Wirtschaft

Kein deutsches Steuergeld für General Motors

Aktualisiert am 11.11.2009

Der amerikanische Autobauer hatte sich nach monatelangen Verhandlungen plötzlich entschieden, Opel zu behalten – in der Hoffnung auf Geld aus Deutschland. Doch die Regierung Merkel winkt ab.

«Inakzeptabel»: So hatten der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und die Bundeskanzlerin Angela Merkel den plötzlichen Opel-Entscheid von GM kommentiert.

«Inakzeptabel»: So hatten der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und die Bundeskanzlerin Angela Merkel den plötzlichen Opel-Entscheid von GM kommentiert.
Bild: Keystone

Im Ringen um Staatshilfen für die Sanierung von Opel kann General Motors (GM) vorerst nicht auf Unterstützung aus Deutschland hoffen. Das machte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle nach dem ersten Treffen der Regierung nach dem geplatzten Opel-Verkauf mit GM klar.

Die von GM für Opel benötigten 3,3 Milliarden Euro müsse der US- Autohersteller aus eigener Tasche zahlen, sagte Brüderle am Mittwochabend. «Ich habe meine Erwartung ausgedrückt, dass General Motors grundsätzlich die Finanzierung selbst ausübt.»

«Schwere Kommunikationsfehler

Brüderle war zuvor mit dem neuen Opel-Europachef Nick Reilly und GM-Verhandlungsführer John Smith zusammengetroffen. Zusammen hatten sie Vertretern von Ministerium sowie Kanzleramt die jüngste GM- Entscheidung gegen einen Opel-Verkauf an Magna erläutert.

Mit der überraschenden Kehrtwende hatte der US-Konzern die Bundesregierung brüskiert, die für den Fall einer Übernahme mit Staatshilfen zur Sicherung der deutschen Opel-Standorte bereit stand. Die Vertreter von GM hätten sich für ihre «schweren Kommunikationsfehler» entschuldigt, sagte Brüderle.

GM-Chef Fritz Henderson hatte in einem Interview im ZDF erklärt: «Es tut uns leid, es hätte anders laufen sollen.» Der GM-Chef hatte mehrere Tage in Deutschland verbracht, um bei Opel, Händlern und Politikern die Gemüter zu beruhigen.

Ein Fünftel der Arbeitsplätze fallen weg

Bislang war die Charmoffensive des Autobauers aber von wenig Erfolg gekrönt. Neben der Regierung holte sich GM auch von der Belegschaft eine Abfuhr. Die Arbeitnehmervertreter verlangen zunächst ein Zukunftskonzept für Opel. Erst danach wollen sie entscheiden, ob sie in Verhandlungen über Zugeständnisse im Zuge der Sanierung einsteigen.

Die europäischen Opel-Händler sicherten GM zwar ihre weitere Kooperationsbereitschaft zu - aber auch sie warten auf ein konkretes Konzept für die Zukunft von Opel. Bislang sind von den Plänen nur einige Eckpunkte bekannt: GM will 10'000 von 50'000 Arbeitsplätzen in Europa streichen und voraussichtlich das Astra-Werk in Antwerpen schliessen. Arbeitnehmervertreter befürchten, dass Deutschland - wo Opel mit vier Werken am stärksten vertreten ist - den Grossteil der Stellenstreichungen tragen soll.

GM will in den kommenden Tagen noch an seinen Plänen für Opel feilen und diese dann bis Ende Dezember in den europäischen Ländern mit Opel-Standorten präsentieren. Entsprechend sieht Brüderle nun zunächst den US-Konzern unter Zugzwang. Dieser habe angekündigt, zeitnah ein Restrukturierungskonzept vorzulegen. Der Fokus liege dabei auf Westeuropa. Dort hat Opel einen Grossteil seiner Werke. (oku/sda)

Erstellt: 11.11.2009, 22:42 Uhr

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