Wirtschaft

Kein Bonus für die Papiergewinne der Grossbanken

Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 03.11.2011 16 Kommentare

Statt der publizierten 2 Milliarden Gewinn machen die UBS und die CS einen ökonomischen Verlust von 3 Milliarden Franken. Nun sollen die Boni sinken.

Von den bisher angekündigten Abbauplänen kaum etwas umgesetzt: CS-Chef Brady Dougan hat noch genau gleich viele Angestellte wie vor drei Monaten.

Von den bisher angekündigten Abbauplänen kaum etwas umgesetzt: CS-Chef Brady Dougan hat noch genau gleich viele Angestellte wie vor drei Monaten.
Bild: Keystone

Untersuchung des Milliardenbetrugs läuft: UBS-Chef Sergio Ermotti. (Bild: Keystone )

Kontrollsystem nicht akzeptabel

Bei der Finma läuft die Untersuchung des Milliardenbetrugs bei der UBS auf Hochtouren. «Die Bank hat selbst öffentlich dargelegt, dass sie Schwächen in Kontrollprozessen der Investmentbank festgestellt hat. Solche Schwächen sind für die Aufsichtsbehörde klar nicht akzeptabel», sagt Finma-Sprecher Tobias Lux. «Die von der Finma gemeinsam mit der britischen Aufsichtsbehörde FSA eingeleitete Untersuchung hat auch die Überprüfung der grundsätzlichen Kontrollmechanismen zum Gegenstand, um nicht autorisierte oder kriminelle Aktivitäten in der Investmentbank zu verhindern. Sobald die Ergebnisse auf dem Tisch liegen, werden wir entscheiden, welche Korrekturmassnahmen angemessen sind.»

Stimmung kippt ins Negative

Die Stimmung bei den Banken kippt zum ersten Mal seit Anfang 2010 wieder ins Negative. Damals hatte ein grosser Teil der Kreditinstitute die direkten Folgen der Finanzkrise allmählich abgeschüttelt. Nun verdüstern sinkende Erträge die Beschäftigungsaussichten, nachdem Banken wie UBS und Credit Suisse bereits mit Stellenabbau auf die schlechte Lage reagiert haben. Die Branche schätzt die Lage laut einer Umfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) eindeutig schlechter ein als im Juli. Der KOF-Bankenindikator zeigt das Feld «Geschäftslageurteil» nun knapp im Minus. Eindeutig im Minus ist die Kurve, welche die erwartete Beschäftigung aufzeigt.

Artikel zum Thema

Stichworte

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Bei den Grossbanken beginnt das Seilziehen um die Höhe der Boni für das laufende Geschäftsjahr. Die Quartalsergebnisse von UBS (UBSN 11.15 -0.89%) und CS haben zwei Dinge gemeinsam: Sie waren erstens beide schlecht und zweitens geschönt durch buchhalterische Sondereffekte in Milliardenhöhe. Ohne die Papiergewinne wären bei beiden Banken Milliardenverluste angefallen.

Die Gewinnausweise der Grossbanken im dritten Quartal zeigen darum deutlich wie selten zuvor, dass die offiziellen Zahlen mit der ökonomischen Wirklichkeit offensichtlich nicht mehr viel zu tun haben. Das will die Bankenaufsicht nicht mehr tatenlos hinnehmen. Deshalb hat die Finanzmarktaufsicht Finma laut Mediensprecher Tobias Lux von den Banken verlangt, dass wenigstens für die Bonusberechnung ein sogenannt «ökonomischer Gewinn» berechnet wird, ohne buchhalterische Tricks.

Bonusberechnung umstritten

Bei der UBS stellt sich die «ökonomische Realität», wenn man die Finma-Berechnung auf das letzte Quartal nachvollzieht, folgendermassen dar: Der offiziell kommunizierte Gewinn betrug 1018 Millionen Franken. Dank dem 2-Milliarden-Verlust, ausgelöst durch den Händler Kweku Adoboli in London, wurde das Risiko der Bank von den Kreditversicherungen höher eingeschätzt. Das ist aus Sicht der Bank angeblich ein Gewinn, denn die eigenen Schulden sind 1765 Millionen weniger wert. Dazu kommt ein Gewinn in der Höhe von 722 Millionen Franken aus dem Verkauf von Staatsanleihen, und statt 377 Millionen Franken Steuern zu zahlen, erhielt die UBS eine Steuergutschrift von 40 Millionen. Daraus resultieren Sondereffekte von 2,9 Milliarden Franken und ein ökonomischer Verlust von rund 2 Milliarden Franken.

Umstritten ist, ob der Gewinn beim Verkauf der Staatsanleihen wirklich in die Bonusberechnung einfliessen darf – die Bank will das laut Sprecher Serge Steiner tun – oder nicht. Noch viel mehr zu reden gibt, ob wirklich die gesamte Investmentbank für die Verluste eines Londoner Händlers büssen soll. Gemäss Finma-Rundschreiben wären dann die Gewinnausschüttungen wegen des Verlustes im Investmentbanking sehr eingeschränkt, bei der UBS betont man die Flexibilität des Vergütungssystems.

Gewinn nicht massgebend für Bonus

Bei der CS ging der ausgewiesene Vorsteuergewinn auf 844 Millionen Franken zurück. Auch CS-Pressesprecher Marc Dosch sagt, dieser Gewinn sei nicht massgebend für die Berechnung des Bonus. Geschönt wurde das Ergebnis zudem durch einen buchhalterischen Gewinn auf eigenen Verbindlichkeiten im Umfang von rund 1,3 Milliarden Franken. Hinzu kommen 538 Millionen Franken von Schuldneubewertungen, die direkt ins Investmentbanking gebucht werden. Zusammengenommen bedeutet das, dass die Bank insgesamt knapp eine Milliarde Verlust geschrieben hat und das Investmentbanking operativ einen Verlust von 728 Millionen statt nur 190 Millionen auswies. Auch bei der CS wird darauf hingewiesen, dass der Gewinn nur ein Element in der Berechnung der Boni sei.

CS: Abbau bisher nicht umgesetzt

Gemeinsam bei beiden Banken ist nun aber auch, dass die bisher ausgewiesenen Lohnkosten, die zu einem schönen Teil aus Boni bestehen, kaum zurückgingen. Das liegt zum einen daran, dass die Banken aufgrund der Einschränkungen bei den Boni dazu übergingen, höhere Fixlöhne auszuzahlen. Zudem wurde von den bisher angekündigten Abbauplänen beim Personal kaum etwas umgesetzt. Auch hier scheint es etwas unökonomisch zuzugehen. Namentlich hat die CS trotz eines vor drei Monaten angekündigten Abbaus von 2000 Stellen, der jetzt mit einem weiteren Kahlschlag von 1500 Stellen ergänzt wurde, insgesamt genau gleich viele Mitarbeiter wie vor drei Monaten. In der Investmentbank, bei der angeblich die meisten Stellen eingespart werden, wurden im letzten Quartal sogar 300 Stellen aufgebaut. Kein Wunder stossen die immer wieder angekündigten Ergebnisverbesserungen auf immer grössere Skepsis und die Aktien von UBS und CS kommen nicht vom Fleck. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2011, 22:58 Uhr

16

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

16 Kommentare

Martin Meier

03.11.2011, 13:44 Uhr
Melden 21 Empfehlung

Das ist jetzt voll im Trend, Managment à la grecque (griechisch): Viele Massnahmen ankündigen und dann nichts umsetzen ! Antworten


felix halter

03.11.2011, 14:37 Uhr
Melden 21 Empfehlung

macht aus der ubs die schweizerische bankgesellschaft, aus der cs die kreditanstalt, bestückt sie mit fähigen schweizer unternehmerpersönlichkeiten und weist diese kriminellen banden aus unserem land aus.
die heutigen typen aus der ubs und cs haben eine einzige absicht, nämlich zu raffen und zu tricksen. da nützen doch alle weisungen nichts. an solchen machtstellen brauchts charakter.
Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.