Wirtschaft

Madoff packt aus, wie er die Börsenaufsicht austrickste

Aktualisiert am 29.07.2009

In seinem ersten Interview, das Bernie Madoff gegenüber Anwälten von Opfern gab, hat sich der Milliardenbetrüger überrascht gezeigt, dass er jahrelang nicht aufflog.

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Hier sitzt Madoff bis zum Ende seines Lebens: Das Gefängnis Butner in North Carolina.
Bild: Keystone

   

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«Die Börsenaufsicht SEC hat mich verschiedene Male besucht. Und jedesmal dachte ich, jetzt bin ich geliefert», gestand Milliardenbetrüger Bernie Madoff gegenüber zwei Anwälten, die eine Gruppe von Geschädigten vertreten. Joseph Cotchett und Nancy Fineman haben das Interview erwirkt, indem sie dem ehemaligen Fondsmanager angedroht hatten, seine Ehefrau Ruth, seinen Bruder und seine Söhne zu verklagen. Das viereinhalbstündige Gespräch fand im Gefängnis in Butner im Bundesstaat North Carolina statt, wo «der grösste Betrüger aller Zeiten» seine Haftstrafe von 150 Jahren absitzt.

«Er sah viel besser aus als auf den Fotos, die Monate zuvor in der Presse zu sehen waren», sagte Cotchett gegenüber ABC News. Er sah «ausgeruht und durchtrainiert» aus. Auch wirkte er auf den Anwalt aus San Francisco «ehrlich und offen»: «Er erzählte uns, wie er das Schneeballsystem abwickelte und wie er damit über Jahre ungeschoren davonkam.»

«Seine Söhne sind ihm ...egal»

Madoff hatte beim Gespräch das Bedürfnis, seine Frau Ruth vor den Anschuldigungen zu schützen. Er betonte, dass gewisse Familienmitglieder von seinen Machenschaften keine Ahnung hatten. «Er sorgt sich um Ruth; seine Söhne, Mark und Andrew, aber sind ihm ...egal.» Seine Söhne sollen seit der Verhaftung am 11. Dezember kein einziges Wort mit den Eltern gesprochen haben. Die beiden beteuern, dass ihr Vater sie erst über seine kriminellen Aktivitäten informiert habe, als ihm das Geld allmählich ausging und er seine Verbrechen nicht länger verheimlichen konnte.

Peter Madoff, der Bruder und Hauptkomplize von Bernie Madoff, wird laut Cotchett zur Verantwortung gezogen werden. Auch er beteuert seine Unschuld. Er habe erst zwei Tage vor der Verhaftung seines Bruders vom Schlamassel erfahren.

Die Börsenaufsicht SEC hat bereits schwere Versäumnisse in dem Fall eingeräumt. Trotz einschlägiger Tipps deckte sie den Riesen-schwindel über Jahrzehnte hinweg nicht auf. Der Ex-Broker hatte im grössten Betrugsfall der Finanzgeschichte mit einem 65 Milliarden Dollar schweren Schneeball-System weltweit tausende Anleger geprellt. (mbr)

Erstellt: 29.07.2009, 14:23 Uhr

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