Wirtschaft

Kaspar Villigers Wandel zum Banker

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 28.04.2011 58 Kommentare

Seit zwei Jahren steht Alt-Bundesrat Villiger an der Spitze der UBS. Viele Erwartungen hat er enttäuscht. Statt die Grossbanker vom hohen Ross zu holen, ist er zu ihrem Sprachrohr geworden.

Das aktuellste offizielle Bild: Kaspar Villiger unterwegs zur UBS-Medienkonferenz, Oktober 2010.

Das aktuellste offizielle Bild: Kaspar Villiger unterwegs zur UBS-Medienkonferenz, Oktober 2010.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Stichworte

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Wenn UBS-Präsident Kaspar Villiger heute in der Basler St.-Jakobs-Halle vor die Aktionäre tritt, wird er ihnen erklären müssen, weshalb sie noch immer keine Dividende bekommen, die Manager und die Investmentbanker aber wieder abkassieren, als wäre nichts gewesen. Villiger wird sagen, dass in den letzten Jahren vor allem in den höheren Etagen übertrieben worden sei, dass die Finanzbranche halt höhere Löhne zahle als die Realwirtschaft, dass man gute Leute, wenn man sie behalten oder gewinnen wolle, marktgerecht entschädigen müsse und dass die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) daran auch nichts ändern könne. Villiger redete so vor einem Jahr, nicht unwesentlich anders vor zwei Jahren – neue Töne wären eine echte Überraschung.

Der ehemalige Bundesrat enttäuscht all jene, die in ihn – den Nichtbanker, den Aussenstehenden, den Unabhängigen – hohe Erwartungen gesetzt haben. Die Erwartung etwa, mit der Abzockermentalität aufzuräumen. Die Erwartung, die Investmentbank auszugliedern. Oder die Erwartung, sich engagiert für die Bändigung der Grossbanken im Interesse der Schweizer Volkswirtschaft ins Zeug zu legen. Villiger will nicht. Der «Aargauer Zeitung» sagte er: «Wer an einen Job und an eine Aufgabe sachorientiert herangeht, muss immer auch Leute enttäuschen. Das muss ich aushalten.»

Kein Mann der Reformen

Eigentlich war das von Anfang an klar. Villiger war nie ein Mann der Ideen. Selbst harmlose Reformgedanken waren ihm suspekt. So vermochte er als langjähriges Regierungsmitglied beim Bundesrat keinen Reformbedarf zu sehen, wie er nach seinem Rücktritt in seinem Buch «Eine Willensnation muss wollen» ausführte. Ebenda formulierte er sein Credo: «Nicht das Spektakuläre bringt das Land weiter, sondern das Solide.» Im «Tages-Anzeiger»-Interview vom 18. April 2009 doppelte er nach: «Das Leben besteht aus Knochenarbeit – daraus, dass man Schritt für Schritt etwas Solides schafft.»Solid, sachorientiert, rational – diesem Muster glaubt Villiger zu entsprechen. Andersdenkenden hält er, wie an der letztjährigen Generalversammlung, entgegen, sie würden emotional diskutieren. So eindeutig sind die Rollen aber nicht verteilt. Nicht immer ist klar, dass Villiger auf der rationalen Seite steht. Unermüdlich weist er darauf hin, dass die schweizerischen Auflagen für die Grossbanken ein Wettbewerbsnachteil sein und den Finanzplatz «ausbluten» könnten. Sachverständige und Vertreter der Vermögensverwaltungsbanken sehen das anders. Mit den neuen Regeln versucht man in erster Linie, die Risiken des Investmentbanking abzusichern. Dieses generiert für die schweizerische Volkswirtschaft hohe Gefahren und eher geringe Erträge. Stütze des hiesigen Finanzplatzes war und ist das Vermögensverwaltungsgeschäfts. Die Argumentation Villigers in dieser Frage ist ideologisch und nicht rational begründet.

Lautsprecher der UBS

Ganz abgesehen davon, dass auch Villiger – oder seine Redenschreiber – die Klaviatur der Emotionalität durchaus beherrscht. Locker streut er Begriffe wie «Dankbarkeit» oder «Demut» unter die Aktionäre. Oder er formuliert Sätze wie: «Wenn so ein Flaggschiff (die UBS) in Seenot gerät, ist die Enttäuschung immens. Wir spüren das noch heute tagtäglich.»

Entscheidend für das Verständnis von Villigers Rolle als UBS-Präsident ist ein Satz in der letztjährigen Rede vor den Aktionären, den die meisten Zuhörer überhört haben dürften: «Gemäss Obligationenrecht muss der Verwaltungsrat die Interessen der Gesellschaft wahrnehmen.» Das erklärt, weshalb der Alt-Bundesrat wenig Musikgehör für die Branche disziplinierende Regeln oder den Schutz der schweizerischen Volkswirtschaft hat. Villiger ist als Präsident zum Lautsprecher der Interessen der Grossbank mutiert. Das Obligationenrecht lässt ihm – so sagt er – keine Wahl.

Worte wiegen schwer

«Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich in den nächsten Jahren an meinen Worten gemessen werde», sagte Villiger vor zwei Jahren dem «Tages-Anzeiger». Zum Beispiel: Villiger sagte bei seinem Amtsantritt, mit den hohen Boni sei es vorbei. Die 13 Konzernleitungsmitglieder der UBS erhielten im Geschäftsjahr 2010 zusammen 91 Millionen Franken – ein Drittel mehr als im Vorjahr. Die Personalkosten vor allem im Investmentbanking haben im ersten Quartal des laufenden Jahres signifikant zugenommen. Villiger sagte bei seinem Amtsantritt, er verzichte auf das ihm zustehende Salär und begnüge sich mit der Entschädigung eines Nationalbank-Direktors. In seinem ersten Jahr bezog er folgerichtig 850'000 Franken, im zweiten waren es bereits 1,5 Millionen.Nachdem die Aktionäre vor einem Jahr die Entlastung des Verwaltungsrates für das Jahr 2007 verweigert hatten, sagte Villiger, man nehme das Ergebnis «sehr, sehr ernst». Heute heisst es bei der UBS, juristisch sei das eine «abgeurteilte Sache».

Die UBS ist auf gutem Weg, zum wirtschaftlichen Erfolg zurückzukehren. Der Profibanker Oswald Grübel sieht sich damit beinahe schon auf der Zielgeraden. Für den vielleicht noch nicht ganz zum Banker mutierten Villiger sollte aber klar sein, dass wirtschaftlicher Erfolg allein nicht genügt, die Reputation einer Gesellschaft abzusichern. Dafür brauchte es hin und wieder ein klares Wort des Präsidenten. Ein Wort, an dem sich dieser messen liesse. Saloppe Drohungen des Konzernchefs mögen als Salz in der Suppe durchgehen, der Vergangenheitsbewältigung der UBS sind sie wenig dienlich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.04.2011, 22:13 Uhr

58

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

58 Kommentare

Roland K. Moser

28.04.2011, 07:08 Uhr
Melden 80 Empfehlung

Hat jemand erwartet, dass er plötzlich die Interessen der Schweiz vertritt? Der ist ein FDPler - also nix Schweiz, sondern Portemonnaie der Filzfreunde. Antworten


Schorsch Baschi

28.04.2011, 07:34 Uhr
Melden 29 Empfehlung

Typischer als Villiger könnte man die FDP ler nicht beschreiben. Am vollen Trog sitzen, sich die besten Stücke rausfischen, die anderen subtil wegdrängen. Nur so funktionierts - für die FDP. Einfach nicht mehr wählbar, da unglaubwürdig und arrogant. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.