MAN-Chef tritt überraschend zurück
MAN-Vorstandschef Chef Hakan Samuelsson ist am Montag überraschend zurückgetreten. MAN erklärte, Samuelsson gehe auf eigenen Wunsch, damit «sich die MAN-Gruppe wieder zügig voll und ganz ihren Kerngeschäften und ihrer weiteren Unternehmensentwicklung widmen kann». Samuelsson sei «zu der Überzeugung gekommen, dass es zum Wohle des Unternehmens einen personellen Neuanfang auf höchster Ebene geben sollte».
Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Mai wegen Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe gegen den ehemaligen Vertriebsvorstand der Nutzfahrzeugsparte und mehr als 100 weitere MAN-Mitarbeiter und -Kunden. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte, Samuelssons Rücktritt habe die Ermittler überrascht: «Er wird nicht als Beschuldigter geführt.»
«Weg frei für einen unbelasteten Neuanfang»
Der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer sagte dagegen: «Bei einem Manager wie Herrn Samuelsson ist die politische Verantwortung im Gehalt inbegriffen. Mit dem Rücktritt wird nach der Korruptionsaffäre der Weg frei für einen unbelasteten Neuanfang.» Der stellvertretende MAN-Aufsichtsratschef und IG-Metall-Funktionär Thomas Otto forderte, die begonnene Aufklärung der Korruptionsvorwürfe müsse mit gleicher Intensität fortgeführt werden.
Zum kommissarischen Nachfolger berief der Aufsichtsrat den Chef der Konzernsparte MAN Diesel, Georg Pachta-Reyhofen. Er übernimmt den Vorstandsvorsitz des Konzerns zusätzlich zu seiner bisherigen Aufgabe.
MAN seit 2005 zu Rekordgewinnen geführt
Das «Handelsblatt» berichtete, nach neuen internen Erkenntnisse sei Samuelsson nicht juristisch, aber politisch mitverantwortlich für die Schmiergeldaffäre. VW- und MAN-Aufsichsratschef Ferdinand Piech habe «die Situation genutzt, um sich von Samuelsson zu trennen».
Der 58-jährige Samuelsson hatte seit Januar 2005 an der Spitze des MAN-Konzerns gestanden. Er verkaufte mehrere Konzernsparten und machte aus dem Mischkonzern ein hochprofitables Unternehmen mit den Standbeinen Lastwagen- und Busproduktion sowie Diesel- und Turbomaschinen. Unter Samuelsson steigerte MAN seinen Umsatz um ein Viertel auf 15 Milliarden Euro und den Gewinn von 0,47 auf 1,25 Milliarden Euro.
Mit Scania-Übernahme gescheitert
Der Ingenieur war bis 2000 Vorstand beim schwedischen Lkw-Hersteller Scania gewesen und hatte bei MAN die Nutzfahrzeugsparte erfolgreich saniert. Sein Versuch, 2006 Scania zu übernehmen, war aber von den Schweden und Grossaktionär VW ausgebremst worden.
Das Präsidium des MAN-Aufsichtsrats bekundete «grössten Respekt vor der Entscheidung von Hakan Samuelsson». Seit 2000 habe er dazu beigetragen, MAN positiv weiterzuentwickeln. (cpm/ap/)
Erstellt: 23.11.2009, 20:58 Uhr
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