Könnte die Spaltung der Währung den Euro aus der Krise führen?

Aktualisiert am 02.05.2010

Nach Ansicht des Schweizer Ökonomen Franz Jaeger hat die EU keine andere Wahl: Sie muss die Idee eines Währungsraums aufgeben und je einen Nord-Euro und einen Süd-Euro einführen.

Gemeinsame offizielle Währung in 22 europäischen Staaten: Der Euro.

Gemeinsame offizielle Währung in 22 europäischen Staaten: Der Euro.

Der St. Galler Wirtschaftsprofessor und Geldpolitik-Spezialist Franz Jaeger schreibt in der Zeitung «Sonntag», es gebe nur noch einen Weg aus der Euro-Krise: Die Spaltung der Währung. «Das Gefälle zwischen dem Süden und dem Norden Europas wird immer grösser. Die Voraussetzungen eines funktionsfähigen Währungsraumes sind damit kaum mehr gegeben», meint Jager.

Im Euro-Raum fehle es an zwischennationaler Mobilität der Produktionsfaktoren Kapital, Arbeit und Wissen. Es mangle an Flexibilität von Märkten, Preisen und Löhnen. Und auch die wirtschaftspolitischen Prioritäten drifteten auseinander. Das Gefälle zwischen dem Süden und dem Norden Europas sei enorm. «Was am Ende als Lösung bleiben wird, wird eine Spaltung des Euro-Währungsraums in zwei Teile sein.»

«Nur so findet der Norden zur Stärke zurück»

Nach Ansicht von Jaeger wird es zu einem Süd- und zu einem Nord-Euro kommen müssen. Wobei dem Nord-Euro die Länder Belgien, Deutschland, Irland, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Slowakei und Finnland angehören und dem Süd-Euro Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien, Zypern, Malta, Portugal und Slowenien.

«Nur so findet der Norden zur Stärke zurück, die es ihm ermöglicht, für den Süd-Euroraum ein prosperierender und damit lukrativer Partner zu sein», schreibt der St. Galler Ökonom. «Umgekehrt würde eine solche Teilung Südeuropa in die Lage versetzen, die Ungleichgewichte gegenüber dem Norden und der übrigen Welt unter anderem über eine Abwertung der eigenen Währung (Süd-Euro) zu verringern und so seine ökonomischen Chancen zu verbessern.» Natürlich werde dieses Konzept auf gewaltigen politischen Widerstand stossen. «Aber was bleibt am Ende der EU anderes, als sich zur Schadenbegrenzung mit der am wenigsten schlechten Lösung zu retten?» (vin)

Erstellt: 02.05.2010, 22:09 Uhr

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