Wirtschaft
Kommentar: Kann sich die UBS wirklich ändern?
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 17.11.2009
«Die neue UBS ist erst eine Vision»: Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Reporter Markus Diem Meier.
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Als Aussenstehender wähnte man sich am UBS-Investorentag an einer Veranstaltung der Credit Suisse: Nicht nur besteht ein Teil des Spitzenmanagements aus einstigen CS-Leuten. Auch die «neue Bank», die hier gebildet werden soll, scheint eine Art CS-Kopie zu werden. Wie ihre Konkurrentin will jetzt auch die UBS vor allem auf die Kunden fokussieren, die Risiken zurückfahren und vor allem die verschiedenen Geschäftsbereiche wieder weit stärker integrieren.
Ein UBS-Mann hat darauf am Mittagstisch entgegnet: In Wahrheit habe die Credit Suisse einst das integrierte Modell der UBS kopiert. Tatsächlich hatte Oswald Grübel als CS-Lenker nach dem Chaos mit den ständigen Strukturänderungen, die seine Vorgänger – die einstigen McKinsey-Leute Lukas Mühlemann und Thomas Wellauer – angerichtet hatten, die einstige Credit Suisse wieder stärker integriert. Doch die UBS war dabei nur von der Idee her das Vorbild. In Tat und Wahrheit drifteten bei ihr die verschiedenen Geschäftsbereiche immer stärker auseinander.
Jeder drehte sein eigenes Ding
Dass die Bank sich verändern und das Steuer überall herumreissen will, ist lobenswert. Wie es scheint, war Volumen zu bolzen bis vor Kurzem wichtiger als die Qualität der Dienstleistungen. Risiken wurden eingegangen, weil sie mehr Erlöse versprachen. Jeder Geschäftsbereich drehte – scheinbar weitgehend unkontrolliert – sein eigenes Ding.
Doch die neue UBS ist erst eine Vision. Wie sie ihre Ziele konkret erreichen will, bleibt auch nach dem Investorentag offen. Nur so viel wurde klar: Man will wieder so stark sein, wie einst – nur diesmal korrekt. Die Bank hat allen Grund, sich geläutert zu geben. Immerhin ist sie nur um Haaresbreite am Untergang vorbeigeschrammt. Dabei hätte sie die Schweizer Wirtschaft fast ins gleich Chaos gestürzt, wie es Island oder Lettland erlebt haben.
Die Herausforderung, auf schnellen Gewinn zu verzichten
Doch der Umbau geschieht nicht im luftleeren Raum. Der Wettbewerb wird in einem geschrumpften Finanzmarkt hart werden. Da ist es eine besondere Herausforderung, auf schnelle Gewinne zu verzichten. Können sich die UBS-Banker tatsächlich nach den neuen hehren Grundsätzen richten? Die Kultur ist bei der UBS – und allgemein im Bankgeschäft – seit Jahrzehnten vollkommen von finanziellen Anreizen getrieben. Der Grundsatz, jede Gelegenheit zu nutzen, um mehr Gewinn herauszuholen, dominierte.
Heute sagen die UBS-Leute, die Kultur habe sich bereits geändert. Wahrscheinlich ist, dass sich die Banker erst mal die Wunden lecken. Werden sie sich auch noch an die neuen Grundsätze erinnern, wenn das Geschäft wieder richtig brummt? Die Geschichte der Finanzbranche und der Schweizer Grossbanken macht auf jeden Fall wenig Mut. In vielen Geschäftsbereichen verfahren die Banken bereits jetzt wieder, als hätte es nie eine Krise gegeben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 17.11.2009, 15:58 Uhr
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