Wirtschaft
Kreditkartengebühr: Schweizer sind die Dummen
Von Andreas Valda. Aktualisiert am 11.05.2009 23 Kommentare
Anfang April gab Mastercard in Brüssel klein bei. Der Konzern willigte ein, die Kommissionen, die bei Einkäufen im Ausland erhoben werden, drastisch zu senken – von durchschnittlich 1,2 Prozent auf maximal 0,3 Prozent des Kaufbetrages. Die EU schätzt die Einsparung auf 200 Millionen Euro jährlich. Bei diesen Kommissionen handelt es sich um die so genannten Interbankentgelte, die den Konsumenten belastet werden. Nach Schätzungen der EU fallen im EU-Raum jährlich 10 bis 16 Milliarden Euro an. Viel zu viel, fand Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Nun läuft auch ein Verfahren gegen Visa. Und in der Schweiz?
Schweizer Behörde zauderte
Hier läuft nichts. Die Schweizer Wettbewerbsbehörde ergreift keine Untersuchung, obwohl das Wettbewerbsrecht von Fachleuten als «sehr ähnlich» wie in der EU eingestuft wird. Olivier Schaller, Vizedirektor im Sekretariat der Wettbewerbskommission, rechtfertigt die Passivität mit einer Vereinbarung von 2005. Da hatte die Behörde mit den Banken einen Deal getroffen: Die Finanzinstitute wurden nicht verurteilt. Sie mussten aber das bei Inlandkäufen verrechnete Interbankentgelt von durchschnittlich 1,8 auf 1,33 Prozent senken. Dafür bekamen sie vier Jahre Zeit. Das Abkommen läuft 2009 aus. «Letzten Herbst verschickten wir Fragebögen an die Banken. Jetzt werten wir die Resultate aus. Im Herbst entscheidet die Wettbewerbskommission über das weitere Vorgehen», sagt Vizedirektor Schaller.
Das zaudernde Verhalten kontrastiert mit den Befunden der EU. Ihre Kartellbehörde hatte vier Jahre lang gegen Mastercard ermittelt. Das Urteil vom Dezember 2007, das jetzt zum Entgegenkommen des Kartenanbieters führte, spricht Klartext:
- «Mastercard «verstösst gegen die Vorschriften über wettbewerbsbeschränkende Geschäftspraktiken».
- Die Kommissionen der Kreditkartenanbieter «treiben die Kosten des Detailhandels künstlich in die Höhe».
- Die Entgelte tragen weder zum «technischen noch wirtschaftlichen Fortschritt» des Kreditkartensystems bei. Das ist ein «rechtswidriger Preismechanismus».
- «Die Leidtragenden sind die Konsumenten, weil sie unter Umständen doppelt für ihre Kreditkarten zahlen: einmal in Form von Jahresgebühren bei ihrer Bank und ein zweites Mal durch überhöhte Verbraucherpreise».
Mastercard hat «vier Untersuchungsjahre versäumt, den Nachweis zu erbringen, dass die Kartengebühren etwaige positive Wirkung auf Innovation und Effizienz hätten, die einen angemessenen Vorteil dem Konsumenten weitergeben.»
Interbankentgelte nicht verhandelbar
Der Präsident des schweizerischen Verbandes Elektronischer Zahlungsverkehr VEZ, Pierre-André Steim, schätzt die ungerechtfertigten Gebühreneinnahmen in Europa auf 2 bis 3 Milliarden Euro. «Mit solchen Summen wurden die Händler in Europa jahrelang regelrecht abgezockt», und er ergänzt: «Interbankentgelte dürfte es eigentlich gar nicht geben, da sie für den Händler nicht verhandelbar sind.»
Von der EU als Beispiel angefügt werden fünf Staaten, die auch ohne Interbankentgelte funktionieren: Dänemark, Niederlande, Norwegen, Finnland und Luxemburg. Aus Schweizer Sicht stellt sich deshalb die Frage, ob die hiesigen Banken überhaupt Interbankentgelte in Rechnung stellen dürfen.
Die bei Inlandkäufen praktizierten Sätze von durchschnittlich 1,3 Prozent müssten laut Steim «sicher tiefer sein als jene, welche die EU jetzt Mastercard bewilligt hat», also unter 0,3 Prozent. Dabei unterscheidet Steim zwischen dem inländischen und dem grenzüberschreitenden Interbankentgeld. «Das Risiko ist für Banken bei einer inländischen Zahlung viel tiefer als wenn ein Kauf im Ausland erfolgt. Kleineres Risiko heisst tieferer Satz», sagt Steim. Er verlangt von der Wettbewerbskommission eine massive Senkung: «Es wäre schlimm, würde die Weko die bisherige Regelung einfach beibehalten», sagt Steim.
Der zu erwartende Effekt einer solchen Senkung kann aufgrund der 2005 veröffentlichten Zahlen geschätzt werden. Die Schweizer Kartellbehörde bezifferte die Einsparungen auf 75 Millionen Franken bei der Senkung von 1,8 auf 1,3 Prozent. Sollte sie nun mit der EU gleichziehen und die Banken auf unter 0,3 Prozent verpflichten, dürfte dies Schweizer Konsumenten jährlich um 150 Millionen entlasten.
Branche klammert sich an Gebühren
Die Kreditkartenanbieter sind gegen weitere Senkungen. Mastercard rechtfertigt die Entgelte mit zwei Hauptargumenten: Erstens laufe am Europäischen Gerichtshof ein Rekurs gegen das EU-Urteil. «Solange das Gericht nichts entschieden hat, kann nicht von ungerechtfertigten Interbankentgelten gesprochen werden», sagt Sprecher Thorsten Klein. Zweitens: «Sollte das Interbankentgeld stark reduziert werden, so werden weniger Kreditkarten ausgegeben. Das System würde für den einzelnen Kartennutzer teurer werden». Visa verteidigt die Entgelte «zur Sicherstellung des maximalen Nutzens für Konsumenten, Händler und Banken». Dem Käufer biete es ein einfaches, sicheres Zahlungsmittel. Dem Händler senke es Kosten im Umgang mit Bargeld, erhöhe die Sicherheit, beschleunige den Zahlungsvorgang und steigere den Umsatz.
Wie hoch die inländischen Interbankentgelte sind, verraten die Anbieter nicht. Mastercard gibt die aktuelle Kommission bei Auslandeinkäufen an. Sie beträgt «im Schnitt 1,05 Prozent». Visa schreibt, das Interbank-Entgeld liege bei Auslandkäufen momentan im Schnitt bei 0,61 Prozent. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.05.2009, 10:08 Uhr
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23 Kommentare
Nur wenn ich nach Übersee gehe tue ich mir eine KK im ersten Jahr Gratis zu. Sobald sie Gebühren kostet geb ich diese Retour. Ich bin ja nicht blöd und zahle 100.- fürs Geldausgeben! In Europa nehm ich Bargeld mit, hatte noch nie Probleme. In der EU muss man halt Bargeld bei der Einreise angeben. Sie fragen dann woher ist das Geld? Ich sage dann: ich arbeite, ok? das muss genügen! Antworten
Die Postcard ist sicher spesenfrei bei Kontobestand über 25000 Fr.Man müsste aber den Umrechnungskus den die Post hat miteinbeziehen , denn da spart man die 4 oder 5 Fr. Spesen beim Bankomatenbezug im Ausland schnell ein.Herr Flückiger das sollten sie auch mal ausrechnen oder testen. Antworten
Was Herr Schaller schreibt, stimmt nicht ganz: «Die Leidtragenden sind die Konsumenten, weil sie unter Umständen doppelt für ihre Kreditkarten zahlen: einmal in Form von Jahresgebühren bei ihrer Bank und ein zweites Mal durch überhöhte Verbraucherpreise». Hallo es gibt GRATIS Kreditkarten. Ausserdem kostet die Wahre GLEICH VIEL ob mit der Kreditkarte bezahlt oder nicht. Antworten
Nichts ist gratis, Man vergoldet ja mit dem Geldbezug an Automaten im Durchschnitt drei Tagen im Jahr mit Anstehen! Ausserdem ist es sicherer mit der Kreditkarte unterwegs zu sein als mit Geld. Wenn die KK geklaut wird kann man sie sperren, falls das CASH wegkommt, ist es weg! Am Monatsende hat man die Uebersicht der Einkäufe. Die Gebühren zahlen die Händler, nicht die Konsumenten (bei Gratis KK). Antworten
es heisst ja KREDIT karte ... weil ein grossteil der benutzer damit über ihre verhältnisse einkaufen! ganz nach dem motto: heute kaufen, morgen (vielleicht) bezahlen. warum also klagen? zudem ist die psychologische hemmschwelle, ausgaben mit einer simplen unterschrift zu begleichen, tiefer, als wenn das geld physisch durch die hände läuft. ganz im interesse der verkäufer und banken. Antworten
Jedes System kostet Geld, das wissen wir alle. Interessant ist, dass Herr Steim als MIGROS-Vertreter selber eine Kreditkarte in Umlauf gebracht hat. Kann sie dann so schlecht für den Handel sein? Zudem habe ich keine Reduktion des Preises festgestellt, als das letzte Mal die Interbankengebühr gesenkt wurde. Gerne würde ich mal tiefere Preise bei den Händlern sehen, statt dem Fingerzeig auf andere. Antworten
In den USA sind die Visa und Masterkarten am Billigsten. Tausende von Banken,Finanzinstitute,Versicherungen geben "im Franchise" die Kreditkarten raus.In den USA bezahlt man keine Gebuehren, nein es werden noch Geschenke,zehntausende freie Miles, 100 USD gutgeschrieben bei den neuen Kunden. Der Markt spielt. In der Schweiz sind nur einige VISA/MC Franchisenehmer,darum machen sie horrende Gewinne. Antworten
Wer zu faul ist, die Kosten-Nutzen abzuwägen & dementsprechend zu handeln, soll bitte nicht über Gebühren motzen. Kreditkarten sind toll, um Ausgaben im Inland, die man sowieso tätigt, zu zahlen. Ich mache so jährlich etwa 400 Franken fürschi durch das Bonusprogramm meiner KK. Im Ausland profitiere ich von der Sicherheit & zahle durchschnittlich 50.- an Gebühren pro Jahr. Meine Rechnung geht auf. Antworten
Ja, der Konsumentenschutz in der Schweiz befindet sich noch in der Steinzeit. Diese Kreditkartenunternehmen bieten ausser Abzocke nichts! Was die da faseln von gut für Kunde Verkäufer und Bank ist Blödsinn! Bei einem Geschäft zwischen 2 Parteien sollen am Ende 3 profitieren? Unmöglich! Sonst wären wir nicht am Arbeiten, sondern den ganzen Tag am Kreditkärteln. Da müssen zackig Änderungen her! Antworten
Wie auf vielen Gebieten hinkt die Schweiz meilenweit hinterher .. wen wunderts: bürgeliche Parteien werden von Banken finanziert=gekauft deren Interessen zu vertreten anstelle von Konsumenten-Interessen und das klappt ja auch bestens: Milliardensummen für Banken werden innert Wochenfrist bewilligt. Dagegen ist ein Stop des legalen Kreditkarten-Betrugs in weiter Ferne. Antworten
Ich habe schon längst eine KK von Amazone / LBB für Einkäufe im EU-Raum. Und unter Androhung die Karte zu kündigen werden einem die jährlichen KK-kosten auch erlassen. Ansonsten einfach wechseln. Ansonsten mache ich es wie Giovanni Bernasconi und bezahle möglichst in bar. Antworten
Es ist auffallend das im Ausland getätigte Einkäufe mit der Kreditkarte meistens auf den Kaufbetrag noch bis 5% auf den angeschriebenen Preis aufgeschlagen wird, und das meist auf Haushaltartikel und Elektronik! Was den Kartenbenutzer dann meist abhält und den Betrag bar bezahlt! So ist besser den Betrag am Geldautomaten vorher auszulösen ! Antworten
Habe seit Jahren die Kreditkarte meiner Hausbank (damals 140.- pro Jahr) durch eine Gratiskarte von einem der beiden Grossverteiler genommen. Da ich die Rechnung immer rechtzeitig und vollständig zahle und kein Bargeld damit beziehe, halten sich die Kosten wirklich in Grenzen! Antworten
Wieso wird nicht auch noch die "Bearbeitungsgebühr" von 2% bei SWISSCARD moniert? Wenn jemand im EURO- oder Dollarraum die MASTERCARD benützt, wird ihm auf der Rechnung nebst einem schlechten Fremdwährungskurs auch noch die sog. "Bearbeitungsgebühr" von aktuell 2% belastet. Wenn unsere "Kartellkommission" wirklich was wert wäre, hätte dieser Zahn längst gezogen werden müssen . . . Antworten
Machen sie es wie ich: fragen sie nach den Rabatt bei Bar-Bezahlung und lassen sie dann die Karte unbenuetzt. So erspare ich mir sehr viel mehr als nur die Kommissionen, die legale Diebstahl sind! Wir Schweizer muessen lernen unsere schlafende Behoerden zu umgehen (da sie so wie so allen Lobbies ja und Amen sagen). Antworten
Ist das was neues!? Vor mehr als 25 Jahren mit KK bezogen im Ausland, hatte ich keine Gebühren, der Verkäufer kam für Gebühren auf, zwischenzeitlich hat sich das leider geändert. Doch, der Kassensturz weist schon seit Jahren bei Medikamenten, Hilfmittel und Med.-Geräte darauf hin, bei den Fluggesellschaften ist es das Gleiche. Weist man eine Behörde auf Unstimmigkeiten hin, ist keine zuständig!! Antworten




Marcel Wiedmer
Mastercard und American Express von Swisscard z.B. verrechnen ausländische Währungen zu einem schlechten Kurs. Dann verrechnet diese Firma auch noch 2.5% Bearbeitungszuschlag pro Einkauf. Weiter verrechnet die Firma bei Zahlungsverzug SFr. 20.- Gebühren gemäss AGBs (obwohl nicht zulässig) und Nachforschungen bezahlt der KK-Kunde mit satten Sfr. 80.-. Ich habe gekündigt!! Lasst die Finger davon! Antworten