Wirtschaft

Landkrähen nerven die Städter

Von Andrea Sommer. Aktualisiert am 31.03.2010 30 Kommentare

Mehr als die Hälfte der Schweizer Saatkrähen lebt in Bern und Basel. Und: Der Bestand der geschützten Vögel vergrössert sich. Was Vogelschützer freut, sorgt in Quartieren für Unmut.

Massenhaft Saatkrähen: Die geschützten Rabenvögel nisten, brüten  und lärmen vorzugsweise in Kolonien wie hier im Dählhölzli.

Hans Wüthrich

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Saatkrähen nisten in der Stadt und machen viel Lärm. Sie stehen unter Schutz, soll dieser aufgehoben werden?

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Kein Schutz für Saatkrähen

2009 forderte FDP-Nationalrat Laurent Favre NE in einer Motion die Regulierung der Raben- und Saatkrähenbestände. Weil die Population der Saatkrähen zugenommen habe, sei deren Schutz in Frage zu stellen. Dies könne in der laufenden Teilrevision der Jagdverordnung diskutiert werden, schrieb der Bundesrat in seiner Antwort. Dass sie im Jahr 2005 Rabenkrähen töten liess, brachten der Berner Volkswirtschaftsdirektorin Elisabeth Zölch (SVP) Morddrohungen ein.

Auf den Spuren der Rabenvögel

Im internationalen Jahr der Biodiversität organisiert die Stadt verschiedene Aktivitäten. So auch die Führung «Von Krähen und Raben», am 8. Mai von 14 bis 16 Uhr. Frank Borleis, Beauftragter Monitoring und Beratung Saatkrähen Schweiz, leitet den Rundgang. Treffpunkt ist beim alten Bärengraben, die Führung ist gratis und bei jedem Wetter.

Alle Vögel sind schon da – während es im bekannten deutschen Frühlingslied zwitschert und jubiliert, krächzt es derzeit im Wankdorfquartier ohrenbetäubend. Das zumindest finden Heidi Hasler und ihre Nachbarn: In den Platanen vor ihren Fenstern nisten nämlich nicht Amsel, Drossel, Fink und Star, sondern scharenweise Krähen. «Uns stören Lärm und Dreck, den die Vögel während ihrer Brutzeit produzieren», sagt Heidi Hasler. Und: «Von Jahr zu Jahr scheint die Zahl der Krähen zuzunehmen.»

Genau gesagt handelt es sich um Saatkrähen. Diese Art sei in den 60er-Jahren aus ihrem Hauptverbreitungsgebiet Grossbritannien, Deutschland und Nordfrankreich eingewandert, sagt Niklaus Zbinden von der Vogelwarte Sempach.

Gesellige Vögel

Die Saatkrähe gilt als sehr gesellig – die Vögel nisten stets in Kolonien und suchen ihre Nahrung in Scharen. Wegen ihres kleinen Bestandes gilt die Saatkrähe als potenziell gefährdete Art und steht deshalb unter Schutz.

Noch, denn seit den 1960er-Jahren hat die Saatkrähenpopulation in der Schweiz zugelegt. 2009 wurden in der Schweiz gegen 4000 Paare gezählt. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt in den Städten Basel und Bern. Dort nisten sie mit Vorliebe in Platanen-Alleen, weil sich die breiten Äste dieser Bäume sehr gut als Untergrund für Krähennester eignen. Neben diesen Bäumen seien es auch die in den Städten etwas milderen Temperaturen, die die Saatkrähen anlockten, weiss Niklaus Zbinden. Ihr Futter finden die Tiere jedoch nicht in der Stadt: Samen, Engerlinge und Würmer sammeln die Vögel tagsüber auf dem Land.

Nur zerstörte Nester nutzen

Dass die Saatkrähenpopulation in Bern zunimmt, bestätigt auch Sabine Tschäppeler, verantwortlich für Natur und Ökologie bei der Berner Stadtgärtnerei. Zum Leidwesen der Anwohner nisteten die Vögel besonders gern in Bäumen entlang dicht befahrenen Strassen, so Tschäppeler. «Bei uns gehen viele Reklamationen wegen der Saatkrähen ein, die wir auch sehr ernst nehmen.»

Allerdings ist gegen diese intelligenten Vögel so schnell kein Kraut gewachsen. Tschäppeler: «Wir haben bereits erfolglos mit Lärm und Laser versucht, die Vögel zu vertreiben.»

Töten dürfe man die Tiere nicht, weil sie unter Schutz stünden. Die Bäume zu fällen oder so weit zu stutzen, dass nur noch der Rumpf übrig sei, wäre zwar effektiv, jedoch keine praktikable Lösung, so Tschäppeler. «Dann weichen die Vögel auf den nächsten Baum aus.» Einzig das regelmässige Zerstören der Nester könne die Krähen davon abhalten, sich niederzulassen. Aber Achtung: Sobald die Vögel brüten, sind sie geschützt, und die Nester dürfen nicht mehr zerstört werden.

Eine Motion zum Thema

Auch im Bundeshaus sind die Rabenvögel ein Thema: Eine Motion fordert, ihre Bestände zu regulieren. In seiner Antwort signalisiert der Bundesrat Bereitschaft, über die Aufhebung des Schutzes der Saatkrähe zu diskutieren (siehe Box). Denn diese Vogelart bringe speziell im Siedlungsraum Probleme, da sie in Kolonien brüte, lärme und kote. Der Vorstoss ist noch hängig – vermutlich haben die Saatkrähen ihre Eier schneller ausgebrütet, als die Bundesparlamentarier eine Lösung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.03.2010, 09:39 Uhr

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30 Kommentare

Cecilia Bächlin

31.03.2010, 17:26 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Es muss unbedingt etwas gegen die Krähenplage unternommen werden. Sie stören unseren Schlaf und nerven auch am Tag mit ihrem Gekrähe. Im Park (Margarethenpark, Basel) ist es mittlerweile schon unheimlich so viele grosse schwarze Vögel hat es. Antworten


Peter H. Kuhn

31.03.2010, 08:46 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Diese geschützten (!) Krähen sind ganz klar ein Übel. Seit einigen Jahren fallen sie auch in die Agglomerations-Siedlungen ein und vertreiben deutlich spürbar die hier früher zahlreichen Sing-und Kleinvögel. Eine wahre Plage, der man endlich begegnen sollte. Antworten



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