Kredite ganz ohne Bank

Über das Internet vergeben Private Kredite an Private. Für die Kreditgeber winken Zinsen von bis zu 15 Prozent, aber auch hohe Risiken.

Cash teilen: Die Kredite via Netz bergen Gefahren.

Cash teilen: Die Kredite via Netz bergen Gefahren.
Bild: Keystone

Was ist eine Bank? «Eine Einrichtung, die dir so lange Geld leihen wird, wie du beweisen kannst, dass du keins brauchst.» Diese eigensinnige Definition prangt auf den Unterlagen von Cashare. Der Name, eine Kombination von «cash» und «share» (teilen), ist Programm: Das Unternehmen betreibt eine Internetplattform, die private Kreditgeber und Kreditnehmer zusammenbringen will. «Kreditinstitute werden mit diesem Modell überflüssig», schrieb Cashare zum Start im März vergangenen Jahres.

«Hallo liebe Darlehensgeber, ich brauche Liquidität für mein zweites Standbein», schreibt etwa ein Schweizer mit Jahrgang 1965 in einem der derzeitigen sechs Kreditgesuche. Er möchte während eineinhalb Jahren einen Kredit von 7000 Franken aufnehmen. Er habe wegen einer Busse und eines Notfalls auf sein Erspartes zurückgreifen müssen, so der Antragsteller, doch er garantiere eine pünktliche Rückzahlung. Den Kreditgebern bietet er 14 Prozent Jahreszins – für potenzielle Investoren eine durchaus lukrative Rendite.

Risikostreuung mit Teilbeträgen

Doch hohe Renditen bedeuten auch hohe Risiken. So bewertete Cashare den Mann nur mit der Kreditwürdigkeit der Stufe C, was gemäss Tabelle einer «schleppenden Zahlweise» entspricht. Um das Risiko des Ausfalls zu streuen, empfiehlt Cashare-Geschäftsführer Michael Borter, das Geld in verschiedenen Darlehensprojekten anzulegen. Kreditgebern ist es möglich, Teilbeträge von mindestens 500 Franken an die Kredite beizusteuern. So hat der Mann, der 7000 Franken benötigt, bis dato von einem Cashare-Nutzer 1000 Franken zugesichert bekommen.

Andere Nutzer schreiben, sie benötigten Geld, um nach dem Auslaufen des Leasingvertrags das Auto zu kaufen, oder um eine Reha-Therapie für die eigene Mutter zu bezahlen.

«Auf Bankkonti erhält man derzeit kaum mehr Zinsen», sagt Cashare-Geschäftsführer Borter, deshalb interessierten sich Darlehensgeber vermehrt für Anlagen wie die Privatkredite. Maximal 15 Prozent Zinsen können Kreditnehmer bieten. «Wir wollen keine Wucherzinsen», sagt Borter dazu. Wenn die Kreditgeber bei einem Kredit mehr Geld anbieten als nötig, können gemäss dem Auktionsprinzip die Zinssätze sinken.

Einer von zehn wird aufgeschaltet

Wer einen Kredit beantragen will, bleibt auf der Internetplattform zwar anonym, muss Cashare aber seinen Pass, Lohnabrechnungen, Krankenkassenpolice und Mietvertrag offenlegen. Zudem muss einer Bonitätsprüfung bei entsprechenden Stellen zugestimmt werden. Laut Borter wird wegen dieser Anforderungen nur einer von zehn Kreditanträgen auf der Internetseite aufgeschaltet. «Wir wollen die Kreditnehmer vor Überschuldung schützen – und das Risiko für die Kreditgeber verringern», erklärt Borter.

Werden für ein Gesuch genügend Teilkredite geboten, schliesst Cashare einen Vertrag zwischen dem Schuldner und den Kreditgebern ab. Die Zahlungen laufen über eine externe Inkassofirma, die allenfalls auch eine Betreibung einleitet. Für den Fall, dass ein Kreditnehmer während der Laufzeit stirbt, muss dieser zudem eine obligatorische Todesfallversicherung abschliessen, welche einige Zehntelprozente der Darlehenssumme kostet.

Bisher 300'000 Franken vermittelt

Seit dem Start habe Cashare rund 50 Kredite im Umfang von insgesamt etwa 300'000 Franken vermittelt, sagt Borter. Das Unternehmen mit Sitz im Kanton Zug finanziert sich aus einer Provision auf vermittelte Kredite: Jährlich bezahlen Schuldner und Gläubiger je 0,75 Prozent der Kreditsumme an Cashare. «Löhne bezahlen wir uns noch keine», sagt der 31-jährige Betriebsökonom. Hauptberuflich arbeitet er als selbstständiger Unternehmensberater.

Inspiriert von ähnlichen Unternehmen in den USA und in Grossbritannien, hat Borter das Geschäftsmodell als bisher Einziger auf den Schweizer Markt gebracht. Ähnliche Plattformen existieren auch in Deutschland. Ein Anbieter namens Elolly ist 2007 nach kurzer und undurchsichtiger Geschäftstätigkeit in Deutschland und in der Schweiz wieder aus dem Geschäft ausgestiegen.

Michael Borter denkt nun über weitere Kreditmöglichkeiten nach – etwa über private Darlehen für Unternehmen, die der Kreditklemme entgehen wollen, oder über eine deutschsprachige Plattform für Mikrokredite. (Der Bund)

Erstellt: 30.07.2009, 10:23 Uhr

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7 KOMMENTARE

Peter Gutknecht

16.12.2009, 19:54 Uhr

@Pierre Hangartner: ich glaube Ihnen gern, dass Sie überhaupt kein Problem hatten, via Cashare einen Kredit zu bekommen. Ich kann nur hoffen, Ihre Gläubiger haben jetzt nicht ein Problem. Wenn ich die dürftigen Kreditgesuche auf Cashare anschaue ("möchte 23000 für Ausbildung der Tochter", keine weiteren Angaben), wundert es mich, wie ein Gläubiger für so etwas sein hart verdientes Geld gibt.


Pierre Hangartner

30.07.2009, 13:38 Uhr

Ich habe schon über die Plattform von Cashare einen Kredit finanziert bekommen und hatte überhaupt keine Probleme. Ich habe es zuerst auch über meine Hausbank versucht und verglichen was mich das kosten würde und habe mich danach für Cashare entschieden. Ich denke man sollte nichts verurteilen ohne zu wissen um was es eigentlich geht. Ich zumindest würde es jederzeit wieder machen.


Thomas Stadler

30.07.2009, 12:08 Uhr

Finger weg von solchen Sachen. 1) Nicht mehr Geld ausgeben als reinkommt. 2) Wenn Kredit dann seriös.


Ernst Pauli

30.07.2009, 11:19 Uhr

Solche Projekte haben nur dank unserem hervorragenden Bankenwesen eine Chance.


Hannes Keller

30.07.2009, 11:00 Uhr

Es ist schon etwas verdächtig, wenn einer 14% Zins bietet, wenn er bei einer Bank einen normalen Kleinkredit für 8.5% haben könnte. Das Risiko wäre mir zu Gross.


Sim Merki

30.07.2009, 10:57 Uhr

Wann gibt es endlich das Pendent zu P2P Micro-Credit für die Schweiz?


ruth leemann

30.07.2009, 10:44 Uhr

Das wäre Aufgabe der FINMA solche praktiken zu verbieten.




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