Krankenkassen: Prämienerhöhung per 1. Juli

Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 16.04.2010 119 Kommentare

Die finanzielle Situation zahlreicher Kassen ist prekär. Prämienerhöhungen, Kooperationen und Fusionen stehen an. Bis Ende April werden die Versicherten informiert.

Finanzielle Turbulenzen: Die Krankenkassen geraten unter Druck. Foto: Keystone

Finanzielle Turbulenzen: Die Krankenkassen geraten unter Druck. Foto: Keystone
Bild: Keystone

Es steht schlecht um die Krankenkassen: Ende Januar präsentierte die Helsana für 2009 einen Verlust von 58 Millionen Franken. Letzte Woche doppelte die CSS mit einem Minus von 195,4 Millionen nach. Für die Versicherten hatten solche tiefroten Zahlen bisher noch keine Folgen – denn die Prämienrunde steht erst im Herbst an. Das wird sich nun aber ändern.

BAG fordert Fusionen

Dem Vernehmen nach werden mehrere Kassen nächste Woche bekannt geben, wie sie auf ihre angespannte Finanzsituation reagieren. Im Vordergrund stehen vier Massnahmen:

  • Ein Prämienaufschlag auf den 1. Juli 2010. Die Erhöhung muss den Versicherten bis Ende April mitgeteilt werden. Diese können anschliessend die Kasse wechseln, wenn sie wollen.
  • Die Kasse geht eine Kooperation mit einer anderen Kasse ein. Diese leistet eine Finanzgarantie.
  • Die Kasse fusioniert mit einer anderen Kasse.
  • Die Kasse wird innerhalb des Konzerns querfinanziert, muss aber spätestens 2012 selbsttragend sein.

Betroffen sind laut einer verlässlichen Quelle folgende Kassen: Provita, Kolping, Carena, Xundheit (Sympany-Gruppe), Intras (CSS-Gruppe), sowie Billigkassen der Helsana (Avanex, Aerosana, Sansan) und der CSS (Auxilia, Arcosana).

Die Kassen selbst äussern sich im Moment noch zurückhaltend. Eine Sprecherin der Winterthurer Provita bestätigt zwar, dass man die Prämien auf den 1. Juli erhöhen werde. Zur Höhe des Aufschlags äussert sie sich jedoch nicht. Die Versicherten würden gegen Ende April informiert.

Kooperationspartner gesucht

Keine unterjährige Prämienerhöhung gibt es bei der Dübendorfer Kolping-Kasse. Geschäftsführer Egon Hürlimann bestätigt aber, auf der Suche nach einem Kooperationspartner zu sein: «Ein Entscheid fällt in den nächsten Wochen.» Dazu fordert ihn das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf. Die Behörde hat Kassen in finanzieller Schieflage angehalten, sich einen Kooperations- oder Fusionspartner zu suchen.

Ebenfalls auf der Suche nach einem Partner ist die Thurgauer Carena. Die Kasse will dies im Moment zwar weder bestätigen noch dementieren, kündigt aber für nächste Woche eine Medienmitteilung an.

Den Schritt bereits vollzogen hat die Luzerner Xundheit, die 2009 von der Sympany-Gruppe übernommen wurde. Laut Finanzchef Alexander Birrer konnte das Minus mit einer unterjährigen Prämienerhöhung auf September 2009 und millionenschweren Querfinanzierungen auf knapp über 0 Prozent angehoben werden. Die Sanierungsmassnahmen gingen weiter, eine unterjährige Prämienerhöhung sei 2010 jedoch kein Thema.

Abschied von den Billigkassen

Auch die CSS hat ihre Billigkassen Auxilia und Arcosana sowie die Neuerwerbung Intras massiv quersubventioniert. 2009 schlug dies mit 90 Millionen zu Buche. Laut Sprecher Stephan Michel ist damit spätestens 2012 Schluss. Ab dann gilt der neue Risikoausgleich, mit dem sich die Jagd nach guten Risiken nicht mehr lohnen soll. Laut Michel wurde die Sanierung mit Prämienerhöhungen 2010 eingeleitet. Nun setze man auf die Eindämmung der Leistungskosten. Zudem werde geprüft, ob die drei Kassen nach 2012 noch eigenständig weiterexistieren sollen.

Helsana-Sprecher Rob Hartmans erklärt ebenfalls, bis 2012 müssten die Sorgenkinder Avanex, Aerosana und Sansan selbsttragend sein. Dies soll mit Prämienerhöhungen und finanziellen Einschüssen der Holding erreicht werden. Der neue Verwaltungsratspräsident Thomas Szucs liess bereits durchblicken, dass er von der Quersubventionierung abrücken will. Im Juni soll die neue Strategie vorgestellt werden.

Verlust von 600 Millionen

Felix Schneuwly von Santésuisse rechnet damit, dass die Kassen 2010 etwa 600 Millionen Verlust schreiben. Das ist aufgrund der Erholung an den Finanzmärkten und happiger Prämienaufschläge zwar nur noch halb so viel wie 2009, aber angesichts fehlender Reserven vieler Kassen immer noch äusserst besorgniserregend. Laut Schneuwly genügen die Prämienerhöhungen 2010 nicht, um den Nachholbedarf der Kassen und die um 4 Prozent steigenden Gesundheitskosten zu decken. «Wir zahlen den Preis für die in der Ära Couchepin aus politischen Gründen zu tief gehaltenen Prämien», sagt Schneuwly. Er rechnet 2011 erneut mit einem Prämienaufschlag von bis zu 10 Prozent.

Das Bundesamt für Gesundheit hat auf die desolate Finanzsituation vieler Versicherer mit einem Interventionsprogramm reagiert. «Wir fordern die Kassen auf, Massnahmen zu ergreifen, um ihre finanzielle Situation zu verbessern», sagt Abteilungsleiterin Helga Portmann. Zudem hat der neue Direktor Pascal Strupler angekündigt, die Aufsicht über die Kassen aufzustocken. Derzeit sind für den gesamten Krankenkassenbereich 90 Personen zuständig. Bei insgesamt über 500 BAG-Mitarbeitern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.04.2010, 22:14 Uhr

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119 Kommentare

Susanna Strub

16.04.2010, 16:04 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Die Gesellschaft wird immer kränker und darum die Kosten höher. Es werden nur Symptome gelindert. In Arztpraxen und bei den Krankenkassen. Solange keine unabhängige Information zur Entstehung von Krankheiten möglich ist, da immer irgendwer seinen Markt gefährdet sieht, werden wir nicht gesünder werden. Wir müssen die Ursachen suchen und ändern. Ernährung, soziale Belastung, Umwelteinflüsse etc. Antworten


Marcel Meier

16.04.2010, 11:31 Uhr
Melden

Um Himmels Willen keine Einheitskasse!!! Meine Krankenkasse schreibt schwarze Zahlen! Etwas mehr Disziplin der Versicherten ist gefragt! Mit der Einheitskasse bezahlen die Disziplinierten für die Undisziplinierten. Dann haben wir das gleiche Chaos wie bei der IV! Antworten



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