Wirtschaft
KPT-Präsident wäscht die Hände in Unschuld
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 05.07.2010 12 Kommentare
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Walter Bosch: Künftiger Sanitas/KPT-Präsident (Bild: Keystone )
Walter Bosch, Präsident der zweitgrössten Berner Krankenkasse KPT räumt ein, dass man das umstrittene Aktienmitarbeiterprogramm als «Abzocke sehen kann». Er sagt dies in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Bosch wäscht allerdings die Hände in Unschuld. Er macht geltend, das Mitarbeiteraktienprogramm sei bereits im Jahr 2006 – also vor seiner Zeit als Verwaltungsratspräsident – lanciert worden. Bosch beteuert: «Ich habe bei diesem Aktienprogramm nicht mitgewirkt.»
Der Präsident hängt mit
So einfach kann Bosch die Verantwortung aber nicht auf seine Vorgänger abschieben. Die Mitarbeiteraktienaktion lief bis im Februar dieses Jahres. Bosch sitzt seit 2006 im Verwaltungsrat der KPT. Im Mai 2009 wurde er Verwaltungsratspräsident. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte er die Aktion stoppen können.
Das Mitarbeiteraktienprogramm steht seit einer Woche in der öffentlichen Kritik. Der «SonntagsBlick» hatte aufgedeckt, dass die KPT Aktien einer Tochtergesellschaft im Rahmen einer internen Aktion zu einem Schleuderpreis verkauft hat: an Mitarbeiter, Delegierte und Manager. Wobei Manager und Verwaltungsräte viel mehr Aktien kaufen durften als die gewöhnlichen Mitarbeiter.
Weil die KPT jetzt mit der Krankenkasse Sanitas fusioniert, können nun alle ihre Aktien für 600 Franken – also zum 15-fachen Preis – an die KPT zurückverkaufen. Die Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder verdienen dabei zum Teil mehr als eine Million Franken. Dass die Aktien heute tatsächlich 600 Franken wert sind, ist unbestritten. Ebenso unbestritten ist mittlerweile aber auch, dass der Preis, zu welchem die Aktien einst intern verteilt wurden, um ein Vielfaches zu tief lag. Selbst Bosch räumt nun ein, dass die Aktien vor vier Jahren statt 40 eigentlich 300 bis 400 Franken wert waren.
Im Klartext heisst dies: Bosch gibt im Namen der KPT zu, dass die Kasse damals Aktien zu einem Zehntel des eigentlichen Wertes an Mitarbeiter, Delegierte, aber vor allem an ihre Manager verteilt hat. Es geht insgesamt um 54 Millionen Franken.
Prämiengelder
Laut Bosch bleibt der KPT jetzt gar nichts anderes übrig, als die Aktien für 600 Franken zurückzukaufen, weil sie gemäss der Bewertung einer unabhängigen Investmentbank heute tatsächlich so viel Wert haben. Würde die KPT weniger zahlen, drohten laut Bosch Klagen von Aktienbesitzern.
Rechtlich unproblematisch findet Bosch, dass die Aktien unter dem eigentlichen Wert KPT-intern verkauft wurden. Bezüglich dem damaligen Aktienverkauf sagt Walter Bosch: «Wir sind eine private Firma und können jeden Aktienwert festlegen, den wir wollen, solange dieser betriebswirtschaftlich begründbar ist.»
KPT-Präsident Bosch beteuert auch, dass mit dem umstrittenen betriebsinternen Aktiengeschäft nicht Prämiengelder der obligatorischen Krankenversicherung an Manager verschenkt worden seien. Seine Begründung: Betroffen sind nur Aktien der KPT-Tochterfirma KPT Versicherungen AG. Sie geschäftet nur mit Zusatzversicherungen. Zumindest auf dem Papier ist diese Tochtergesellschaft klar abgetrennt von jener KPT-Tochtergesellschaft, welche den obligatorischen Teil der Krankenversicherten abdeckt.
Getarnte Gewinne
Der Grund, weshalb lange niemand gemerkt hat, dass die Aktien zu einem viel zu tiefen Preis verkauft wurden: Erstens werden die Aktien nicht an der Börse gehandelt und haben deshalb keinen Handelskurswert. Zweitens hat die KPT Versicherungen offenbar einen grossen Teil der Gewinne in den Jahresberichten nicht ausgewiesen, sondern als stille Reserven «versteckt». Das notabene ist ein Hinweis darauf, dass die KPT mit ihren Zusatzversicherungen tatsächlich deutlich lukrativere Gewinne machte, als bis jetzt vermutet.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 05.07.2010, 08:16 Uhr
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