Kaufte US-Gesellschaft ein Fünftel der Nationalbank-Aktien?

Die Aktien der Nationalbank schiessen in die Höhe. Und gleichzeitig taucht der Name einer Gesellschaft auf, die 19 Prozent der Notenbank besitzen soll.

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Die Aktie der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kannte gestern kein Halten. Kurz nach 15 Uhr schoss ihr Wert um über 180 Franken auf 1248 Franken hoch – ein Plus von 17 Prozent. So viel wert waren die Papiere letztmals im August 2011, kurz bevor die SNB den Euro bei 1.20 Franken fixierte. Bis Börsenschluss lag der Kurs noch 8 Prozent im Plus.

Der scharfe Anstieg war begleitet von grossen Umsätzen. Wer gekauft hat, ist nicht klar. Allerdings taucht in aktuellen Auszügen der Finanzplattform Bloomberg ein bislang unbekannter Grossaktionär auf. Es handelt sich um den Trans­america Series Trust, einen Investmentfonds, der zum US-Lebensversicherer Transamerica gehört. Dieser ist seinerseits Teil der holländischen Aegon.

Gemäss Bloomberg hält der Trans­america Series Trust seit dem 30. September 2014 19 463 Aktien. Das entspricht 19,46 Prozent. In den Unterlagen der Schweizer Börse hingegen taucht Transamerica bislang gar nicht als Aktionär auf. Im Normalfall muss dort Meldung machen, wer die Grenze von 3 Prozent überschreitet. Auch der Nationalbank ist laut Sprecher Walter Meier kein solcher Aktionär bekannt.

SNB weiss nicht, wer dahintersteckt

Die SNB geniesst als spezialrechtliche Aktiengesellschaft eine Sonderform. Zwar ist sie an der Börse kotiert, ihre Aktie kann wie jede andere gehandelt werden. Allerdings gilt für sie ein übergelagertes Gesetz. Dieses sieht unter anderem eine Stimmrechtsbeschränkung von maximal 100 Titeln pro Aktionär vor. Die Limitierung gilt nur für private Investoren. Kantone und Kantonalbanken, die 60 Prozent an der SNB halten, unterliegen ihr nicht.

Als grösster privater Aktionär galt bislang der deutsche Theo Siegert mit einer Beteiligung von 5 Prozent. Gewichtige Anteilseigner sind weiter die Kantone Zürich, Waadt und St. Gallen. Zusammen kommen diese traditionellen Aktionäre auf knapp 25 Prozent. Ende Januar sind Credit Suisse mit 1,15 Prozent und UBS mit 0,46 Prozent hinzugekommen. Auch andere Finanzinvestoren bauten jüngst kleinere Positionen auf.

Die SNB meinte gestern auf Anfrage, sie wisse nicht, was oder wer hinter dem scharfen Kursanstieg stecke. Aufgrund der Spezialgesetzgebung sind die Rechte der privaten Aktionäre bei der SNB relativ bescheiden. Grosse Aktienpakete liegen nur bei Kantonen und Kantonalbanken. Diese dürfen laut SNB-Sprecher Meier zwar ihre SNB-Titel verkaufen, doch wisse man nichts von entsprechenden Absichten. Die starken Käufe, die zum rasanten Kursanstieg führten, könnten höchstens mit der Dividende zusammenhängen. Diese ist auf 15 Franken fixiert, was bezogen auf den Nominalwert von 250 Franken 6 Prozent ausmacht. Beim derzeitigen Kurs von rund 1151 Franken entspricht der Ertrag einer Dividendenrendite von 1,3 Prozent. Das ist im aktuellen Zinsumfeld attraktiv.

Die SNB hat laut einem Insider auch schon eine Dekotierung der Aktie er­wogen. Abgeschreckt hatte das Beispiel der BIZ, der Zentralbank aller Zentralbanken. Als diese ihre Titel von der Börse nehmen wollte, führte das zu harscher Kritik unter den Privatinvestoren. Heute ist eine Dekotierung für die SNB offenbar kein Thema mehr.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 09.04.2015, 23:25 Uhr)

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