Wirtschaft
Makelloser Ruf, keine Selbstdarstellerin
Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 27.10.2011 2 Kommentare
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Virginia Rometty hält nicht viel von glamourösen Auftritten. Ausserhalb ihre Branche ist sie kaum bekannt, obwohl sie bei IBM (IBM 194.3 -0.91%) seit mehr als 30 Jahren eine starke Rolle spielt. Ihre Wahl an die Spitze von «Big Blue» war logisch; die 54-Jährige verdiente sich den Aufstieg mit Einsatz und Weitsicht.
Rometty ist eine von nur 18 Frauen, die eine der 500 grössten US-Firmen leiten. Doch etwa im Gegensatz zu Meg Whitman von Hewlett-Packard geniesst Rommety einen makellosen Ruf, sie gilt nicht als Selbstdarstellerin. Auch wurde sie nicht wie Whitman als Nothelferin von aussen berufen. IBM hatte sie lange auf ihre Aufgabe vorbereitet; und ihre Wahl als Nachfolgerin von Samuel Palmisano war denn auch keine Überraschung. Rometty stehe für Konstanz und Berechenbarkeit, so unisono das Urteil von Branchenexperten. Ihr unermüdlicher Einsatz, ihr hervorragender Ruf bei den Kunden und ihre strategische Weitsicht seien entscheidend gewesen, so Palmisano, nicht die Rücksicht auf Frauenquoten.
Fast am Selbstverständnis gescheitert
IBM galt lang als Boy’s Club, und der 1911 als Computing Tabulating Recording Corporation gegründete Konzern wäre auch fast an einem zu sicheren Selbstverständnis gescheitert. IBM war Pionier der ersten Mainframe-Computeranlagen und spielte später eine ebenso führende Rolle im PC-Geschäft. In den 1990er-Jahren war Rometty eine der Ersten, die auf die Risiken des Stillstands im Hightechmarkt hinwiesen.
2002 setzte sie für 3,5 Milliarden Dollar die riskante Übernahme der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers durch. Es galt, zwei unterschiedliche Kulturen zu vereinen: die etablierten Forscher und etwas konservativen Analytiker von IBM mit den forschen, eigenständigen Unternehmensberatern von PWC. Rometty gelang die Fusion mit einer grossartigen Charmeoffensive, wie Bewunderer sagen: Sie bringe eben Charme und Leistung unter einen Hut.
Sie taucht gerne unter
Auf ihren Erfolg angesprochen, sagt sie, sie sei nie vor übergross scheinenden Aufgaben zurückgeschreckt. An der Hochschule habe sie gelernt, komplexe Probleme zu lösen. So habe sie einen drohenden Stillstand bei IBM erkennen und abwenden können. Wenn sie dem Konzern über 30 Jahre treu geblieben sei, so wegen des systematischen, analytischen Denkens auf allen Ebenen des Konzerns. Rometty nennt den Supercomputer Watson, den IBM erfolgreich als Teilnehmer einer TV-Quizshow einsetzte und so bekannt machte, als Modell des kognitiven Lernens.
Seit der Abkehr vom Mainframe- und PC-Geschäft vor gut zehn Jahren schreibt IBM eine der grossen Erfolgsgeschichten der US-Wirtschaft. Der Konzern entwickelte sich in aller Stille zum zweitgrössten IT-Konzern (nach Apple) und hat Microsoft überrundet. Der Aktienwert hat sich seit der Rezession 2008 verdoppelt, während der Wert der Papiere des direkten Konkurrenten HP halbiert wurde. Rommety war am Erfolg als Verkaufschefin wesentlich beteiligt; sie verpasste IBM das Image des global führenden Dienstleistungsunternehmens im IT-Bereich. Wesentliche Kursänderungen seien von ihr nicht zu erwarten, sagt sie. In ihrer Freizeit ist sie in Florida anzutreffen. Mit ihrem Mann, den sie zur Zeit ihres Eintritts bei IBM heiratete, taucht sie dann gerne unter; in den türkisblauen Gewässern von Bonita Beach. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.10.2011, 12:13 Uhr
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2 Kommentare
Ich verstehe den ersten Satz im letzten Abschnitt nicht: "Seit der Abkehr vom Mainframe- und PC-Geschäft vor gut zehn Jahren ...". IBM ist nach wie vor sehr aktiv im Mainframe-Umfeld. Der Mainframe ist nach wie vor die erfolgreichste Hard- und Software-Plattform bei IBM und neben dem Dienstleistungsgeschäft eine wichtige Einnahmequelle. Antworten
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