Julius Bär muss mehr als eine halbe Milliarde Dollar zahlen

Im US-Steuerstreit steht die Privatbank kurz vor einer abschliessenden Einigung. Die Strafzahlung dürfte sich fast auf einen ganzen Jahresgewinn belaufen.

Die Anleger reagieren erleichtert auf den US-Deal: Geschäftsgebäude der Bank Julius Bär in Zürich. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

Die Anleger reagieren erleichtert auf den US-Deal: Geschäftsgebäude der Bank Julius Bär in Zürich. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

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Die Zürcher Bank Julius Bär kommt bei der Vergangenheitsbewältigung vorwärts. Seit gestern ist klar, wie hoch die Busse im US-Steuerstreit gegen die Bank ausfallen dürfte. Zumindest die Anleger reagierten erleichtert. Die Bär-Aktie legte nach Bekanntgabe eines provisorischen Deals mit der amerikanischen Justiz von knapp 550 Millionen Dollar um 4 Prozent zu. Dennoch fällt die Strafzahlung deutlich höher aus, als wenn man sie mit den Reserven vergleicht, welche die Bank im Juni gebildet hat. Damals stellte Julius Bär 350 Millionen Dollar zurück und betonte, dass sie auf einen raschen Abschluss dieser «bedauerlichen» Altlast hinarbeite.

Beachtlich ist die Summe, wenn sie ins Verhältnis zur Gewinnkraft des Unternehmens gestellt wird. Auf der Basis von 2014 dürfte Julius Bär den Amerikanern fast einen ganzen Jahresgewinn für ihr Fehlverhalten im Zusammenhang mit der Annahme von Schwarzgeldern abliefern. Ob die Bank ebenso wie die Credit Suisse strafrechtlich verurteilt wird, wollte ein Sprecher nicht sagen.

Bislang musste die CS mit 2,6 Milliarden Dollar im Mai 2014 die höchste Strafzahlung leisten. Die UBS kam im Rückblick gesehen angesichts ihrer Grösse glimpflich davon. Im Jahr 2009 bezahlte die Grossbank 780 Millionen Dollar.

Der Grund für die hohe Busse für ­Julius Bär, die nach der Einigung mit der zuständigen New Yorker Behörde noch vom amerikanischen Justizdepartement abgesegnet werden muss, liegt einerseits in der Höhe der verwalteten US-Schwarzgelder, andererseits im Verhalten ihrer Banker und Manager in der Zeit von 2008. Damals suchten vermögende US-Kunden mit nicht deklarierten Geldern verzweifelt eine neue Bank. Sie mussten sich ein neues Geldinstitut suchen, nachdem die UBS bekannt gemacht hatte, dass sie in den USA in einem Steuerstrafverfahren rund um nicht deklarierte US-Vermögen steckte.

Viele sichtbare Spuren

Der Zeitpunkt ist deshalb wichtig, weil spätestens ab Frühling 2008 klar wurde, dass die USA mit der Verfolgung von Schwarzgeldsündern und deren Helfern innerhalb der Bankenwelt ernst machen würden. Entsprechend ist auch der Bussentarif gestaffelt für jene Banken, die nicht wie die Julius Bär ein Strafverfahren am Hals haben, sondern sich im Rahmen eines Gesamtprogramms für schuldig erklären.

Trotz des Wissens um die Problematik nahm Julius Bär 2008 neue US-Kunden mit nicht deklarierten Geldern bei sich auf. Sie tat dies allerdings weniger aggressiv als etwa die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und die später untergegangene Bank Wegelin. Die Banken boten externen Vermögensverwaltern, die US-Schwarzgeldkunden vermittelten, sogenannte Finder Fees. Als ab 2009 die abrupte Umkehr von dieser Praxis erfolgte und viele US-Kunden von den Banken hinauskomplimentiert wurden, waren bereits zu viele Spuren sichtbar. Die USA klagten ab 2011 mehrere Schweizer Vermögensberater mit Amerika-Kunden an und schrieben diese international zur Verhaftung aus, darunter zwei der Julius Bär und drei der ZKB.

Mit der Strafe gegen Julius Bär steigt der Gesamtbetrag, den Schweizer Banken im US-Steuerstreit überweisen müssen, auf über 6 Milliarden Dollar. Allerdings fehlen einige grössere Häuser wie die ZKB, die Genfer Privatbank Pictet und der Schweizer Ableger der britischen Grossbank HSBC. Diese und weitere Institute befinden sich im US-Steuerstreit in der Gruppe 1. Dies sind jene Banken, gegen die ein Strafverfahren läuft. Insgesamt könnte die Summe auf 8 Milliarden Dollar oder mehr steigen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 30.12.2015, 20:36 Uhr)

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