 08:16 Uhr

Die dürfen nicht kommen! Wir haben keinen Platz mehr! Die Schweiz ist mit 7,7 Millionen Einwohnern hoffnungslos überfüllt, trotzdem wird immer noch landwirtschaftliche Nutzfläche zubetoniert. Immer mehr Einwohner und weniger landwirtschaftliche Nutzfläche? Sollen wir wirklich 100 % der Lebensmittel importieren müssen? 6 Millionen Menschen in der Schweiz sind genug. Mehr ist nicht nachhaltig!


Hans Zumstein

28.04.2009, 06:35 Uhr

@Christine Ruckstuhl: Ihr "Stammtisch"-Kommentar zielt völlig daneben! Kennen Sie die 80/20 Regel? Wenn nein sei sie hier kurz erklärt: 20% der Steuerpflichtigen bezahlen 80 % der gesamten Steuereinnahmen. Schauen Sie sich mal den Steuertarif Ihres Wohnkantons und der Bundessteuer einmal genauer an, dann kommen Sie (vielleicht) zu besseren Erkenntnissen!


Dani Gfeller

28.04.2009, 00:44 Uhr

Anstatt auf die schwarze Liste zu kommen findet sich die Schweiz jetzt plötzlich auf der goldigen Liste der Superreichen wieder.


seiler bruno

27.04.2009, 23:48 Uhr

die englaender sind herzlich willkommen!!! sie haben den tourismus in der schweiz gefoerdert und werden sich auch anpassen, da sie die schweiz lieben!!! nun sieht man was ein vernuenftiges steuersystem bringt!!!! sehen sie sich mal die mehrwertsteuer an in den umliegenden staaten!!! im restaurant gehen bis 25-prozent an den staat!!!! und das soll alles noch normal sein?????da wundert sich einer?


reto lippold

27.04.2009, 22:28 Uhr

Nun sieht man, wie unsinnig diese Diskussionen um Bankgeheimnis, Steuerhinterziehung und Steueroasen eigentlich sind. Man kann, ja muss einfach ehrlich bleiben, dann hat man auch keine Probleme. Denn in der Schweiz kann man sich darauf verlassen, weltweit wohl das beste politische und gesellschaftliche System zu haben. Und das setzt sich durch, gerade auch bei den sog. Reichen....


Thomas Bieri

27.04.2009, 21:23 Uhr

Die britischen Millionäre sollen alle kommen. Die Steuermillionen (wenn auch nur pauschalbesteuert) sind mehr als willkommen. Mit hochbezahlten Spezialisten wird auch Know-how transferiert, was auch wieder zu neuen Stellen führen kann. Sollen doch die G20-Länder in die Röhre gucken. Die Fiskalpolitik in diesen Ländern funktioniert nicht und wird auch nie funktionieren (Bankgeheimnis hin oder her)


Nadine Binsberger

27.04.2009, 21:15 Uhr

@bachmann (19:40), @Merki(18:44): Leuchtet ein. Darum haben wohl nun alle Sparer, Anleger und Steuerzahler zu bluten: damit die Reichen wieder was zum verteilen haben... Im Ernst: was Sie beschreiben, ist der Mythos Trickle-Down-Effekt. In Realität existiert nur der Trickle-Up-Effekt: d.h. unten wird geschuftet und oben abgesahnt. Siehe auch nur schon die aktuellen wirtschaftlichen Ereignisse.


Werner Reinhart

27.04.2009, 21:12 Uhr

Herzlich willkommen, ihr Mehrfachmillionäre. Die Einwände wegen Steuergeschenken oder mangelnder Intergration sind lächerlich, durch Neid motiviert. Oder glaubt jemand im Ernst, dass mittellose Leute, z.B. aus Afrika oder dem Balkan, sich besser integrieren als Vermögende? Solange jeder Millionär mindestens so viel bezahlt wie ein Schweizer Spitzenverdiener, gibts nichts zu beanstanden.


Fritz Schaer

27.04.2009, 21:11 Uhr

Na also: Die erwartete Wanderungsbewegung setzt ein. Nun sollten wir nur richtig darauf reagieren und nicht Neid und Missgunst als Wegweiser wählen. Diese Leute bringen häufig nicht nur Geld sondern auch ein hohes Interesse an kulturellen Anlässen (Einnahmen für Theater etc), guten Restaurants (mehr Spitzenköche) und konsumieren viele Dienstleistungen (Arbeit auch für weniger Reiche). Auf die Tür!


Erich Bächler

27.04.2009, 20:54 Uhr

@ Sim Merki: Sie sollten die Sache zu Ende denken! In der Agglo ZH werden ganze Siedlungen abgerissen, langjährige Mieter werden rausgeschmissen und Luxuswohnungen für mehrere Millionen für genau diese Klientel erstellt. Für Ärmere und den Mittelstand ist die Ansiedlung von Steuerflüchtlingen längst zu einem Verlustgeschäft geworden. Da nützen die paar Fränkli weniger Steuern auch nichts mehr!


Rene Wetter

27.04.2009, 20:30 Uhr

Freut Euch nicht zu früh, diese Pauschalbesteuerten schaffen keine oder wenig neue Arbeitsplätze. Fragt mal in der Wohngemeinde des reichsten "Schweizers" Ingvar Kampgard nach, der knausert und trägt möglichst wenig zum Gemeinwesen bei. Und diese leute jagen die Immoblienpreise hoch und damit dann auch unsere Mieten. Die sollen die Steuern bezahlen wie die Normalsterbilichen keine Pauschalsteuer!


christophe bachmann

27.04.2009, 19:40 Uhr

Sim Merki hat vollkommen recht. Diese Menschen machen uns normalerweise keinen Aerger und praktisch keinen Aufwand. Und die Anwort des CH war früher immer: "...lassen wir das Geld bei den Reichen, sie gehen besser damit um als unsere Regierung..". Ein schlanker Staatsapparat ist eine gute Voraussetzung für Wohlstand. Also seid nicht neidisch und wacht wieder auf CH-Volk!


Henri Lapin

27.04.2009, 19:33 Uhr

sollen sie kommen, aber ohne Pauschalbesteuerung, denn die ist uns Schweizern gegenüber ungerecht.


Christine Ruckstuhl

27.04.2009, 18:58 Uhr

Es ist eine bodenlose Frechheit, dass Spitzenverdiener prozentual gesehen viel weniger bis keine Steuern als normal Verdienende abliefern müssen. Statt hier Steuergeschenke im grossen Stil zu gewähren, fänd ich es viel gerechter,, vernünftiger, endlich all jene Menschen, welche auf dem Existenzminimum leben von der Steuer zu befreien - eidgenössisch.


Sim Merki

27.04.2009, 18:44 Uhr

Jeder "Reiche" braucht: * Lebensmittel, Putzfrau, Steuerberater, Treuhänder, Banker, Privat-Schule, Catering-Service, Brandschutzanlage, Sanitär, Gärtner, Schiff, Golf-Klub, Garage, Ferien-Haus, Kleider, Aerzte, Lind-Schoggi, Freunde!!!, Fester, Bälle, Weine, etc. etc. Wir alle profitieren auch bei 0.0.- Steuern: Neue Jobs, Neue Kunden, Neue Gönner, Neue Netzwerke, Neue Ansprüche, Neues Geld,


Volker Seer

27.04.2009, 18:26 Uhr

Na klasse nun wird das Leben hier noch teurer und die Normalverdiener müssen wohl bald ausziehen


walter oderbolz

27.04.2009, 18:18 Uhr

Ups, jetzt geht wohl der "schwarze" (Liste) Schuss hinten raus. Dies musste ja so kommen. So wird die Schweiz offenbar einmal nicht für politische Asyle gesucht; sondern für finanzielle. Die Baubranche wird's freuen. Einziger Nachteil denn wir nun in Griff bekommen müssen, ist, dass unsere Landschaft nicht noch mehr an idyllischen Plätzchen überbaut wird.


Albert Jaussi

27.04.2009, 18:17 Uhr

@beat müller: eine gute Frage. Diese Leute integrieren sich kaum und partizipieren nicht an gemeinschatlichen Aufgaben z.B. auf Gemeindeebene. Deswegen sollten sie grundsätzlich die gleichen Steuern wie die Schweizer zahlen. Das ist die erste Integrationsmassnahme!


Sibylle Weiss

27.04.2009, 17:58 Uhr

Wenn die Reichen jetzt in die CH kommen und mit 0-Steuern beschenkt werden,kann die CH ruhig eine Steueroase bleiben und das Bankgeheimnis gleich dazu.Zuerst ein riesen Wirbelsturm un am Schluss leben hier die Reichen zum Nulltarif,somit würde nicht mal die Wirtschaft gestützt.


Albert Jaussi

27.04.2009, 17:57 Uhr

OK, aber bitte keine Pauschalbesteuerung oder zumindest, falls die Bedingungen erfüllt sind, eine massiv Höhere, Der Staat soll direkt etwas davon haben, und nicht nur indirekt über die Ausgaben dieser Leute. Es gibt eine genügende Marge bevor sie nach Zypern oder Asien ziehen. Let's make a business out of it, aber unter vernünftige Bewahrung der Steuergerechtigkeit in der Schweiz.


fritz meierhans

27.04.2009, 17:48 Uhr

@H. Müller: Wieso ist das schäbig? Auf der einen Seite streicht man die Globalisierung immer heraus, wenn es um den eigenen Profit geht - auch der kleine Konsument. Auf der anderen Seite jammert man über die Globalisierung, wenn es gegen den eingenen Profit geht. Wieso darf ich mein Vermögen nicht dort anlegen, wo es am meisten seinen Wert beibehält, während das bei d. Produktion gang und gäbe ist


beat müller

27.04.2009, 17:46 Uhr

ist das wirklich ok ? wie integrieren sich diese Reichen in unsere Gesellschaft, wenn sie ihren Wohnsitz nach Steuerprozent festlegen ?


Heinrich Müller

27.04.2009, 17:32 Uhr

Dass reiche Ausländer in die Schweiz zügeln, weil sie hier weniger Steuern bezahlen müssen, ist völlig ok. Dagegen hat auch im Ausland niemand etwas. Schäbig wäre es dagegen, wenn sie nur ihr Geld in die Schweiz transferieren würden, um zu Haue bleiben zu können und dort Steuern zahlen zu müssen. Dem muss ein Riegel geschoben werden.


Hans Zumstein

27.04.2009, 17:30 Uhr

Wie war doch das noch mal vor ein paar Jahrzehnten im Baselbiet? Da wurde auch eine "Reichensteuer" -eher als "Neidersteuer" zu bezeichnen- eingeführt. Diese hatte nicht lange Bestand da die besten Steuerzahler fast unisono weggezogen sind. Dasselbe passiert in den Steuerwüsten: Die Vermögenden und Besserverdienenden ziehen aus. Und was bleibt? In die Röhre guckende und polternde Finanzminister ..



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