Wirtschaft
Karl-Steiner-Gruppe: Letzte Etappe eines langen Abstiegs
Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 16.03.2010
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Es ist kein gewöhnlicher Verkauf. Dass eine 1915 gegründete Schweizer Firma von einem börsenkotierten Baukonzern aus Indien gekauft wird, sorgt für Aufsehen. Ungewöhnlich ist die Transaktion aber auch, weil es sich eher um eine Rettungsaktion handelt. Die Firma HCC des indischen Baulöwen Ajit Gulabchand schiesst 35 Millionen Franken Kapital ein und erhält dafür eine Kontrollmehrheit von 66 Prozent an der Karl-SteinerGruppe. Alleinbesitzer Peter Steiner, 64, sieht davon keinen Rappen: «Dieses Geld wird verwendet, um unser Kerngeschäft in der Schweiz auszubauen.»
Den Wert der Gruppe steigern
Geld sieht Steiner erst 2014, wenn die restlichen 34 Prozent der Karl-Steiner-Gruppe an HCC übergehen. Nimmt man die Bewertung der Zweidrittelmehrheit als Massstab, werden Steiner in vier Jahren rund 18 Millionen Franken zufliessen. Die Summe sei deutlich höher, wendet Steiner ein. Dass die Karl-Steiner-Gruppe heute deutlich weniger als 100 Millionen Franken wert sein könnte, will er nicht gelten lassen: «Nein, das würde ich nicht sagen.»
Wie auch immer, bis 2014 muss Steiner als Vizepräsident des Verwaltungsrats noch dazu beitragen, den Wert der Gruppe zu steigern: «Meine letzte Herausforderung ist nun, Karl Steiner mit HCC zum Blühen zu bringen.» Wie gut er dies macht, hat direkten Einfluss auf den Verkaufspreis von Steiners Restbeteiligung. Die Kontrolle übernehmen die Inder, sobald der Deal von den Behörden gutgeheissen wird. Das Präsidium muss Steiner dann an den Baulöwen Gulabchand abtreten, dessen rechte Hand übernimmt die Gruppenleitung.
Der Immobilienschatz ist weg
Vom alten Glanz der einst riesigen Bauund Immobiliengruppe ist nicht mehr viel übrig. Als Vater Karl in den Achtzigerjahren das Zepter an seinen Sohn Peter und seinen Schwiegersohn Heinrich Baumann weiterreichte, übernahm das Duo die Führung des mächtigsten Generalunternehmens der Schweiz.
Dazu gehörten eine Baufirma mit 420 Leuten, eine Fabrik für Ladeneinrichtungen in Italien mit 220 Beschäftigten, ein Gerüstbauer mit 210 Leuten, Luxushotels – und eine dreistellige Zahl von Immobilien an meist erstklassiger Lage. Heute beschäftigt die Gruppe noch 370 Mitarbeitende und hatte 2009 nach eigenen Angaben ein Bauvolumen von rund 800 Millionen Franken. Der riesige Immobilienbesitz ist weg, Steiner beschränkt sein Tätigkeitsfeld notgedrungen auf die Schweiz.
Dazwischen liegt eine gründlich misslungene Expansion ins Ausland. Steiner senior hatte sein Tätigkeitsfeld stets auf die Schweiz beschränkt. Seine Nachfolger kauften sich beim amerikanischen Bauriesen Turner mit 22 Prozent ein, und gründeten gemeinsam mit den Amerikanern Turner Steiner International, mit dem sie die Welt erobern wollten. Den französischen Immobilienmarkt erschlossen Steiners mit dem Kauf von Sogelym Steiner in Lyon.
Nach herben Verlusten im Ausland hat Steiner sich aus all diesen Märkten zurückgezogen, die Auslandbeteiligungen wurden nach und nach alle verkauft, zuletzt Sogelym und die Sparte Immobilienbewirtschaftung. Zu welchem Preis, ob im Einzelfall gar mit Verlust, das bleibt Steiners Geheimnis, die Familienfirma veröffentlicht keine überprüfbaren Zahlen.
Mehrere Anläufe zum Verkauf
Es sieht so aus, als sei Steiner diesmal eine dauerhafte Nachfolgelösung gelungen. 1999 verkaufte er 70 Prozent an die schwedische Skanska-Baugruppe. Der Deal scheiterte wegen der Lex Friedrich am Immobilienbesitz der Gruppe. Seither hiess es immer wieder, Steiner wolle die Gruppe an die Börse bringen, letztmals 2008. Das Vorhaben scheiterte an der beginnenden Krise und wohl auch an der mangelnden Finanzstärke, wie die Refinanzierung aus Indien zeigt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.03.2010, 10:27 Uhr

