London sieht Steuer-Deal mit Google als Signal

Der Internetriese Google muss in Grossbritannien 188 Millionen Franken Steuern nachzahlen. Ähnliches könnte bald weiteren Konzernen blühen.

Vermied nach Ansicht der britischen Behörden Steuern: Das US-Unternehmen Google. (Symbolbild))

Vermied nach Ansicht der britischen Behörden Steuern: Das US-Unternehmen Google. (Symbolbild)) Bild: Virginia Mayo/AP/Keystone

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Google wird in Grossbritannien für die vergangenen zehn Jahre 130 Millionen Pfund (umgerechnet rund 188 Millionen Franken) an Steuern nachzahlen. Die Finanzbehörde hatte vor sechs Jahren Ermittlungen zur Frage gestartet, warum multinationale Konzerne mit ihren Zentralen ausserhalb des Landes in Grossbritannien so wenig Steuern zahlen. Die Strategien von Konzernen zur Steuervermeidung waren in den vergangenen Jahren scharf in die Kritik geraten.

Die Regierung feierte den Deal am Wochenende als Signal für mehr Steuergerechtigkeit. Der britische Finanzminister George Osborne, der die sogenannte Google-Tax angekündigt hatte, um ins Ausland verlagerte Gewinne zu besteuern, zeigte sich erfreut über die Einigung: «Es ist gut zu sehen, dass Google mehr Steuern auf frühere Gewinne zahlt», erklärte er am Samstag. «Wir erwarten nun, dass auch andere Firmen ihren Anteil zahlen.»

Auch eine Google-Sprecherin zeigte sich kooperativ. Als Ergebnis der Kritik an den Steuervermeidungsstrategien werde das internationale Steuersystem geändert. «Diese Einigung trägt dem Rechnung», sagte sie mit Blick auf das Übereinkommen mit der britischen Finanzbehörde HMRC. Mit der Summe würden Steuern ab 2005 nachgezahlt.

Opposition spricht von «lächerlicher» Summe

Der finanzpolitische Sprecher der oppositionellen Labour-Partei, John McDonnell, nannte den Deal hingegen «lächerlich». Die 130 Millionen Pfund, die Google nachzahle, stünden in keinem Verhältnis zu den Ersparnissen des Konzerns. Die Vorsitzende des Haushaltskontrollausschusses, Meg Hillier, beklagte, Vertreter internationaler Firmen hätten Steuerbeamte «umschwärmt», um die Gesetzgebung zu beeinflussen. Für sie ist das Abkommen auch ein klares Eingeständnis der Steuerbehörden, jahrelang zu wenig Steuern kassiert zu haben.

Der britische Rundfunk BBC berichtete, künftig werde Google einen grösseren Teil seiner Geschäfte in Grossbritannien registrieren, und nicht in Irland, wo die Europa-Zentrale sitzt und die Unternehmenssteuern im EU-Vergleich besonders gering sind. Eine Sprecherin der HMRC zeigte sich zufrieden: Google werde nun sämtliche Gewinne angemessen versteuern, die in Grossbritannien angefallen seien. (chi/sda)

(Erstellt: 24.01.2016, 10:54 Uhr)

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