«Macht so viele Ferien, wie ihr wollt»

Virgin-Gründer Richard Branson will seinen Mitarbeitern so viel Urlaub gönnen, wie sie selber nehmen wollen. Das Modell wird schon bei anderen Firmen angewendet.

Mitarbeiter, die mehr Ferien machen, gelten als produktiver: Erholsame Ferien am Strand.

Mitarbeiter, die mehr Ferien machen, gelten als produktiver: Erholsame Ferien am Strand. Bild: iStock

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«Nehmt so viele Ferien, wir ihr wollt.» Dies ist die neue Urlaubspolitik von Richard Branson, britischer Milliardär und Gründer der Virgin Group. «Flexible Arbeitszeitmodelle haben die Art, wie, wo und wann wir unsere Jobs erledigen, revolutioniert», schreibt Branson auf seiner Website. «Wenn also der klassische Achtstundentag nicht mehr gilt, wieso sollte dies für eine strikte Ferienregelung der Fall sein?», fragt der 64-Jährige.

Die Verwischung von Arbeits- und Privatleben, verursacht durch den technologischen Fortschritt, verunmögliche es Firmen, die exakte Arbeitszeit der Mitarbeiter zu erfassen. Branson will es seinen Mitarbeitern überlassen, wann sie ein paar Stunden, einen Tag, eine Woche oder einen Monat freinehmen, eine Erlaubnis des Vorgesetzten ist nicht nötig. Dazu müsse aber die Abteilung des betreffenden Angestellten mit seiner Arbeit und seinen Projekten à jour sein und die Firma keinen Schaden nehme.

Netflix als Vorbild

Die unbegrenzten Ferien gelten vorerst nur für die 170 Mitarbeiter an den beiden Hauptsitzen von Virgin in London und New York. Die restlichen 50'000 Angestellten des Konglomerats, zu dem Fluggesellschaften, Banken, Fitnessstudios, Casinos und Hotels gehören, kommen vorerst nicht in den Genuss der neuen Regelung. Sei sie jedoch so erfolgreich wie erwartet, sollen unbegrenzte Ferien auch in den weiteren Teilen der Gruppe gelten.

Dies dürfte jedoch nicht so einfach sein, weil er bei zahlreichen Tochtergesellschaften nur einer von mehreren Eigentümern ist. Ob die Begeisterung der Partner so gross ist wie jene Bransons, ist ungewiss. Bei einigen Firmen mit dem Virgin-Logo hat der Brite gar nichts mehr zu sagen, da diese lediglich die Lizenz für den Namen besitzen.

Branson liess sich vom US-Streamingdienst Netflix inspirieren. Seine Tochter hat ihm einen Artikel dazu weitergeleitet und ihn ermuntert, dies auch bei seiner eignen Firma zu prüfen. In den USA kennt inzwischen eine Reihe von Firmen – vorwiegend im Technologiebereich – die Regelung, so etwa das Gutscheinportal Groupon oder der Onlinespiele-Anbieter Zynga.

Mitarbeiter sind produktiver

Netflix versteht seine Politik jedoch etwas anders. Bei der Firma gebe es keine unbegrenzten Ferien, schrieb ein Geschäftsleitungsmitglied vor einem Jahr auf der eigenen Website. Viel eher vertraue das Unternehmen darauf, dass jeder Mitarbeiter seinen Job erledige. Netflix habe schlicht kein Interesse daran, Arbeitsstunden oder Ferienabsenzen systematisch zu erfassen.

Zu den Firmen, die ihren Mitarbeitern in Sachen Ferien freie Hand lassen, zählt die amerikanische Jobvermittlungsplattform TheLadders.com. «Wir ermutigen unsere Mitarbeiter, mindestens eine, wenn nicht sogar zwei Wochen am Stück freizunehmen», sagte Firmenchef Alexandre Douzet in einer Radiosendung von BBC. Aus Schweizer Sicht scheint das nichts Aussergewöhnliches, in den USA hingegen schon, da dort Mitarbeiter im Schnitt nur 16 Ferientage erhalten.

Nur ein PR-Gag?

«Mitarbeiter, die pro Jahr nur zwei Wochen in die Ferien fahren, sind tendenziell in den übrigen 50 Wochen nicht so produktiv, wie sie sein könnten», beobachtet Douzet. Er habe deshalb die Erfahrung gemacht, dass Angestellte produktiver sind, wenn sie mehr Ferien machen. «Die Mitarbeiter kommen erholt zurück und gehen mit voller Energie an die Arbeit.» Diesen Zusammenhang stellen auch Arbeitspsychologen fest. In Grossbritannien etwa haben Angestellte im europäischen Vergleich am wenigsten Ferientage, gleichzeitig gehört die Produktivität zu einer der tiefsten unter den entwickelten Ländern.

Derweil sind die Reaktionen auf Bransons Ankündigung gemischt. Einige vermuten eine PR-Aktion dahinter, um die Verkaufszahlen seines neuen Buchs «The Virgin Way» zu fördern. Gleichzeitig stellen sich Kritiker die Frage, wie eine solche Ferienregel auf Mitarbeiter angewandt werden sollen, die etwa in Fluggesellschaften der Virgin-Gruppe nach Einsatz- und Schichtplänen arbeiten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 26.09.2014, 12:22 Uhr)

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Wenn der Achtstundentag nicht mehr gelte, brauche es auch keine fixe Ferienregelung mehr: Richard Branson an einer Veranstaltung in Kalifornien. (Bild: Keystone Reed Saxopn)

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