Deutscher Multimillionär hängt im Netz der Steuerfahnder
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Gestohlene Bankdaten in Deutschland
- Erste Razzien wegen Schweizer Steuer-CD
- Bald 10'000 Selbstanzeigen von Steuersündern
- Eine Weissgeld-Strategie von Privatbankiers
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Tamedia-VR-Präsident nimmt Stellung
In dem entsprechenden Artikel der «Financial Times Deutschland» wurde auch Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino erwähnt. Er nimmt dazu wie folgt Stellung:
«Als junger Anwalt arbeitete ich von 1996 bis 1998 als persönlicher Mitarbeiter und Assistent des Gründungspartners Dr. Thomas Bär bei Bär & Karrer Rechtsanwälte in Zürich. Nach den jüngsten Medienberichten um die Errichtung eines Trusts auf den Cayman Islands hat Bär & Karrer AG am Freitag schriftlich bestätigt, dass ich als angestellter Rechtsanwalt auf Anweisung und unter Aufsicht der Kanzlei tätig gewesen bin. Dabei lagen Kundenkontakt und die Kundenverantwortung bei Dr. Thomas Bär, der auch Verwaltungsratspräsident der Bank Julius Bär war. Im übrigen kenne ich die Hintergründe dieses Falles nicht - Bär & Karrer gestattet mir unter Berufung auf das Anwaltsgeheimnis keinen Einblick, hat aber früher versichert, dass alles korrekt sei. Aus diesen Gründen wäre es nicht sachgerecht, mir in diesem Zusammenhang ein bedeutsame Rolle zuzuschreiben.»
Für Robert Schuler-Voith hat die CD mit Steuerdaten, die derzeit unter Deutschlands Steuerflüchtlingen für riesigen Stress sorgt, keine Bedeutung mehr. Die Fahnder unter Führung der Düsseldorfer Steuerbehörden waren bereits letzten Dezember vor seiner Villa in München vorgefahren und hatten belastendes Material sichergestellt. Kleiner Trost für Schuler-Voith: Die Razzia fand, anders als ein Jahr zuvor beim deutschen Post-Chef Klaus Zumwinkel, ohne surrende Kameras und Blitzlichtgewitter statt. Doch mit der Diskretion ist es seit gestern vorbei: Die «Financial Times Deutschland» (FTD) zerrte die Story ins mediale Rampenlicht. «Steuerrazzia bei Multimillionär», titelte das Blatt, auf dem Bild das strahlend lächelnde Ehepaar Birgit und Robert Schuler-Voith, aufgenommen an einer Party.
Die Familie Schuler-Voith ist sehr vermögend, zum Silber gehören unter anderem die Maschinenfabrik Schuler und ein Mehrheitsanteil am Haushaltswarenhersteller Leifheit (Spirella, Dr. Oetker-Backgeräte, Soehnle-Waagen).
Ex-Bär-Angestellter packt aus
Die Düsseldorfer Steuerfahnder werfen Schuler-Voith vor, er habe mithilfe der Zürcher Anwaltskanzlei Bär & Karrer sowie der Bank Julius Bär ab 1998 Millionen über einen Trust namens Moonstone vor dem deutschen Fiskus versteckt. Die Details dazu hat den Fahndern der Schweizer Rudolf Elmer geliefert, der in der fraglichen Zeit bei der Julius Baer Bank & Trust Company (JBTC) angestellt war, einer Bank-Bär-Gesellschaft auf den Cayman Islands. Elmer wurde 2002 entlassen und führt seither einen Kreuzzug gegen seinen früheren Arbeitgeber sowie dessen auf Diskretion pochende Kundschaft, indem er Steuerfahndern und Medienschaffenden in Europa und anderswo mit Daten und Auskünften zur Verfügung steht.
So kam es denn auch, dass die Zürcher Wochenzeitung WOZ bereits im Mai 2008 den Fall Moonstone Trust im Detail thematisierte - ohne indessen Kenntnis von der Identität des «diskretionsbedürftigen Kunden Robert Schuler» zu haben. Diese Verbindung zu Robert Schuler-Voith glauben nun die Steuerermittler erbracht zu haben. Das ist nicht nur für den enttarnten Multimillionär ein Problem, der sich in Deutschland in Schweigen hüllt. Es bestehe der Verdacht, so die FTD, dass Julius Bär bei der Gründung des Trusts nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen über ihren Kunden eingeholt habe. Die deutschen Fahnder, so das Blatt weiter, «hätten damit erstmals etwas gegen eine Schweizer Bank in der Hand». Die Bank könnte sich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig gemacht haben.
Bär & Karrer hatte die Gründung des Moonstone Trust 1998 über die Bank-Bär-Gesellschaft auf den Cayman Islands veranlasst. Als Trust-Gründer trat nicht der Kunde auf, sondern ein «Gründer-Vertreter», bei dem es sich um einen Anwalt von Bär & Karrer handelte. In den Folgemonaten sollen Angestellte auf den Cayman Islands mehrmals darauf gepocht haben, dass man ihnen einen Ausweis des Gründers und Angaben über die Herkunft des Geldes liefere. Sie hätten einzig einen Brief von Kanzlei-Teilhaber Thomas Bär gehabt, der damals zugleich Präsident der Julius-Bär-Holding gewesen war und der bestätigte, den Kunden zu kennen. Seit dem 1. April 1998 galt in der Schweiz das neue Geldwäschereigesetz, das die Finanzbranche verpflichtete, solche Einkünfte einzuholen. Die Bank beruft sich auf das Bankgeheimnis, und die Anwaltskanzlei verweist auf das Anwaltsgeheimnis - beide schweigen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.02.2010, 09:21 Uhr
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