Wirtschaft
Kapitaler Vertrauensverlust: UBS verliert 23 Milliarden Kundengelder
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Die Zahl der Arbeitsplätze sinke damit bis Ende 2010 auf 67'500. Ende März beschäftigte die UBS noch 76'200 Mitarbeitende. Damit strich die Bank bereits mehr Stellen als geplant. Noch unter Ex-Chef Marcel Rohner hatte sie beschlossen, die Zahl der Beschäftigten bis Ende 2009 auf 76'500 verglichen mit 81'557 Ende 2007 zu senken.
Auf dem Heimmarkt Schweiz sollen nun weitere 2500 Stellen wegfallen, wie die UBS am Mittwoch vor Beginn der Generalversammlung in Zürich ankündigte. Dabei komme es voraussichtlich zu 1200 bis 1500 Entlassungen, erklärt Grübel gemäss dem vorab erhältlichen Redetext.
Die Grossbank nutze die natürliche Fluktuation. Es bestehe ein Sozialplan. UBS-Sprecher Christoph Meier betonte auf Anfrage, die UBS habe zuerst bei den Sachkosten gespart und Budgetkürzungen vorgenommen. Auch würden Lohnnebenleistungen gestrichen, die über dem Branchendurchschnitt liegen. Dies betreffe vor allem die Direktionskader.
Bis Ende 2010 will die UBS Einsparungen von 3,5 bis 4 Milliarden Franken erzielen. Denn die Ergebnisse seien nach wie vor unbefriedigend, wird Grübel zitiert. Die Krise sei noch nicht überwunden. Die verwalteten Vermögen hätten stark abgenommen, die Margen sänken, und die gesamte Finanzindustrie schrumpfe.
Zürcher Regierungsrat besorgt über Stellenabbau
Der Zürcher Regierungsrat drückt allen vom Stellenabbau bei der UBS Betroffenen sein Bedauern aus. Er erwartet, dass die Restrukturierungsmassnahme sozial verträglich ausgestaltet wird, wie er am Mittwoch mitteilte.
Er hofft, dass die Massnahme die Bank stabilisiere und damit den Finanzplatz Zürich stärke. Der Kanton werde den Betroffenen im Rahmen seiner Möglichkeiten rasch Unterstützung anbieten, heisst es weiter.
Der Regierungsrat bedauere die von der UBS getroffenen Massnahmen. Er sei aber froh, dass die Bank den Ausbildungsbereich nicht mit neuen Kostenzielen straffe und die Lehrstellen nicht kürze.
Der Regierungsrat erwartet, dass die UBS beim angekündigten Stellenabbau neben natürlicher Fluktuation, Frühpensionierungen sowie Outplacement-Angeboten auch die notwendigen Entlassungen sozialverträglich durchführt und mit Rücksicht auf die Zürcher Arbeitsmarktsituation vornimmt.
Der Regierungsrat verlangt von der Bank auch, dass sie nach ihrer Gesundung «die ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung entsprechende Verantwortung für den Standortkanton Zürich übernimmt und weiterhin ihren wichtigen Beitrag zu einem prosperierenden Geschäftsplatz Zürich leistet».
Hoher Preis für Managerfehler
Der Angestelltenverband KV Schweiz bedauert den Stellenabbau. Das Personal bezahle «einen hohen und bitteren Preis für die Fehler der früheren Konzernspitze». Immerhin versuche die UBS, «den Abbau-Schock» abzufedern, etwa über Pensenreduktionen, Job-Sharing und unbezahlte Ferien.
Die Arbeitnehmerorganisation appelliert zudem an die Bank, in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren. Im Vergleich zu den bisherigen Abschreibern wegen fauler Kredite in den USA seien die Kosten dafür bescheiden.
In der Tat kam es auch im ersten Quartal zu weiteren Abschreibern: Für Verluste von 3,9 Milliarden Franken sorgten illiquide Risikopositionen, Rückstellungen für Kreditrisiken sowie Preisanpassungen auf den letzten Positionen, die an die Schweizerische Nationalbank (SNB) abgegeben werden konnten.
Weiterer Geldabfluss
Unter dem Strich musste die UBS auch erneut einen Geldabfluss verkraften. Im Segment der weltweiten Vermögensverwaltung (Wealth Management & Swiss Banking) belief sich der Netto-Geldabfluss auf rund 23 Milliarden Franken.
Insbesondere nachdem bekannt wurde, dass die UBS rund 250 Kundendaten an die US-Behörden wegen Verdachts auf Steuerbetrugs übermitteln musste, sei es zu Abflüssen gekommen. Die amerikanische Vermögensverwaltung (Wealth Management Amercias) verzeichnete dagegen Netto-Neugeldzuflüsse von rund 16 Milliarden Franken.
Die Kernkapitalquote der UBS beträgt noch ungefähr 10 Prozent. Die neue Führung wisse, wo sie ansetzen müsse, erklärt Grübel. «Der Weg zurück zum Erfolg wird lang sein, und wir dürfen keine kurzfristigen Befreiungsschläge erwarten, sondern werden Schritt um Schritt konsequent und diszipliniert vorwärts gehen.»
Die UBS werde sich aus «risikoreichen und aus wenig Erfolg versprechenden Geschäftsfeldern» zurückziehen und sich verkleinern. Auch in Zukunft werde die UBS aber eine globale Bank sein, die als Kerngeschäft die internationale Vermögensverwaltung und auch das Schweizer Geschäft betreibt und dort eine führende Position einnehmen wolle.
Dazu brauche die UBS professionelle Dienstleistungen im Investmentbanking und in der institutionellen Vermögensverwaltung (Asset Management). Analysten spekulieren immer wieder, die UBS könnte sich von diesen Bereichen trennen.
Gemäss Finma erfüllt die UBS die Eigenmittelanforderungen
Trotz des neuerlichen Milliarden-Verlusts im ersten Quartal 2009 erfüllt die UBS die Eigenmittelanforderungen, wie der Sprecher der Finanzmarktaufsicht (Finma), Alain Bichsel, auf Anfrage erklärte. Weiter wollte die Aufsichtsbehörden den Geschäftsgang der UBS nicht kommentieren. Die Finma nehme die Angaben, die die Grossbank am Mittwoch anlässlich ihrer Generalversammlung machte, zur Kenntnis und beobachte, sagte Bichsel.
Das Eidg. Finanzdepartement (EFD) bezeichnete den Abbau von 2500 Arbeitsplätzen in der Schweiz als «schmerzhaft». Der Schritt sei aber im Hinblick auf die Gesundung der UBS notwendig, sagte EFD- Sprecherin Delphine Jaccard. Es sei unumgänglich, dass die UBS ihre Kosten im Griff habe.
Villiger will Vertrauen zurückholen
Für den designierten Präsidenten des UBS-Verwaltungsrats, Alt-Bundesrat Kaspar Villiger, stellt die Wiedergewinnung des verlorenen Vertrauens die wichtigste Aufgabe dar. Dies brauche viel Arbeit und Beharrlichkeit.
Die Vertrauenskrise habe nicht zuletzt auch hausgemachte Gründe. «Der Kunde und nicht der Bonus müssen wieder im Zentrum stehen.» Die UBS wolle auch darauf hinarbeiten, die Steuerzahler wieder aus der Haftung zu entlassen, so Villiger weiter.
Villiger soll an der GV zum Nachfolger von Peter Kurer gewählt werden. Zudem sind drei weitere Wechsel im Verwaltungsrat geplant: Nicht mehr zur Wiederwahl antreten werden auch Ex-Serono-Chef und Alinghi-Segler Ernesto Bertarelli, die Genfer Anwältin und Professorin Gabrielle Kaufmann-Kohler und der Chef des Handelskonzerns DKSH, Jörg Wolle.
Sie sollen ersetzt werden durch ABB-Finanzchef Michel Demaré, die ehemalige Swiss-Re-Finanzchefin Ann Godbehere und den Risikochef der Versicherung Zurich, Axel Lehmann. Bereits im vergangenen Herbst waren vier von zwölf Verwaltungsräten der UBS ersetzt worden. (mbr/sda/ap)
Erstellt: 15.04.2009, 10:19 Uhr
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