Wirtschaft

«Lohnverzicht ist keine Lösung»

Von David Vonplon, Hubert Mooser. Aktualisiert am 30.10.2009 14 Kommentare

Im Departement Leuthard verfolgt man mit Argwohn, wie Schweizer Unternehmen auf dem Buckel der Beschäftigten Kosten sparen. Serge Gaillard, Chef Arbeitsmarkt beim Seco, fordert eine Entschädigung für die betroffenen Mitarbeiter.

«Personal wird entmutigt»: Serge Gaillard (l.) kritisiert Unternehmen, die Lohnopfer von ihren Mitarbeitern fordern. Rechts: Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard.

«Personal wird entmutigt»: Serge Gaillard (l.) kritisiert Unternehmen, die Lohnopfer von ihren Mitarbeitern fordern. Rechts: Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard.

Rieter, Hilti, Alu Menziken, OC Oerlikon und SFS: Immer mehr Unternehmen fordern ihre Mitarbeiter auf, «freiwillig» auf einen Teil ihres Lohns zu verzichten. Mit bis zu zehn Prozent weniger Einkommen sollen die Angestellten haushalten müssen, um ihrem Arbeitgeber aus der Krise zu helfen – und oft trifft es nicht nur das Kader eines Unternehmens, sondern auch Mitarbeiter bis hinunter zu den tiefsten Hierarchiestufen.

Die Sparübungen auf dem Buckel der Beschäftigten missfallen dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco): «Lohnverzicht ist weder aus volkswirtschaftlicher noch aus betriebswirtschaftlicher Sicht eine Lösung in der Krise», erklärt Serge Gaillard, Chef Arbeitsmarkt beim Seco, auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Denn dieser führe dazu, dass das Personal entmutigt werde.

Gaillard ist denn auch der Auffassung, dass die Unternehmen die entgangenen Saläre den Mitarbeitern zu einem späteren Zeitpunkt zumindest teilweise zurückbezahlen sollen: «Wenn es dem Unternehmen wieder besser geht, sollte es eine Entschädigung für den von den Mitarbeitenden geleisteten Verzicht geben.»

Lohnverzicht nur in Ausnahmefällen

Gaillard hält den Lohnverzicht nur in «speziellen Situationen» für gerechtfertigt, etwa wenn ein Unternehmen mit Liquiditätsproblemen kämpft. «Da kann ein vorübergehender Lohnverzicht möglicherweise helfen, eine schwierige Zeit zu überbrücken und Entlassungen zu verhindern.» In diesem Fall sollten die Lösungen von den Sozialpartnern ausgehandelt werden.

Letzeres jedoch bleibt wohl ein frommer Wunsch des früheren Gewerkschafters im Dienste von Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard. Rieter beispielsweise forderte von Mitarbeitern bis Ende Jahr einen Lohnverzicht von zehn Prozent - ohne die Arbeitnehmervertreter darüber ins Bild zu setzen. Von einer Entschädigung für die Beschäftigten war nie die Rede. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.10.2009, 16:59 Uhr

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14 Kommentare

Bernhard Kobel

30.10.2009, 15:53 Uhr
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Wenn eine Unternehmung einen Lohnverzicht als einzige Möglichkeit sieht, in einer ausserordentlichen Krise zu überleben, haben sich die verantwortlichen Leute gut überlegt, wie sich das auf Motivation auswirkt. Niemand trifft einen solchen Entscheid leichtfertig. Als Staatsangestellter lasst sich gut Forderungen stellen: Der eigene Teuerurungsausgleich und Lohnstufenanstieg ist ja garantiert. Antworten


Sibylle Weiss

30.10.2009, 17:08 Uhr
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Teil 2: Und wenn man schon beim Liquiditätsengpass angekommen ist,kriegen dies die Arbeitnehmer entweder durch Kurzarbeit (kein Schutz vor Kündigung) od.Entlassung in erster Instanz zu spüren. Fazit = mehr Arbeitslose! Antworten



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