Wirtschaft

Madoff-Betrug: Opfer bestellten Renditen

Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 18.05.2009

Nicht nur die Familie, auch Freunde des Betrügers Madoff stehen unter Verdacht. Sie seien Mittäter, nicht Opfer.

Bernard Madoff im März vor dem Gerichtsgebäude in New York.

Bernard Madoff im März vor dem Gerichtsgebäude in New York.
Bild: Keystone

Die Verdachtsmomente im grössten Betrugsring der US-Finanzbranche häufen sich. Mindestens drei prominente Investoren sind nach Darstellung der Kläger nicht Opfer, sondern Komplizen von Bernard Madoff, der im Juni verurteilt werden soll und eine Haft von bis zu 150 Jahren gewärtigt. Unter Verdacht steht der 96-jährige Carl Shapiro, einer der ältesten Freunde von Madoff. Er hatte dem späteren Betrüger in den frühen 60er-Jahren geholfen, seine erste Investmentfirma aufzubauen.

Aus 20 Millionen mach 1000 Millionen

Später übergab Shapiro ihm ein Vermögen von rund 20 Millionen Dollar, das er mit dem Verkauf einer Kleidermarke erworben hatte. Madoff stemmte es in wenigen Jahren auf sagenhafte 1000 Millionen Dollar hoch. Der Sachwalter der Madoff-Geschädigten, Irving Picard, macht nun in der Klageschrift geltend, Shapiro habe angesichts der unrealistisch hohen Profite sehr wohl um die Betrügereien gewusst. Der greise Investor bestreitet die Anschuldigungen und macht geltend, beim Kollaps von Madoffs Kartenhaus rund 400 Millionen Dollar verloren zu haben.

Im Voraus definierter Gewinn

Schwerer wiegen die Verdachtsmomente gegen den 67-jährigen Jeffrey Picower und seine Frau. Sie sollen mit Madoffs Hilfe mindestens 5100 Millionen Dollar erwirtschaftet und entgegen ihren Beteuerungen gewusst haben, dass der Geldmanager keine Börsengewinne erzielte, sondern lediglich die Einlagen der neueren an die früheren Investoren umverteilte. Dazu liegen der Anklage Schriftenwechsel vor, die zeigen, dass die Picowers von Madoff wiederholt einen im Voraus definierten Gewinn einforderten und diesen auch erhielten.

Allein 2007 sollen mehr als 55 Millionen Dollar an fiktiven Renditen überwiesen worden sein. In 14 Jahren sackten die Picowers Gewinne von jeweils mehr als 100 Prozent ein, in einem Jahr gar von 950 Prozent. Das Ehepaar bestreitet jede Mitwisserschaft. Die im Bereich der Medizinalforschung und Erziehung tätige Picower-Stiftung verlor mit dem Madoff-Kollaps mehr als 1000 Millionen Dollar und musste den Betrieb einstellen.

Fiktive Verluste geordert

Noch dreister trieb es gemäss der vom «Wallstreet Journal» zitierten Anklage der 82-jährige Investor Stanley Chais. Er bestellte bei Madoff nicht nur regelmässige Renditen von über 40 Prozent, die er auch erhielt, er orderte auch fiktive Verluste, um Profite aus anderen Geschäften abzubauen und Gewinnsteuern zu vermeiden.

Auch Chais bezeichnet sich als unwissend. Die Anklage hat allerdings bereits zivilrechtliche Verfahren gegen die drei Investoren eingeleitet und versucht, diese zu strafrechtlichen Prozessen ausweiten zu können. Der Umstand, dass sie von Madoff bestimmte Gewinne verlangten und erhielten, ist ein starkes Indiz für ihre Mittäterschaft. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2009, 23:08 Uhr

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