Wirtschaft

Konrad Hummler, unfreiwilliger Retter des Bankgeheimnisses

Von Claudio Habicht. Aktualisiert am 05.05.2009

Zweifelhafte Ehre für den obersten Privatbankier der Schweiz. Konrad Hummler spielt im Finanzkrise-Krimi «Beichte eines verdorbenen Bankers» eine Hauptrolle: Er erpresst 2005 die EU-Kommission, um das Bankgeheimnis zu retten. Der echte Konrad Hummler will dazu nichts sagen.

«Eigenbrötlerisch, anarchistisch und vorlaut»: «Crésus» über Konrad Hummler.

«Eigenbrötlerisch, anarchistisch und vorlaut»: «Crésus» über Konrad Hummler.

Will sich nicht zum Buch äussern: Privatbankier Konrad Hummler.

Will sich nicht zum Buch äussern: Privatbankier Konrad Hummler. (Bild: Keystone)

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Auch Couchepin mit von der Partie

Neben Privatbankier-Präsident Konrad Hummler lässt der anonyme Autor Krösus auch Bundesrat Pascal Couchepin in seinem Krimi auftreten. Dieser übergibt im September 2008, nachdem ihn der US-Finanzminister Henry Paulson unter Druck gesetzt hat, Kontodaten von sechs Lehman-Topmanagern an die USA.

«Paulson fuhr fort, indem er dem Schweizer Präsidenten sagte: ‹Wenn ihr in diesem präzisen Fall das Bankgeheimnis nicht aufhebt, werden wir nächste Woche ein dringliches Gesetz im Kongress einbringen, das sechs Monate lang jede Finanztransaktion zwischen der Schweiz und den USA untersagt.›» Couchepin dementiert die Vorwürfe.

Crésus: Confessions d’un banquier pourri. Librairie Arthème Fayard, 2009. 233 Seiten, 33.90.

Das Buch kommt zu rechten Zeit: Die Finanzkrise wütet, viele Banken überleben nur dank Steuergeldern. Mit «Confessions d'un banquier pourri» – zu deutsch «Beichte eines verdorbenen Bankers» – hat der Pariser Verlag Fayard einen Coup gelandet. Der Autor, er nennt sich Krösus, ist nach eigenen Angaben ein ehemaliger Spitzenbanker.

Der Wahrheitsgehalt des Buches lässt zweifeln, doch wer es auch immer geschrieben hat, beweist Gespür für die derzeitige Stimmung. Die Leute wollen Sündenböcke für die Krise; sie wollen mit dem Finger auf die Verantwortlichen zeigen. Genau das liefert ihnen Krösus: Enthüllungen und Banker-Klischees am Laufmeter, schön verpackt in einem krimiartigen Plot. Gut möglich, dass das Buch zum Klassiker avanciert, sozusagen zum Lehrstück der Krise.

Bestseller in Frankreich

In Frankreich rangieren die «Confessions» denn auch auf den Bestsellerlisten. Hierzulande ist das Buch jedoch noch kein grosses Thema. Dies verwundert. Spielt doch der oberste Privatbankier der Landes, Konrad Hummler, eine Hauptrolle im Bankenkrimi: Im Kampf um das Bankgeheimnis gibt er den Winkelried. Krösus besucht ihn im August 2008 auf einer seiner Reisen nach Genf, wo er geschäftlich zu tun hat.

Er trifft den «eigenbrötlerischen, anarchistischen und vorlauten» Hummler im Edelhotel Noga-Hilton. Die beiden sind alte Freunde; das Bankgeheimnis verbindet sie. «Unsere Beziehung war von einem grossen gegenseitigen Vertrauen geprägt.» Hummler verspätet sich jedoch, er hat ein geheimes Treffen.

Brandaktuelle Passagen

An dieser Stelle wird das Buch brandaktuell: Als Hummler eintrifft, erzählt er Krösus, wie er sich eben als Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers mit Vertretern der EU-Kommission zu Verhandlungen über das Bankgeheimnis getroffen hat. «Wir haben ihnen klar gemacht, dass wir bereit sind, alle Finanz-Transaktionen mit Europa zu unterbinden, wenn sie weiterhin die Zähne zeigen.»

Bereits 2005 hatte er Erfolg mit diesen Drohungen. Krösus erinnert sich: «Konrad entschied sich, seinen Joker einzusetzen: ‹Sie wollen wirklich Transparenz, meine Herren? Perfekt. Dann könnten wir uns für drei ihrer Kommissare interessieren, die dummerweise vergessen haben, ihre Konten auf unseren Banken zu deklarieren.›» Darauf schwiegen die «Apparatschiks» aus Brüssel.

Treffen mit EU-Steuerkommissar

Hummler ist es auch, der Krösus kurz vor dem endgültigen Kollaps des Bankgeheimnisses warnt: «Wir müssen Brüssel Zugeständnisse machen», sagt er nach einem Treffen mit EU-Steuerkommissar Lászlo Kovács – und empfiehlt Krösus, künftig in Singapur zu geschäften. So viel zur Fiktion. Und sogleich stellt sich die Frage; Was sagt der leibhaftige Konrad Hummler dazu? Über seine Pressesprecherin liess er auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet verlauten, er habe das Buch gelesen. Zu anonymen Publikationen nehme er jedoch keine Stellung. Eigentlich schade: Die Leser würde sicher interessieren, wie viel Wahrheit hinter Krösus' Dichtung steckt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.05.2009, 22:03 Uhr

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