Wirtschaft
Klein, billig und heiss
Aktualisiert am 01.05.2010 5 Kommentare
Satish Sawant entging vor gut zwei Wochen knapp einer Katastrophe. Sein Nano fing bei Tempo 40 plötzlich Feuer. Der Ingenieur hatte das Auto, das als billigstes auf der Welt gilt, eben erst bei seinem Händler abgeholt. Der 37-Jährige Besitzer und seine Familie konnten sich nur knapp aus dem Fahrzeug retten. Vermutete Ursache: Ein Kurzschluss in der Elektrik.
Indische Medien berichten von weiteren Pannen der Neuwagen. Erst am 8. April brannte wieder ein Tata Nano. Und zwar auf dem Weg vom Werk im westindischen Sanand zum Autohändler. «Ich sah im Rückspiegel Rauch aus dem Heck kommen, hielt an – und wenige Minuten später stand der Wagen in Flammen», berichtet Rajubhai Thakore vom Autospediteur Cargo Motors dem «Indian Express». Die Aktien des Unternehmens verloren laut der Nachrichtenagentur Reuters noch am selben Tag knapp zwei Prozent ihres Werts.
«Ihr Auto brennt!»
Schon im Oktober 2009 gab es einen Vorfall. «Ich habe meinen Wagen vor einem Einkaufszentrum geparkt. Dann bin ich Geschenke kaufen gegangen», erzählte Raza Rizvi aus Lucknow damals der Nachrichtenagentur IANS. Nach zehn Minuten sei der Parkplatzwärter zu ihm gestürmt und hätte geschrien: «Ihr Auto brennt!» Das Auto hatte erst 1000 Kilometer auf dem Buckel.
Damit sind inzwischen fünf Nanos durch Feuer zerstört worden. Die genauen Ursachen sind noch unbekannt. Dennoch schliesst Tata Motors ein systemisches Problem kategorisch aus. Trotzdem hat der Autokonzern eine Überprüfung aller bereits verkauften Wagen angeordnet. Eine firmeneigene Untersuchungskommission soll die Ursachen der Brände herausfinden. Man glaube nicht, dass dies ein Konstruktionsfehler sei. Daher erwäge man auch keinen Rückruf.
37-jähriger Inder verlangt Schadenersatz
«Es gibt kein Problem mit dem technischen Design. Der Wagen hat alle internationalen Zertifikate erhalten», teilt Tata-Sprecher Debasis Ray gemäss «Spiegel online» mit. «Inzwischen sind mehr als 30’000 Nanos in Indien ausgeliefert, manche von ihnen fast ein Jahr alt. Es gibt keine Probleme mit den Fahrzeugen.»
Satisch Sawant, dessen Nano nur noch Schrott ist, hat das Unternehmen eine Entschädigung in Höhe von 225’000 Rupien angeboten, das sind etwa 5260 Franken. Das berichtet «Welt online» und beruft sich auf den Auto-Blog «Rush Lane». Doch der Software-Entwickler sei mit der Höhe des Angebots nicht einverstanden. Er verlange rund 35'250 Franken.
Der Tata Nano ist mit einem Verkaufspreis von umgerechnet rund 2000 Franken das billigste Auto der Welt. Mit 623 cm³ Hubraum, einer Länge von 3,1 Metern und nur 700 Kilo ist er auch sonst ein Winzling. (bru)
Erstellt: 13.04.2010, 15:30 Uhr
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5 Kommentare
Vielleicht wurde hier auch nur ein bisschen nachgeholfen? Für die Grosshersteller ist es sicher ein Dorn im Auge wenn Indien solch günstige Autos herstellt. Vor allem in Betracht auf die eigenen Absatzprobleme. Wo es nur noch um satte Gewinne und Arbeitsplätze geht, sind Newcomer kaum gerne gesehen... Dieses mal nur aus einer anderen Betrachtung gesehen... Antworten
Und in solche Länder wollen wir unsere Wirtschaft und Produktion auslagern? Der Nano war ein guter PR-Gag. Mehr kann ich da nicht sehen. 4 Kästen Bier und meine Kumpels müssen dann zu Fuss gehen. Der alte Mark 4 von Tata war um Klassen besser und sicherer! Antworten
Tja, dann müssen eben teurere Kabel mit nichtentflammbarem Mantel verbaut werden... und flammhemmende Materialien dazu... und dies erfordert neue Maschinen und mehr Engineering. Und am Schluss kostet das Auto gleichviel wie ein Kleinwagen hier. Willkommen in der Realität, Indien. Antworten
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Thomas Schillmeier
Zum Glück baut diese Firma noch keine Billig Flugzeuge. Antworten