Jetzt spielt die CS ihre China-Beziehungen voll aus

Es wird ein gigantischer Börsengang, derjenige von Alibaba. Und mittendrin spielt die Credit Suisse eine bedeutende Rolle.

Der Gang nach New York: Jack Ma, Gründer und Boss von Alibaba, machte sich gestern mit Mitstreitern auf zur Roadshow an der Wallstreet. (8. September 2014)

Der Gang nach New York: Jack Ma, Gründer und Boss von Alibaba, machte sich gestern mit Mitstreitern auf zur Roadshow an der Wallstreet. (8. September 2014) Bild: Reuters

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Der Showdown zum Börsengang von Alibaba begann gestern mit den ersten Investorentreffen in New York – und mit Brady Dougan. Der Credit-Suisse-Chef präsentierte einer Runde von potenziellen Aktionären das Management des chinesischen Internetkonzerns und rückte damit auch die Schweizer Bank ins Scheinwerferlicht. Die Credit Suisse war mehrmals schon an Finanzierungsrunden von Alibaba beteiligt. Das prestigereiche Mandat beim Börsengang ist der Lohn dafür. Der UBS hingegen bleibt gleiches versagt.

Die entscheidende Rolle spielt allerdings nicht Brady Dougan, sondern der 36jährige Imran Khan, Chef des globalen Internetinvestments der Credit Suisse. Der gebürtige Bangladeshi kennt Joe Tsai, die rechte Hand von Alibaba-Gründer Jack Ma, seit 2006 persönlich. Er wusste diesen Umstand sowie sein dichtes Beziehungsnetz in Asien bereits in mehrere Deals umzusetzen, auch mit Alibaba. So war die Credit Suisse 2012 massgeblich am Rückkauf eines Alibaba-Pakets im Wert von 7,6 Milliarden Dollar durch Yahoo beteiligt. In der Folge stellte sie mehrere Finanzierungsrunden für Jack Ma zusammen. Zusammen mit Morgan Stanley ist die Credit Suisse nun für den Börsenprospekt von Alibaba verantwortlich sowie für die Überwachung der Sperrfrist für verkaufswillige Altaktionäre.

Comeback im Internetmarkt

Dank Imran Khan hat keine andere Bank seit 2013 mehr Börsengänge von chinesischen Firmen in den USA organisiert als die Credit Suisse. Er war 2011 von der US-Grossbank J. P. Morgan abgeworben worden und setzte sich das Ziel, die CS im Asiengeschäft an die erste Stelle zu rücken. Mehrmals organisierte Khan Investorenreisen nach China, unter anderem zu Alibaba, Sohu und Baidu. Dagegen hatte die Bank grosse Börsengänge in den USA verpasst, so diejenigen von Facebook und Twitter. Mit Alibaba gelingt ihr ein Comeback, nachdem sie ihre Spitzenposition der 90er-Jahren bei den Börsengängen im Silicon Valley eingebüsst hatte.

Die Bank hatte sich seit langem auf das Alibaba-IPO vorbereitet und dafür auch andere Deals fallengelassen. 2013 etwa stieg sie beim Übernahmeversuch des US-Telecomkonzerns Sprint Nextel durch den Satellitenverteiler Dish aus, um die japanische Softbank nicht zu verärgern. Die Softbank ist die grösste Aktionärin von Alibaba und wollte Sprint Nextel ebenfalls übernehmen. Sie warnte dem Vernehmen nach alle Banken, sich beim Dish-Sprint-Deal herauszuhalten, wollten sie nicht aus dem Alibaba-PIO ausgeschlossen werden.

Antraben im Morgengrauen

Neben der Credit Suisse und Morgan Stanley gehören Goldman Sachs, J. P. Morgan, die Citigroup und die Deutsche Bank zum Emissionssyndikat. Sie teilen sich Ausgabekommissionen von mehr als 200 Millionen Dollar. Die UBS dagegen ist nicht Teil des Alibaba-Konsortiums, weil sie dieses Frühjahr den Börsengang der chinesischen Internetplattform JD.com mitgetragen hatte. JD.com ist strategisch mit Tencent verbunden, einem Hauptkonkurrenten von Alibaba. Der Börsengang von JD.com war ein Erfolg: Die Aktien notieren derzeit um 50 Prozent über dem Ausgabepreis.

Die Roadshow führt das Alibaba-Management diese Woche von New York nach Boston, Baltimore, Denver und San Francisco, bevor die Anleger nächste Woche in Hongkong, Singapur, London und erneut in New York zum Kauf animiert werden. Als Erstes schickten die sechs Banken des Konsortiums gestern früh um 6 Uhr rund 300 Verkäufer zu einem Treffen mit Joe Tsai, dem Vertrauten und Geschäftspartner von Jack Ma. Tsai präsentierte ihnen das Marketingmaterial und sollte dafür sorgen, die Banker auf eine gemeinsame Linie zu bringen. Ein exklusives Publikum von Investoren, darunter Black Rock und Oppenheimer, traf am Mittag zur Präsentation des Unternehmens im Nobelhotel Waldorf Astoria ein, wo Brady Dougan das Management des Konzerns vorstellte.

Jack Mas umstrittene «Freunde»

Das Ziel ist, Käufer von Aktienblocks von einer Milliarde Dollar und mehr zu finden. Zudem versucht Alibaba offenbar auch, sich von Facebook abzugrenzen. Statt auf ein 30 Minuten langes Video wie beim verunglückten Börsengang des Social-Media-Giganten setzte Jack Ma auf eine längere Frage-und-Antwort-Runde. Umstritten ist unter anderem das Privileg einer Runde von 28 «Freunden» rund um Jack Ma. Sie beharren darauf, die Mehrheit des Verwaltungsrats zu besetzen, obwohl sie nur eine Minderheit des Kapitals kontrollieren. Zu reden gibt auch die Tatsache, dass Alibaba den hoch profitablen Onlinebezahldienst Alipay vom IPO ausklammern will.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 09.09.2014, 03:01 Uhr)

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Der wahre Grund des Börsengangs

Alibaba-Gründer Jack Ma wollte sein Unternehmen zunächst in Hongkong an die Börse bringen, entschied sich aber aus drei Gründen für den Finanzplatz New York: Erstens erzielt der US-Markt höhere Umsätze und somit eine regen Handel mit Alibaba-Aktien. Zweitens unterhält Ma enge Beziehungen zu mehreren Wallstreet-Banken, die seine Expansion finanzieren halfen. Entscheidender aber ist, dass die Zulassung der Alibaba-Aktien in New York weniger rigorosen Vorschriften untersteht als in Hongkong. Chinesische Gesetze verbieten an sich, dass Ausländer eine Mehrheit an strategisch wichtigen Firmen erwerben können. Diese Hürde kann in New York mit einer speziellen Form von Anteilscheinen umschifft werden.

Zu diesem Zweck gründete Ma auf den Cayman Islands die Alibaba Group Holding. Sie ist lediglich eine Beteiligungsgesellschaft und schüttet den Aktionären Gewinnanteile aus, ohne sie aber wirtschaftlich am Konzern zu beteiligen. Diese American Depositary Shares (ASD) ähneln den Partizipationsscheinen in der Schweiz. In New York werden sie unter dem Kürzel Baba gehandelt. (wn)

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